Beteiligungen

Cannabis-Raucherin auf einer Demonstration im Hyde Park in London

Fame wird Deutsche Cannabis Berliner Firma von US-Cannabis-Markt berauscht

Stand: 06.01.2015, 11:58 Uhr

Nach der Legalisierung von Cannabis in immer mehr US-Bundesstaaten wittern findige Investoren Milliardenumsätze rund um das Rauschmittel. Auf diesen Zug springt nun auch ein Berliner Unternehmen auf.

Dazu hat sich die einstige Beteiligungsfirma Fame in Deutsche Cannabis AG umbenannt. Ziel des am Regulierten Markt der Frankfurter Börse notierten Unternehmens ist es, Beteiligungen in den USA einzugehen, um von der sich entwickelnden Industrie rund um die Cannabis-Pflanze zu profitieren.

Zur Finanzierung des geplanten Wachstums wurden bereits Anfang September letzten Jahres eine Barkapitalerhöhung um bis zu 4,5 Millionen Euro sowie ein neues genehmigtes Kapital in Höhe von bis zu 3,382 Millionen Euro beschlossen.

Bis Ende Februar Kapital einsammeln

Bis Ende Februar will die in Berlin ansässige Firma genügend Geld eingesammelt haben, um die Kapitalerhöhung auch tatsächlich umsetzen zu können. Noch hat die Unternehmensführung die Gelder zwar nicht beisammen, aber allein die Mitteilung, dass die Namensänderung sowie die Neuausrichtung nun im Handelsregister eingetragen ist, hat den Aktienkurs seit dem vergangenen Freitag mehr als verdreifacht - von 20 Cent auf zeitweise 65 Cent. Die Freude währte jedoch nur kurz. Heute ist der Kurs wieder auf 39 Cent abgerutscht.

Denn noch ist völlig unklar, wie die Deutsche Cannabis AG ihren neuen Kurs auch tatsächlich umsetzen will. geführt wird die Firma von Carsten Siegemund, Geschäftsführer der Siegemund Projektberatung aus Hamburg. Der Aufsichtsrat wird geleitet von Ingo Voigt, Rechtsanwalt aus Hamburg. Zu seinem Stellvertreter wurden Marco Schulze und der US-Amerikaner Randy Shipley gewählt.

Riesige Industrie

Mehr ist bisher nicht bekannt. Die zuvor unter dem Namen Fame firmierende Gesellschaft hatte sich auf Beteiligungen an Solarparks und Betreibern von Photovoltaikanlagen konzentriert, damit jedoch Schiffbruch erlitten. Am 19.2.2013 stellte die Firma einen Insolvenzantrag, den sie allerdings am 27.5.2013 zurücknahm. Im September 2014 beschlossen die Aktionäre dann eine Neuausrichtung.

Tatsächlich ist seit der Legalisierung von Cannabis im November 2012 in den US-Bundesstaaten Colorado und Washington ein riesiger Markt entstanden. Schon sprechen Investoren von "der nächsten großen amerikanischen Industrie". Nach einer möglichen Freigabe auf Bundesebene schätzt die "Bloomberg Businessweek" das Umsatzpotenzial in den USA auf jährlich bis zu 110 Milliarden Dollar. Dabei gehe es nicht nur um Gras und Hasch, sondern auch um Anbautechnik und Packaging, um Brownies, Kekse, Biere, Öle und Cremes mit THC-Zusatz.

Im bürgerlichen Alltag angekommen

Schon sind ganze ganze Ladenketten rund um Cannabis entstanden, darunter das inzwischen bundesweit bekannte Unternehmen Medicine Man. Eigenen Angaben zufolge hat sie im vergangenen Jahr ihren Umsatz mehr als verdoppelt. Darüber hinaus sei ein neues Ladenkonzept in Planung, das sich an den Apple Stores orientieren soll.

Mit welchem Nachdruck Marihuana in den USA im bürgerlichen Alltag angekommen ist, zeigt auch das Themenspektrum von "The Cannabist", einem Onlinemagazin der Tageszeitung "Denver Post". Dort werden nahezu alle Themen rund um das tägliche Leben, vom Wohnen bis zum Angeln und der Kindererziehung mit Cannabis in Verbindung gebracht. Hinzu kommt eine Kolumne von Whoopi Goldberg.

Ob es auch der Deutschen Cannabis AG gelingen wird, auf diesem Markt Fuß zu fassen und am Wachstum zu profitieren, bleibt abzuwarten. Die Kurssprünge der seit Mitte 2011 zum Pennystock verkommenen Aktie deuten jedenfalls auf eine extreme Unsicherheit hin. Zumindest bis zur tatsächlichen Umsetzung der Kapitalerhöhung bleibt die Aktie eine äußerst riskante Wette auf die Zukunft.

lg

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