BioNTech-Labor

"Gutes Signal" Biontech: Erste klinische Studie zu Corona-Impfstoff

Stand: 22.04.2020, 14:04 Uhr

Das Paul-Ehrlich-Institut hat erstmals in Deutschland eine Zulassung für die klinische Prüfung eines Impfstoff-Kandidaten gegen das neuartige Coronavirus erteilt - an ein Mainzer Unternehmen, das auch mit dem US-Konzern Pfizer zusammenarbeitet. Die Anleger sind aus dem Häuschen.

Die Papiere von Biontech sprangen auf der Handelsplattform Tradegate um bis zu 48 Prozent in die Höhe auf 57,59 Euro an. Entsprechende Hoffnungen auf einen Impfstoff gegen Covid-19 hatten die Papiere des Mainzer Biotech-Unternehmens Mitte März bereits auf ein Rekordhoch von 101 Euro getrieben, just als der Gesamtmarkt seinen bisherigen Tiefststand im Zuge der Pandemie erreichte. In den darauf folgen vier Wochen büßten sie dann einen Großteil der Gewinne bis auf 34,09 Euro ein.

Biontech arbeitet mit dem US-Konzern Pfizer und in China mit Fosun Pharma am Impfstoffprogramm BNT162. Auch Pfizer-Aktien legten im vorbörslichen Handel an der Wall Street kräftig zu. In den USA wollen beide Firmen nach entsprechender Genehmigung ebenfalls klinische Studien mit dem Wirkstoff durchführen.

Erste klinische Studie in Deutschland

Das Paul-Ehrlich-Institut genehmigte nun die klinische Phase 1/2, wie die beiden Unternehmen heute mitteilten. "Wir freuen uns, vorklinische Studien in Deutschland abgeschlossen zu haben, und können diese erste Studie am Menschen deutlich schneller einleiten als erwartet", sagte Biontech-Vorstandschef und Mitbegründer Ugur Sahin.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Genehmigung eines ersten klinischen Prüfung mit einem möglichen Covid-19-Impfstoff in Deutschland als "gutes Signal" bezeichnet. Wirkungen und Nebenwirkungen müssten allerdings noch getestet werden.

Die Studie ist die erste klinische Untersuchung eines Covid-19-Impfstoffkandidaten, der in Deutschland gestartet wird und ist Teil eines globalen Entwicklungsprogramms. Pfizer und Biontech erwarten auch in den USA in Kürze die behördliche Genehmigung für diese Phase. Am morgigen Donnerstagnachmittag will Biontech den Kapitalmarkt mit einer Telefonkonferenz näher informieren.

Tests sollen Ende April beginnen

Nach Angaben des Biontech-Chefs sollen die klinischen Tests Ende April beginnen. Die ersten Daten sollen dann Ende Juni oder Anfang Juli vorliegen und erste Erkenntnisse zur "groben Verträglichkeit" der vier Impfstoffkandidaten liefern, sagte er am Mittwoch vor Journalisten bei einer gemeinsamen Präsentation mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Dessen Präsident Klaus Cichutek sagte, die erste klinische Prüfungsphase werde etwa drei bis fünf Monate dauern.

Anja Kohl
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Die Jagd nach dem Corona-Impfstoff

Sollten die ersten Beobachtungen aus diesen Tests positiv ausfallen, könnten womöglich "schon in diesem Jahr" größere klinische Prüfungen mit tausenden oder zehntausenden Teilnehmern starten, ergänzte der PEI-Chef. Sollten auch diese erfolgreich sein, könne das weitere Vorgehen thematisiert werden. Sein Institut erwarte zudem, dass in den kommenden Monaten weitere klinische Tests mit anderen Impfstoffkandidaten genehmigt würden.

Laut PEI handelt es sich um den insgesamt vierten offiziell bei der Weltgesundheitsorganisation WHO registrierten genehmigten klinischen Tests eines präventiv wirkenden möglichen Covid-19-Impfstoffs. Dabei werden unterschiedliche Ansätze verfolgt.

lg