Pier Silvio Berlusconi
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Anteile erworben Berlusconi greift nach ProSieben

Stand: 29.05.2019, 08:58 Uhr

Nun also doch: Der italienische TV-Konzern Mediaset von Silvio Berlusconi steigt bei der unter Druck stehenden deutschen Sendergruppe ProSiebenSat1 ein. Dabei kämpfen beide Unternehmen mit den gleichen Problemen.

Doch zunächst zu den Fakten: Mediaset teilte am Morgen den Erwerb von 9,6 Prozent der Anteile von ProSiebenSat.1 mit. Diese Beteiligung entspricht ohne Berücksichtigung eigener Aktien 9,9 Prozent der Stimmrechte. Das Aktienpaket ist zum Schlusskurs vom Dienstag rund 330 Millionen Euro wert.

Mediaset-Chef Pier Silvio Berlusconi, der das von seinem Vater gegründete Unternehmen seit 2001 leitet, wird mit den Worten zitiert, der freundliche Anteilserwerb an ProSiebenSat.1 sei eine langfristige Entscheidung, die darauf abziele, Wertschöpfung mit einer zunehmend internationalen Ausrichtung zu schaffen. Sie stärke unsere bestehende Geschäftsbeziehung.

Mediaset schätze die Führungsmannschaft von ProSiebenSat.1, betonte Berlusconi. Das Unternehmen aus Unterföhring bei München wird seit dem vergangenen Jahr von Max Conze geführt, der vorher den Staubsaugerhersteller Dyson geführt hatte.

Immer wieder Gerüchte

Gerüchte über ein Zusammengehen von Mediaset und ProSiebenSat.1 waren zuletzt immer wieder aus Italien nach Deutschland geschwappt. Mediaset hatte sie eher angeheizt. So sprach Berlusconi erst im April von einer "europäischen Fernseh-Allianz", die Mediaset vorantreiben wolle.

Fusionsgespräche hatten beide Seiten aber dementiert. Conze hatte erklärt, er sehe "keine industrielle Logik" in einem solchen Schritt. Sein Stellvertreter Conrad Albert wurde noch deutlicher: "Wenn ich auf die harten Fakten schaue und mir die Bilanz von Mediaset anschaue, weiß ich, dass eine Übernahme völlig illusorisch ist."

Sinkende Werbeeinnahmen

Tatsächlich kämpfen beide Gruppen gegen sinkende Werbeeinnahmen und zurückgehende Zuschauerzahlen. So hat Mediaset im ersten Quartal einen Rückgang der Erlöse aus der Werbung um 4,4 Prozent auf 483,6 Millionen Euro hinnehmen müssen.

Auch bei ProSieben fielen die Werbeeinnahmen aus dem klassischen Fernsehgeschäft in den ersten drei Monaten des Jahres um vier Prozent. Dass die Erlöse insgesamt um vier Prozent auf 913 Millionen Euro gestiegen sind, verdankt ProSieben vor allem dem gut laufenden Online-Geschäft unter dem Dach der Nucom Group. Die Einnahmen stiegen in dieser Sparte um 25 Prozent. Dazu gehören unter anderen die Partnervermittlung Parship, das Vergleichsportal Verivox, die Erlebnisgutscheine von Jochen Schweizer und der Parfümversand Flaconi. Positiv wirkte sich dabei die Berücksichtigung der im Oktober 2018 gekauften US-Partnerbörse Eharmony aus.

Das bereinigte Ebitda ging um fünf Prozent auf 190 Millionen Euro zurück. Für das zweite und dritte Quartal kündigte das Unternehmen wegen zusätzlicher Investitionen einen "deutlichen Ergebnisrückgang" an.

Wachsende Konkurrenz durch die Streamingdienste

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
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Börse 12.00 Uhr: ProSiebenSat.1 - Die Berlusconis kommen

Mediaset und ProSiebenSat.1 kämpfen beide gegen die zunehmende Konkurrenz durch Streamingdienste. Bei Mediaset hat der harte Wettbewerb dazu geführt, dass die Einnahmen seit Jahren zurückgehen. Konnte der Konzern im Jahr 2011 noch 4,3 Milliarden Euro umsetzen, waren es im vergangenen Jahr nur noch 3,4 Milliarden.

Nun versuchen die Italiener den Niedergang mit Hilfe einer internationalen Allianz zu stoppen. Für die geschundenen Aktionäre von ProSiebenSat.1 ist der Anteilskauf eine gute Nachricht: der Aktienkurs der Gruppe legt am Morgen um fast acht Prozent zu, nachdem er bereits in den letzten Wochen von den Spekulationen einer Übernahme durch Mediaset profitiert hatte. Allerdings hat die ProSieben-Aktie seit 2016 über die Hälfte ihres Wertes verloren. Ein ähnliches Schicksal erlitt die Mediaset-Aktie.

lg