Trump-Effekt in den USA verpufft Bill Gross rät zu europäischen Aktien

Stand: 24.09.2020, 13:52 Uhr

Nachdem bisher in diesem Corona-Jahr US-Aktien besser gelaufen sind als ihre europäischen Pendants, könnte sich der Trend jetzt umkehren. Ex-Anleihen-König Bill Gross und auch die Bank of America trauen europäische Titel jetzt mehr zu.

Zwar hat sich der "Bond-König" inzwischen in den Ruhestand verabschiedet. Aber zu aktuellen Marktentwicklungen äußert er sich weiter gerne. So warnt Bill Gross in seinem aktuellen Ausblick davor, dass die steuerlichen Anreize der Trump-Regierung, die die Wall Street angeschoben hatte, nun allmählich auslaufen. Um die Börsen weiter anzutreiben, müssten die USA ihr Defizit in den nächsten Jahren auf sechs Billionen Dollar ausweiten. Das hält Gross für wenig wahrscheinlich.

Gross sieht Potenzial bei Tabak- und Bankaktien

S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 5 Jahre
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Deshalb empfiehlt der Star-Manager jetzt Anlegern, ihr Geld eher in europäische Aktien zu investieren. Potenzial sieht er bei defensiven Titeln, die nicht von Träumen von wirtschaftlicher Erholung und einer raschen Rückkehr zur Normalität getragen seien. Anleger sollten eher in Tabak- und Bankaktien, die zuletzt gemieden wurden, wechseln.

Gross machte sich als Kopf der 1971 von ihm mit gegründeten und später vom deutschen Versicherungsriesen Allianz übernommenen US-Fondsgesellschaft Pimco einen Namen. Dort verwaltete er jahrelang erfolgreich den damals weltgrößten Anleihefonds "Total Return Fund". Ab 2013 zogen jedoch immer mehr Anleger ihr Geld ab und nach internen Streitereien wechselte Gross 2014 zum Pimco-Rivalen Janus Henderson Investors. Hier konnte er an seine einstigen Erfolge nie mehr richtig anknüpfen. Der 75-Jährige kümmert sich jetzt um sein privates Vermögen und seine Stiftung.

Bank of America setzt ebenfalls auf Europa

EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum 5 Jahre
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Auch die Experten der Bank of America bevorzugen europäische Aktien. Sie sehen bis November ein Aufwärtspotenzial von 15 Prozent für den EuroStoxx 600. Die Marktstrategen der Bank of America erwarten laut Bloomberg steigende Realrenditen, da die Zentralbanken von ihrer "ultrataubenhaften" Haltung allmählich abkehren würden. Das würde vor allem Tech-Aktien hart treffen. Europäische Titel seien weniger abhängig von Tech-Titeln und würden daher in naher Zukunft besser abschneiden als US-Aktien, prophezeien die Strategen der Bank of America.

In der vergangenen Woche hatte sich auch der Schweizer Vermögensverwalter Pictet skeptisch zu US-Aktien geäußert. Diese würden derzeit zu Rekordpreisen in einer teuren Währung gehandelt - und dies zu einer Zeit, in der das Wirtschaftswachstum nachlasse und die politische Unsicherheit zunehme. Pictet rät zu europäischen und asiatischen Aktien.