Blue Apron IPO an der NYSE

Kochen aus der Box Blue Apron: Menetekel für Hellofresh?

Stand: 24.10.2017, 10:53 Uhr

Wer sich für den Börsengang von Hellofresh interessiert, darf auf keinen Fall vergessen, sich Blue Apron anzuschauen. Wer im Juni auf den US-Konkurrenten gewettet hatte, hat ordentlich Geld verbrannt.

Aus der blauen Schürze Blue Apron ist eine trübsinnige Schürze geworden: Für einen Ausgabepreis von zehn Dollar war der Kochboxen-Anbieter am 29. Juni 2017 an die Börse gegangen. Blue Apron liefert Lebensmittel nach Hause, mit denen die Kunden nach Rezept Menüs zusammenstellen und kochen können. Seitdem hat sich der Börsenwert  des Unternehmens halbiert. Aktuell kostet eine Aktie nur wenig mehr als fünf Dollar.

Und es sieht im Moment nicht danach aus, als könnte das Management das Ruder herumreißen. Vor wenigen Tagen wurde zwar bekannt, dass Blue Apron sechs Prozent der Stellen streicht. Die tiefer liegenden Probleme werden dadurch aber nicht gelöst.

Kundenschwund und Kostenwachstum

Die größte Sorge ist: Das Unternehmen verliert derzeit Kunden. Im zweiten Quartal waren es mit 943.000 Kunden neun Prozent minus im Vergleich zum Vorquartal – das Gegenteil einer Wachstumsstory. Netto verbuchte Blue Apron einen Verlust von 31,6 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 238,1 Millionen Dollar. Pro Kunde wurden 251 Dollar umgesetzt. Im Vorjahr waren es noch 264 Dollar.

Amazon-Gründer Jeff Bezos

Amazon-Gründer Jeff Bezos - Ein Mann mit Plänen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ohne Kundenwachstum wird es schwer sein, schwarze Zahlen zu erreichen, insbesondere bei den gestiegenen Kosten. Sie kletterten in den Bereichen allgemeine Kosten, Produktkosten, Technologie und Verwaltung um 86 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Sie sollen zwar laut Management ein Investment in die Wachstumsstrategie sein, aber genau das scheint derzeit nicht zu funktionieren. Ob Blue Apron im dritten Quartal die Wende geschafft hat, erfahren wir am 2. November.

Dazu kommt: Der Markt wird immer härter umkämpft. Furchterregend sind insbesondere die Pläne von Amazon. Der Internethändler hat in den USA die Biosupermarkt-Kette Whole Foods übernommen und im Juli eine eigene Marke für ein Kochboxen-Angebot eintragen lassen.

Wenn Amazon mit seiner ganzen Marktmacht und dem gesammelten Wissen über die Kunden in den Markt eindringt, haben alle Konkurrenten schlechte Karten.     

Will Hellofresh Blue Apron kaufen?

Hellofresh-Kochbox mit Lebensmitteln, davor hält eine Hand drei Rezeptkarten

Hellofresh-Kochbox. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Das betrifft natürlich auch Hellofresh. Dort bemüht man sich, den Vergleich gar nicht erst aufkommen zu lassen. Während Blue Apron ausschließlich in den USA tätig ist, sieht sich Hello Fresh mit den Märkten in Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Australien, Österreich, der Schweiz und Kanada globaler aufgestellt, auch wenn für Hellofresh die USA ebenfalls der wichtigste Markt sind.

Zuletzt spekulierten Marktbeobachter sogar darüber, ob Hellofresh an einem Kauf von Blue Apron interessiert ist. Und wenn es Amazon tatsächlich nicht schafft, die beiden Konkurrenten zu verdrängen: Mehr als genug Milliarden warten in Jeff Bezos' Portemonnaie darauf, ausgegeben zu werden.

ts

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Essenslieferanten an der Börse Von Delivery Hero bis Takeaway

<b>Delivery Hero</b><br />Das 2011 gegründete Berliner Start-up legte Ende Juni ein beeindruckendes Börsendebüt hin. Die Aktie schoss gleich am ersten Handelstag um neun Prozent nach oben und eilte von Rekordhoch zu Rekordhoch. Aktuell notiert der Titel 38 Prozent über dem Ausgabekurs. Delivery Hero liefert in über 40 Ländern Essen aus. In Deutschland ist das Unternehmen mit den Marken Pizza.de, Lieferheld, Foodora und Foodpanda präsent. Zwar wächst Delivery Hero rasant – 2016 stieg der Umsatz um fast 80 Prozent –, schreibt aber immer noch tiefrote Zahlen. 2016 fiel ein Verlust von 195 Millionen Euro an. Das ist fast so viel wieder Umsatz (297 Millionen).: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate

Delivery Hero
Das 2011 gegründete Berliner Start-up legte Ende Juni ein beeindruckendes Börsendebüt hin. Die Aktie schoss gleich am ersten Handelstag um neun Prozent nach oben und eilte von Rekordhoch zu Rekordhoch. Aktuell notiert der Titel 38 Prozent über dem Ausgabekurs. Delivery Hero liefert in über 40 Ländern Essen aus. In Deutschland ist das Unternehmen mit den Marken Pizza.de, Lieferheld, Foodora und Foodpanda präsent. Zwar wächst Delivery Hero rasant – 2016 stieg der Umsatz um fast 80 Prozent –, schreibt aber immer noch tiefrote Zahlen. 2016 fiel ein Verlust von 195 Millionen Euro an. Das ist fast so viel wieder Umsatz (297 Millionen).