Christian Staub, Blackrock-Deutschland-Chef

Blackrock zu Besuch beim hr "Wir sind sehr risikobewusst"

Stand: 26.09.2017, 15:33 Uhr

Die gigantische Größe des US-Vermögensverwalters Blackrock ist für viele Kritiker Anlass zur Sorge. Im Gespräch mit der ARD-Börsenredaktion stellt Deutschland-Chef Christian Staub das Unternehmen vor.

Herr Staub, was ist Blackrock?

Christian Staub: Blackrock ist ein institutioneller Vermögensverwalter, der sich dadurch auszeichnet, dass er rein als Treuhänder agiert, also für Dritte Vermögen verwaltet. Er ist eben keine Bank, die auf eigene Rechnung Gelder annimmt oder ausleiht, sondern rein Verwaltungsgeschäft betreibt.  

Treuhänder, Verwaltung, Verwaltungsgeschäft - das klingt vollkommen unspektakulär nach einem gemütlichen bürokratischen Apparat. Aber dahinter stecken gigantische Zahlen: Blackrock ist der größte Vermögensverwalter der Welt mit einem Anlagevermögen von rund 5.700 Milliarden Dollar. Etwa zwei Drittel dieser Gelder sind in ETFs investiert, die einen konkreten Aktienindex, beispielsweise den Dax, abbilden und nicht aktiv gemanagt werden. Aufgrund des Geschäftsmodells und des gigantischen Anlagevermögens ist Blackrock in alle Dax-Werten stark investiert, mitunter auch als größter Einzelaktionär.

Wie nutzt Blackrock diesen Einfluss?

Blackrock verwaltet tatsächlich Gelder in großem Umfang, global, für institutionelle und für private Kunden. Wir legen diese Gelder in einem sehr eng definierten Rahmen an. Wir tun das sehr risikobewusst und dafür ist es eben wichtig zu verstehen, dass die Themen Risiko und Gefahr im Zentrum unserer Aufmerksamkeit stehen.

Der Großteil der Vermögen, die Blackrock verwaltet, ist passiver Natur. Das bedeutet, der Kunde gibt Blackrock einen Auftrag, ein gewisses Portfolio zu replizieren, was man dann entsprechend umsetzt. Durch diesen Mechanismus kumulieren wir natürlich Anteile an diesen Firmen über die Zeit. Und unser treuhänderische Auftrag ist nun mal, dass wir die Interessen unserer Kunden als Aktionäre auch direkt vertreten. Das tun wir, indem wir an den Hauptversammlungen abstimmen. Das tun wir, indem wir mit dem Management, auch mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat, Gespräche führen. Wir wollen immer sicherstellen, dass diese Themen der Unternehmensführung - Corporate Governance - nach den besten Regeln und Gepflogenheiten umgesetzt werden.

Sie haben naturgemäß in alle 30 Dax-Unternehmen Geld investiert. Es wird immer wieder kritisch diskutiert, wie groß der Einfluss Blackrocks und auch anderer Vermögensverwalter auf die Aktienmärkte ist. Ist Blackrock gefährlich?

Staub: Als Firma kann man einen Vermögensverwalter nicht als gefährlich bezeichnen, denn er agiert nicht mit eigenem Geld, sondern erfüllt den Kundenwunsch, indem er beispielsweise in die Dax-Firmen investiert.    

Wie übt Blackrock den Einfluss aus, den er als Großaktionär hat?

Staub: Als treuhänderisch agierender Asset Manager haben wir natürlich die Verpflichtung, im Interesse unsere Kunden diesen Einfluss, der durch die Beteiligung an einer Einzelfirma entsteht, auch tatsächlich wahrzunehmen. Wir tun das, indem wir auf Hauptversammlungen abstimmen und indem wir eine Meinung zu einzelnen Vorlagen haben. Wir tun das mit einem professionell separierten Team innerhalb von Blackrock, das die einzelnen Firmen beurteilt und entsprechend den Interessen unserer Kunden auch agiert.

Haben sie ein Beispiel für Veränderungen zu Gunsten der Anleger, die sie bei Unternehmen angestoßen haben?

