Linde AG Außerordentliche Hauptversammlung 2018
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Linde AG Bittere Hauptversammlung

Stand: 12.12.2018, 11:51 Uhr

Zwei Monate nach der Fusion des Gaseherstellers Linde mit dem US-Konkurrenten Praxair will der neue Konzern die noch verbliebenen Minderheitsaktionäre ausschließen und die alte Linde AG von der Börse nehmen. Für Altaktionäre keine gute Nachricht.

Für die Altaktionäre, die noch acht Prozent der Linde-AG-Anteile halten, ist es dehalb bitter, weil sie bei diesem sogenannten Squeeze-out nur 188,24 Euro je Aktie erhalten dürften. Hätten sie ihre Aktien in der Umtauschfrist vor einem Jahr eingereicht, hätten sie heute Linde-plc-Anteile im Wert von 217 Euro. "Der gerichtlich bestellte sachverständige Prüfer hat die Angemessenheit der festgelegten Barabfindung bestätigt", teilte Linde mit.

Vorstandschef Aldo Belloni erklärte, das Ausschließen der Minderheitsaktionäre erspare Aufwand und Kosten. Am Ergebnis der Abstimmung bestehe kein Zweifel, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Denn 92 Prozent der Linde-AG-Aktionäre wollten die Fusion und hatten ihre Aktien schon vor einem Jahr zum Umtausch eingereicht.

Rechtsstreit programmiert

Trotzdem bezweifelt Bergdolt, dass dieser Squeeze-out-Beschluss rechtlich korrekt zustande gekommen ist. Sie verweist darauf, dass die Linde-Aktionäre nie über den Zusammenschluss mit Praxair abstimmen durften. Und dann komme noch hinzu, dass Linde wegen der Kartellauflagen der US-Behörden sehr viel mehr verkaufen musste als angekündigt. Der Squeeze-out-Beschluss sei also rechtswidrig zustande gekommen."

Deswegen werde die Schutzvereinigung heute gegen den Zwangsausschluss stimmen, so Bergdolt. Auch die Abfindung von 189,46 Euro je alter Linde-Aktie hält sie für viel zu niedrig und will dies nicht hinnehmen. Ein Rechtsstreit scheint programmiert.

Neuer Weltmarktführer

Belloni verteidigte die Fusion mit Praxair: "Wir machen aus zwei sehr guten Unternehmen ein exzellentes." Der Verkauf von Unternehmensteilen in den USA werde 3,75 Milliarden Dollar in die Kassen spülen. Insgesamt winken der fusionierten Linde plc damit mehr als acht Milliarden Euro aus den von Wettbewerbshütern erzwungenen Unternehmensverkäufen. Der Fusionspartner Praxair hatte fast das ganze Europa-Geschäft für fünf Milliarden Euro an die japanische Taiyo Nippon Sanso abgegeben. Als neuer Weltmarktführer mit 80.000 Mitarbeitern und 24 Milliarden Euro Jahresumsatz rechnet die neue Linde plc mit Synergien von gut einer Milliarde Euro.

Viele Altaktionäre der Traditionsfirma seien trotzdem traurig und sogar wütend, sagte Bergdolt: "Eine Ära geht zu Ende." Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle hatte die Fusion maßgeblich betrieben und ist jetzt auch Aufsichtsratschef der Linde plc. Geführt wird der neue Konzern vom bisherigen Praxair-Chef Steve Angel.

lg/dpa