Biotest-Logo auf dem Dach der Unternehmenszentrale Dreieich

Aktie legt kräftig zu Biotest-Übernahme auf den letzten Metern

Stand: 09.02.2018, 11:35 Uhr

Die neuen chinesischen Besitzer machen jetzt Nägel mit Köpfen beim Pharma- und Biotechunternehmen Biotest aus dem SDax. Sie streben einen Beherrschungsvertrag an - aber einige spekulieren wohl noch auf mehr.

Denn die im SDax notierte Vozugsaktie des Unternehmens aus dem hessischen Dreieich legt am Morgen über sieben Prozent auf 27,15 Euro zu. Die Stammaktie, die ebenfalls börsennotiert, aber nicht in einem Index enthalten ist, legt in der gleichen Größenordnung zu auf 30,95 Euro. Beide liegen damit deutlich besser als der SDax, der leicht im Minus steht.

Damit beginnt ein Spiel, dass an der Börse nicht ungewöhnlich ist. "Offenbar spekulieren einige Anleger auf einen Squeeze Out, ein Abfindungsangebot für die restlichen Aktionäre", sagte ein Börsianer. denn die aktuellen Börsenpreise liegen deutlich über den von der chinesischen Tiancheng gebotenen 19,00 Euro für die Vorzüge und 28,50 Euro für die Stämme.

Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag

Tiancheng ist eine von der chinesischen Creat Group kontrollierte Holding, die knapp 90 Prozent der Stammaktien hält. Bereits im vergangenen Mai hatten die Chinesen ihr Angebot im Volumen von rund 1,3 Milliarden Euro für Biotest veröffentlicht. Erst vor kurzem hatten sie grünes Licht für die Fusion erhalten, nachdem die Genehmigung der US-Behörde für Auslandsinvestitionen (CFIUS) vorliegt. Diese sieht vor, dass Biotest im Gegenzug sein US-Geschäft wegen einer möglichen Gefährdung der nationalen Sicherheit der USA verkaufen muss.

Nunmehr kommt folgerichtig, dass der neue Besitzer einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abschließen will. Hierüber informierte Biotest am Vorabend in einer Pflichtmitteilung die Öffentlichkeit. Diese Absicht heizt aber die Spekulation erst richtig an, denn sie bleibt noch vage.

So heißt es, dass Biotest davon ausgehe, "dass die Ausgleichs- und Abfindungsregelungen für die außenstehenden Aktionäre der Biotest AG in Übereinstimmung mit den rechtlichen Anforderungen und auf der Grundlage einer Unternehmensbewertung festgelegt werden."

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Beherrschte Aktien bevorzugt

Ein Familienunternehmen

Das Unternehmen wurde 1946 von Hans Schleussner gegründet, der 2015 verstarb, und war lange mehrheitlich im Besitz der Familie. Die Firma ist Spezialist für Arzneimittel aus Blutplasma.

Geschäftlich lief es ohne fremde Unterstützung zuletzt nicht ganz rund. Im ersten Halbjahr 2017 musste der Konzern einen Rückgang seiner Umsätze um elf Prozent auf 247,1 Millionen Euro hinnehmen. Vor allem ein Rückruf für das Produkt Humanalbumin und dessen eingeschränkte Verfügbarkeit sorgten dafür. Nach Steuern musste die Biotest-Gruppe einen Verlust von 17,8 Millionen Euro im hinnehmen.

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Stabile Aussichten: Nach dem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zwischen der japanischen DMG Mori Co. und dem MDax-Unternehmen DMG Mori AG (ehemals Gildemeister) erhalten die Aktionäre eine Garantiedividende von 1,03 Euro (nach Abzug von Körperschaftssteuer und Soli). Alternativ liegt ein Abfindungsangebot zu 37,35 Euro vor. Der japanische Konzern hält 76,03 Prozent am deutschen Werkzeugmaschinenbauer. Auch der amerikanische Investor Paul Singer ist noch mit 5,07 Prozent an dem Unternehmen beteiligt.

rm /AB

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