Laurence Fink, Chef des Finanzkonzerns BlackRock

BlackRock-Chef Laurence Fink. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Staub: Es ist unsere Philosophie, dass wir nicht öffentlich über Einzelbeispiele sprechen. Das fördert auch das Vertrauen zwischen Blackrock und den einzelnen Firmen. Aber es gibt verschiedene Beispiele. In einem Fall haben wir verhindert, dass ein Vorstandsvorsitzender, der direkt in den Aufsichtsrat wechseln wollte, das nicht tun konnte. In einem anderen Fall ging es um eine Kompensationsstruktur, wo wir angemahnt haben, dass die Incentivierung des Top-Managements nicht gleichzusetzen ist mit den Interessen der Aktionäre und mit dem Wachstum der Firma. Dann haben wir darauf gedrängt haben, das System anzupassen. Was dann geschehen ist.

Welche Rolle spielt denn für die Investitionsbereitschaft das, was auf der Managementseite passiert? Nehmen wir die Beispiele Volkswagen, Deutsche Börse oder Deutsche Bank, wo man zu lange gewartet hat, bis Manager ausgetauscht wurden, die nicht wirklich für einen Wandel standen. Das schreckt doch Investoren ab – gerade junge Leute, die zur Aktie kommen sollten.    

Staub: Natürlich ist es so, dass wir gerade auch im Zuge der Finanzkrise Beispiele gesehen haben, wo das traditionelle kapitalistische System einige Negativseiten offenbart  hat - Fehlverhalten von einzelnen Managern aber auch von einzelnen Firmen. Das gab es aber immer wieder in der Historie. Und man darf nicht vergessen, dass wir gerade an den Börsen seit der Finanzkrise erhebliche Wertzuwächse gesehen haben, die auch real waren, die getrieben waren von wirklich effektivem fundamentalen ökonomischen Wachstum. Frei am Kapitalmarkt agierende Systeme haben wir als Wachstumtreiber erlebt, die den Mehrwert der Volkswirtschaft erhöhen und nicht verringern. Also insofern würde ich auch dem jungen interessierten Anleger raten, langfristig in die Aktie zu investieren und sich nicht ablenken lassen von einzelnen negativen Beispielen.    

Was passiert, wenn Blackrock Pleite geht? Welche Risiken könnten daraus entstehen?

Staub: Wie jede Firma verfügt Blackrock über eine Bilanz. Blackrock hat als börsengelistetes Unternehmen auch Investoren, die in die Blackrock-Aktie investiert haben, die sind natürlich im Risiko. Aber es ist ganz wichtig zu unterschieden, dass der einzelne Kunde von Blackrock, der sein Geld an Blackrock delegiert, um eine Vermögensverwaltung zu bekommen, über einen Fonds beispielsweise, er steht nicht im Risiko, denn diese Gelder sind immer komplett separiert und segregiert.

Wieso ist Deutschland für Sie so interessant?

Staub: Deutschland ist die viertgrößte Volkswirtschaft auf diesem Planeten, Deutschland ist ein sehr sparsames Land, die Leute legen in erheblichem Umfang Gelder zur Seite. Deutschland hat Wachstum, Bevölkerungswachstum, und hat auch Wachstum an Kapital. Deutschland hat aus unserer Sicht ein Altersvorsorgeproblem, da das System, wie wir es heute haben, primär ein Umlageverfahren ist, so dass in diesem System zu wenige Gelder für die langfristige Sicherung der Altersvorsorge angelegt werden. Vor diesem Hintergrund glauben wir, dass durchaus Wachstum in Zukunft möglich ist für Finanzprodukte, insbesondere für konservativ anlegende Fonds.

Wurmt Sie das düstere Image, das Sie vielerorts haben?

Staub: Ich glaube es ist unbestritten, dass die Finanzindustrie als Ganzes im Zuge der Finanzkrise an Image verloren hat. Richtigerweise muss man ehrlicherweise sagen. Es wurde sehr viel Schindluder getrieben und letztendlich wurden auch Produkte geschaffen und verkauft, die volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet haben. Man muss aber differenzieren. Auch innerhalb der Finanzindustrie ist sehr viel an Regulierungen passiert und ich würde das Asset Management hervorheben. Das Asset Management ist ein Zweig, der, weil er ohne Interessenkonflikte und allein im Interesse des Kunden agieren kann, glücklicherweise bewiesen hat, dass er gesellschaftlichen Mehrwert liefert und keinen Schaden anrichtet.

Das Gespräch führten Ursula Mayer und Ulrich Barths.

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