BioNTech-Labor

Auf der Jagd nach einem Impfstoff Biontech sorgt für große Hoffnungen

Stand: 17.03.2020, 11:00 Uhr

In der Coronakrise sorgen Forschungserfolge bei der Suche nach einem Heilmittel für heftige Kursausschläge bei den entsprechenden Firmen. Das Mainzer Unternehmen Biontech scheint ein Hoffnungsträger zu sein und bekommt Unterstützung durch mächtige Partner.

Zeit ist überaus kostbar im Kampf gegen das Coronavirus und seine globale Ausbreitung. Und die Interessen vieler Staaten und Großkonzerne in der Pharmabranche sind im wahrsten Sinne "vital". Biontech erhält bis zu 120 Millionen Euro vom chinesischen Arzneimittelhersteller Fosun Pharma, um die Entwicklung eines Impfstoffs voranzutreiben, wie bereits am Montag bekannt wurde.

Pharmariesen machen den Weg frei

Daneben befinden sich die Mainzer auch in fortgeschrittenen Gesprächen mit ihrem bereits bestehenden Partner Pfizer über die Entwicklung des Impfstoffs außerhalb Chinas. Fosun will seinerseits den Impfstoff exklusiv in China auf den Markt bringen. Pfizer wiederum hatte Anfang dieses Monats erklärt, eine Zusammenarbeit mit den Mainzern bei der Entwicklung eines Impfstoffs zu prüfen.

Biontech: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Das Besondere an der Biontech-Forschung ist, dass das Unternehmen auf seine hauseigene mRNA-Plattform setzt. Ein Impfstoff auf Basis des Botenmoleküls Messenger-RNA (mRNA) kann möglicherweise schneller entwickelt und hergestellt werden als herkömmliche Impfstoffe. Biontech plant die Herstellung des Impfstoffs für die klinischen Studien zusammen mit seinem Partner Polymun in seinen Produktionsstätten in Europa. Solche klinischen Studien hat man nun für April angekündigt.

Internationale Kooperationen

Bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus drängt die Zeit: Rund 170.000 Menschen sind weltweit an dem Virus erkrankt, das bislang mehr als 6.500 Todesopfer forderte. Doch bis ein Impfstoff auf den Markt kommt, kann es noch bis zu 18 Monate dauern, wie Wissenschaftler wiederholt betont haben. Nach Angaben des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) sind inzwischen mindestens 39 Impfstoffprojekte angelaufen. Mehrere dieser Projekte werden von der internationalen Impfinitiative CEPI finanziell unterstützt, darunter auch die von CureVac, die der US-Konzerne Inovio, Moderna und Novavax sowie Projekte der australischen Universität von Queensland und der britischen Oxford Universität.

Moderna startet noch im März

Auch über Landesgrenzen hinweg wird zusammen geforscht, wie eine Kooperation zwischen dem chinesischen Impfstoff-Entwickler Clover Biopharmaceuticals und der britischen GlaxoSmithKline oder eine Allianz des französischen Pharmakonzerns Sanofi mit der staatlichen Organisation BARDA des US-Gesundheitsministeriums zeigen. Noch im März will das US-Biotechunternehmen Moderna, das mit dem amerikanischen National Institute of Health (NIH) zusammenarbeitet, seinen Impfstoff erstmals in klinischen Studien an 45 Menschen in Seattle erproben. CureVac will bis Juli soweit sein.

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Hinter den Kulissen befürchten Wissenschaftler und medizinische Experten allerdings, dass die Eile bei der Entwicklung eines Impfstoffes die Infektionen bei einigen Patienten eher verschlimmern als verhindern könnte. Denn Studien legen nahe, dass Coronavirus-Impfstoffe das Risiko bergen, dass der Impfstoff anstelle eines Infektionsschutzes die Krankheit verschlimmern kann, wenn sich eine geimpfte Person mit dem Virus infiziert. Der Mechanismus, der dieses Risiko verursacht, wurde noch nicht vollständig verstanden, ist aber einer der Stolpersteine, die die erfolgreiche Entwicklung eines Impfstoffs bislang verhindert haben.

WHO drängt

Bei einem Sondertreffen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Februar war man sich einig, dass die Bedrohung so groß ist, dass Impfstoffentwickler schnell mit Versuchen am Menschen beginnen sollten, noch bevor die Tierversuche abgeschlossen sind, sagten vier Personen, die an dem Treffen teilnahmen, der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir wollen so schnell wie möglich einen Impfstoff bekommen", erklärte Marie-Paule Kieny von der WHO, die das Treffen leitete. "Sie müssen das mit dem Risiko abwägen, das sie einer sehr kleinen Anzahl von Menschen auferlegen, und alles tun, um dieses Risiko so gering wie möglich zu halten."

AB