Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ

Neuester Wirtschaftsbericht BIZ: Notenbanken können nicht alles richten

Stand: 01.07.2019, 11:15 Uhr

Wenn es um die Ankurbelung der lahmenden Konjunktur geht, melden sich stets die Notenbanken zu Wort und stellen eine Absenkung der Leitzinsen in Aussicht. Eine gefährliche Entwicklung, findet die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

Der Geldpolitik dürfe nicht die Hauptverantwortung für die Stützung der Weltkonjunktur aufgebürdet werden, denn das würde sie überlasten, zumal ihr Handlungsspielraum nach Jahren der lockeren Ausrichtung erheblich eingeengt sei, schreibt die auch als Bank der Zentralbanken bezeichnete BIZ in ihrem am Sonntag veröffentlichten Wirtschaftsbericht.

"Um ein Flugzeug in ruhigere Gefilde zu steuern, müssen Geschwindigkeit und Stabilität genau aufeinander abgestimmt sein, und es braucht eine Treibstoffreserve für eventuellen Gegenwind", sagte BIZ-Generaldirektor Agustin Carstens. Auch Haushaltspolitik und Strukturreformen müssten ihren Beitrag leisten. Geldpolitik solle eher als ein Auffangnetz gesehen werden.

Bessere Abstimmung gefordert

Die BIZ plädiert dafür Geldpolitik, Haushaltspolitik, Strukturreformen und Schritte zur Absicherung der Finanzstabilität besser aufeinander abzustimmen, um wieder mehr Wachstum zu erreichen. Es gebe Anzeichen dafür, dass sich Konsum und Investitionen abschwächen würden, warnte Carstens.

Daneben zählten schwache Bankgewinne in manchen Industriestaaten und der Schuldenabbau in Schwellenländern - vor allem in China - zu den Risiken. Denn die Eindämmung des Kreditwachstums könnte die Wirtschaft bremsen. Zudem drohe eine Überhitzung im Markt für Hochrisiko-Kredite in manchen Industriestaaten. "Es könnte zu drastischen Preiskorrekturen und Finanzierungsengpässen kommen", sagte Carstens.

Munition aufheben

Rund um den Globus haben Notenbanken nach der Finanzkrise die Zinsen immer tiefer gesenkt und billionenschwere Anleihenkaufprogramme aufgelegt, um die Konjunktur anzukurbeln. Da die Inflation jedoch nicht wie erhofft zu den Notenbanken-Zielmarken zurückkehrte, wurde besonders in der Eurozone der Leitzins seit März 2016 bei Null belassen.

Im aktuellen, durch konjunkturelle Unsicherheiten geprägten Umfeld sollten Notenbanken aus Sicht der BIZ vorsichtig agieren und sich geldpolitische Munition für künftige Krisen aufheben. "Je größer die Unsicherheit über die Lage des Finanzsystems und der Gesamtwirtschaft ist, desto zwingender ist ein graduelleres Vorgehen", meint Carstens.

Trotzdem steht in den USA eine Zinswende an. Die Fed könnte in den nächsten Wochen erstmals seit der Finanzkrise die Zinsen wieder senken. Selbst in Europa stehen die Zeichen wieder auf Lockerung. Erst kürzlich hatte EZB-Präsident Mario Draghi die Bereitschaft zu weiteren expansiven Schritten signalisiert, sollte sich die Konjunktur deutlich abkühlen.

lg/dpa