Jerome Powell
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Liquiditätsspritzen und neue Anleihenkäufe Die Billionen-Bazooka der Fed

Stand: 13.03.2020, 09:12 Uhr

Panik an der Wall Street: Der Dow erlebte am Donnerstag den größten Kurssturz seit 1987. Nun stemmt sich die Fed mit gewaltigen Finanzspritzen in Billionen-Höhe gegen einen Zusammenbruch der Märkte.

Anders als die Europäische Zentralbank (EZB) schießt die US-Notenbank jetzt aus allen Rohren. Die New Yorker Fed kündigte an, diese Woche insgesamt 1,5 Billionen Dollar an Liquidität für Banken zur Verfügung zu stellen. Außerdem werde sie im Rahmen ihrer monatlichen Wertpapierkäufe eine breite Palette von Staatstiteln erwerben. Zugleich würden Papiere mit anderen Laufzeiten gekauft. Der Schritt signalisiert, dass die Fed früher als bislang geplant auf in Krisenzeiten eingesetzte Instrumente zurückgreifen könnte.

Fed kauft auch Anleihen mit längeren Laufzeiten

Laut der Fed von New York sollen die monatlichen Wertpapierkäufe von derzeit 60 Milliarden US-Dollar auf längere Laufzeiten ausgedehnt werden. Zudem sollen weitere Wertpapierarten gekauft werden. Bisher hatte sich die Fed auf Geldmarktpapiere mit kurzen Laufzeiten beschränkt.

Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Die New Yorker Fed, die für die praktische Umsetzung der amerikanischen Geldpolitik zuständig ist, stellte am Donnerstag zudem Banken im Rahmen eines sogenannten dreimonatigen Repo-Geschäfts Kredite über 500 Milliarden Dollar zur Verfügung. Zwei weitere im jeweils selben Volumen sollen am Freitag folgen - ein einmonatiges und ein dreimonatiges. Die Maßnahmen seien auf Anweisung von Fed-Chef Jerome Powell und in Absprache mit dem geldpolitischen Ausschuss der Notenbank erfolgt.

Zinssenkung auf null?

Manche Analysten erwarten weitere aggressive Maßnahmen der Dollar-Wächter zur Stimulierung der Wirtschaft und zur Stabilisierung des Finanzsystems. "Die Fed dürfte bald mehr tun, einschließlich einer Zinssenkung auf wahrscheinlich null", prognostizierte Citi-Währungsstratege Ebrahim Rahbari. Die Notenbank hatte den Leitzins Anfang überraschend um einen halben Prozentpunkt gesenkt - auf die neue Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent. An den Märkten wird mit einer kräftigen Senkung beim nächsten regulären Zinsentscheid am kommenden Mittwoch (18. März) gerechnet.

"Schwarzer Donnerstag" an der Wall Street

Die US-Börsen dämmten am Donnerstag ihre schweren Verluste nach Bekanntwerden der Schritte zunächst etwas ein, fielen aber bald wieder zurück. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss zehn Prozent tiefer auf 21.200 Punkten. Das ist der größte Kurssturz seit dem "Schwarzen Montag" von 1987. Der technologielastige Nasdaq brach 9,4 Prozent auf 7.201 Punkte ein. Der breit gefasste S&P 500 büßte 9,5 Prozent auf 2.480 Punkte ein. Investoren befürchteten, dass die Weltwirtschaft am Rande des Kollapses und einer zweiten Finanzkrise stehe. Anleger äußerten sich außerdem enttäuscht, dass Trump bislang keine Details zu dem von ihm angekündigten Konjunkturprogramm vorgelegt habe.

Paul Ashworth, US-Chefökonom vom Analysehaus Capital Economics, stellte die Schritte der Fed auf eine ähnliche Stufe wie frühere Runden quantitativer Lockerungen, also breitangelegter Anleihekäufe zur Konjunkturstimulierung. Die New Yorker Fed habe ihre "Bazooka" abgefeuert, sagte der Ökonom mit Blick auf die erwartete Wirkungskraft der Maßnahmen. Sollten die Banken die komplette Liquidität aufnehmen, steige die Bilanzsumme der Fed auf einen Rekordwert von mehr als fünf Billionen Dollar, sagte Ashworth.

nb