Logos von Deutsche Bank und Commerzbank an Hochhausfassaden

Planspiele in Berlin Berlin bastelt an der deutschen Banken-Megafusion

Stand: 09.12.2018, 15:12 Uhr

Die Aktien der Deutschen Bank sind jüngst auf ein neuerliches Rekordtief gefallen. Noch gibt sich die Bundesregierung gelassen. Doch intern werden im Finanzministerium offenbar bereits nationale Fusions-Szenarien durchgespielt.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatte zuletzt erklärt, dass es in Europa zu viele Banken gebe. Eine Konsolidierung sei unausweichlich. Gefragt sei eine europäische Antwort auf die großen Technologieunternehmen in Asien und den USA. "In fünf bis zehn Jahren werden wir mit den großen amerikanischen und asiatischen Plattformen im Wettbewerb stehen", sagte Sewing Mitte November auf der Euro Finance Week. Er sehe es als die "größte Bedrohung für die Banken an, dass wir eines Tages zu Zulieferern für die großen Tech-Konzerne werden könnten".

Deutsche Bank verliert Hälfte ihres Börsenwerts

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bald könnte die Deutsche Bank selbst Opfer der Konsolidierungswelle werden. Seit Jahresbeginn haben die Papiere von Deutschlands größtem Geldhaus mehr als die Hälfte ihres Werts verloren. Inzwischen liegt die Marktkapitalisierung der Deutschen Bank bei nur noch 25 Prozent ihres Eigenkapitals, schreibt der "Focus" in seiner aktuellen Ausgabe. Die Anleger trauen also der Deutschen Bank nicht mehr. Sollte sich die Krise verschärfen, könnte womöglich ein ausländisches Geldinstitut den deutschen Branchenprimus übernehmen.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Das freilich will die Bundesregierung nicht zulassen. Das Bundesfinanzministerium ist laut "Focus" bereit, einen Zusammenschluss der Deutschen Bank und der Commerzbank zu orchestrieren. Angesichts der schweren Krise der beiden Institute sei in den vergangenen Monaten über verschiedene Szenarien gesprochen worden, berichtete das Wochenmagazin. Bereits vor Monaten hatten Insider der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, dass ein Zusammengehen der beiden Institute eine Option sei, die im Finanzministerium des Sozialdemokraten Olaf Scholz erwogen werde.

Szenarien für ein Zusammengehen mit der Commerzbank

Dem "Focus" zufolge könnte der Bund zeitlich befristet auf etwa fünf Jahre bei der Deutschen Bank einsteigen und als größter Aktionär beider Häuser die Verschmelzung über einen Aktientausch vorantreiben. An der Commerzbank hält der Bund bereits gut 15 Prozent.

Ein zweites Szenario sehe vor, dass sich die Deutsche Bank von Investoren wie etwa heimischen Industriekonzernen und möglicherweise vom Bund Geld für die Übernahme der Commerzbank besorgt. Zudem sei im Finanzministerium auch die Gründung einer Holding diskutiert worden, in die Deutsche Bank und Commerzbank statt eines Aktientauschs ihre Papiere einbringen und darüber verschmolzen werden könnten.

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
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Börse 10.00 Uhr: Deutsche Bank erneut auf Rekordtief

Nach Expertenschätzungen könnte eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank bis zu 30.000 Jobs kosten. Gegenüber einer Übernahme durch ein ausländisches Geldinstitut wäre das aber das kleinere Übel. "Der Zusammenschluss mit einem ausländischen Institut würde die jeweils andere Bank extrem schwächen", prophezeit ein Branchenkenner im "Focus".

Sewing lehnt Fusion ab

Sewing, der oberste Deutschbanker, will von einem Zusammenschluss mit der Commerzbank (noch) nichts wissen. Eine Fusion sei in den nächsten zwölf bis 18 Monaten kein Thema, hat er zuletzt mehrfach betont. Zunächst müsse die Bank ihre eigenen Hausaufgaben machen. Doch sollte die Italien-Krise eskalieren und die Renditen der italienischen Staatsanleihen über vier Prozent klettern, könnte es eng werden für die Commerzbank. Sie hält 8,4 Milliarden Euro an italienischen Staatspapieren.

Analysten sehen eine Fusion der beiden Großbanken kritisch. "Wenn sich zwei kranke Banken zusammen tun, wird daraus noch lange kein gesundes Instutut", sagt Analyst Dieter Hein im "Focus". Prinzipiell sei er nicht gegen einen Zusammenschluss. Füpr ihn komme es aber auf das Wie an. Zunächst müsste jede der zwei Banken für sich saniert werden. Danach könnte solch ein Schritt "sicherlich sinnvoll" sein.

nb

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