Joe Biden (2015 als Vize-Präsident) bei einer Rede zur Solarenergie

Billionenprogramm für Klimaschutz und Beschäftigung Bidens neuer Öko-Boom

Stand: 13.11.2020, 10:09 Uhr

Der gewählte US-Präsident Joe Biden könnte als Initiator des größten Klimaschutz-Programms in die Geschichte eingehen. Rund zwei Billionen Dollar sollen dafür mobilisiert werden. Ein Plan, der aber auch auf die Belebung der US-Wirtschaft zielt. An der Börse sind "Öko-Aktien" im Höhenflug.

Bereits als Ende vergangener Woche klar wurde, dass der Demokrat Biden die Mehrheit der Wahlmänner-Stimmen auf sich vereinigen würde, reagierte der Finanzmarkt heftig: Der globale Aktienindex für Erneuerbare Energien, RENIXX, kletterte um mehr als sieben Prozent. Einzelne Aktien aus dem Sektor wie die der Solar-Firmen Sunpower oder Solaredge legten noch deutlicher zu. Dagegen gab es herbe Rückschläge für Werte aus dem Bereich Öl und Gas. Ölmultis wie Exxon und RoyalDutchShell beschleunigten ihre Talfahrt an der Börse.

Die Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten könnte eine echte Wende in Sachen Klimaschutz nach vier finsteren Jahren unter seinem Vorgänger Donald Trump bedeuten. Unter Biden sollen die USA unmittelbar nach seiner Amtseinführung dem Pariser Klimaschuzabkommen wieder beitreten, das die menschengemachte Erwärmung zumindest auf zwei Grad, möglichst auf 1,5 Grad begrenzen will. Doch das ist nur ein erster Fingerzeig eines viel größeren Schwenks in der US-Politik.

Klimaneutrale USA bis 2050

Joe Biden und Barack Obamavor Solarpanels

Joe Biden und Barack Obama. | Bildquelle: imago images / ZUMA Press

Vom Leugner der Klima-Katastrophe Trump zum "Klima-Aktivisten" Biden ist ein großer Schritt, der aber nicht unerwartet kommt. Bereits im Kandidatenrennen bei den Demokraten hatte Biden ein 1,7 Billionen-Dollar-Programm angekündigt, das über zehn Jahre laufen sollte. Mit der Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf die US-Wirtschaft hat der künftige Präsident mit seinen Beratern noch einmal deutlich nachjustiert: Bis 2035 soll in den USA nur noch Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Bis 2050 soll die gesamte US-Wirtschaft klimaneutral sein, also netto null Emissionen erzeugen. Dafür wird ein gigantisches Investitionsprogramm mobilisiert: Binnen vier Jahren, also der Amtszeit von Biden, sollen zwei Billionen Dollar in dieses Programm fließen, 2.000 Milliarden Dollar, eine Zwei mit zwölf Nullen.

Biden will aber nicht nur als Klimaschützer in die Geschichte eingehen, sondern vor allem als Erfinder einer gewaltigen Job-Maschine für US-Amerikaner. Das Programm ist bewusst an den "New Deal" unter dem früheren US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt angelehnt, der in den 1930er Jahren die US-Wirtschaft sanieren und Millionen neuer Jobs schaffen wollte. Nicht umsonst hat Biden bereits im September einmal getwittert: "Wenn Donald Trump an den Klimawandel denkt, denkt er: 'Hoax' (Falschmeldung), ich denke: 'Jobs'".

Joe Biden Tweet

Joe Biden Tweet. | Bildquelle: Twitter / Joe Biden

Vom Bau- bis zum Transportsektor

Im einzelnen zielt das Zwei-Billionen-Programm auf verschiedene Bereiche der US-Wirtschaft und Beschäftigung. Im Joe Biden "Clean-Energy Plan" soll:

- Die US-Infrastruktur massiv aufgebaut werden, Straßen und Brücken, Wasserversorgungs-Systeme, Stromnetze und Breitband-Netze saniert oder verbessert werden.

- Eine Million Jobs in der Autoindustrie und ihren Zulieferern geschaffen werden, dabei liegt der Schwerpunkt auf Elektroautos.

- Alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern sollen mit emissionsfreien öffentlichen Transportmitteln ausgestattet werden.

- Millionen Arbeitsplätze sollen auch durch Investitonen in den Energiesektor geschaffen werden, der bis 2035 saubere Energie "made in america" ohne Emissionen erreichen soll.

- Auch die Investitionen in die energetische Sanierung von vier Millionen Gebäuden und den Bau von 1,5 "nachhaltigen" Häusern und Wohnungen dienen als Job-Maschine.

Dazu kommen weitere Gelder, die in Technologien wie Energiespeicher, Wasserstoff-Technik und auch in "grüne Kernenergie" fließen. Nicht zuletzt soll auch US-Landwirtschaft "klima-smart" ausgerichtet werden.

Spielt der Senat mit?

Um das Programm auf den Weg zu bringen, muss Biden allerdings einige dicke politische und administrative Bretter bohren. Ein Teil der Vorgaben ist über "executive orders", also Durchführungs-Verordnungen umsetzbar. Für andere ist die Zustimmung des Kongresses nötig. Das aber wird schwierig, wenn der US-Senat mehrheitlich in den Händen der Republikaner bleibt. Zudem muss Biden wichtige Behörden wie die Environmental Protection Agency (EPA), die US-Umweltschutzbehörde, aber auch die Federal Energy Regulatory Commission (FERC) "auf Linie" bringen. Die einzelnen Ministerien, vom Bauministerium über das Landwirtschaftsministerium bis zum Verteidigungsministerium müssen die Pläne umsetzen.

An den Aktienmärkten hat der "Green Deal" von Biden bereits ein Kursfeuerwerk in einigen Branchen ausgelöst, weit über die USA hinaus. Wind-Aktien, wie die des dänischen Weltmarktführers Vesta steigen unaufhörlich, genau wie die der deutschen Branchenvertreter Nordex oder Siemens Gamesa. Gleiches gilt für die Solarbranche. Aber auch Aktien von Unternehmen aus der Bau-Branche, dem Wassermanagement oder aus dem Recycling-Bereich werden weiter gefragt sein.

Für Investoren gibt es bereits seit langem auch Fondsprodukte, die auf "grüne" Titel zielen, genauso wie Öko-Indizes, über die per Indexfonds (ETF) investiert werden kann. Die grüne Welle, die bereits vor Bidens Wahl-Sieg rollte, könnte nun noch deutlich höher werden.

AB