Warren Buffett

Aktionärstreffen von Berkshire Hathaway Bereitet Warren Buffett seinen Abgang vor?

Stand: 05.05.2019, 10:18 Uhr

Wie jedes Jahr pilgerten auch diesmal wieder über 40.000 Fans zur Hauptversammlung von Berkshire Hathaway nach Omaha, um den Ratschlägen und Aussagen von Starinvestor Warren Buffett zu lauschen. Doch diesmal war etwas anders.

Auf der Aktionärsversammlung am Samstag durften erstmals auch zwei Manager von Buffetts Beteiligungskonglomerat Fragen der Aktionäre beantworten - wenn auch aus dem Publikum heraus und nicht auf der Bühne. Mehrmals ließ Buffett Greg Abel und Ajit Jain zu Wort kommen.

Tatsächlich wurde dem 88-jährigen Star-Investor immer wieder die Frage nach seiner Nachfolge gestellt. Buffett antwortete nicht direkt, lobte aber in den höchsten Tönen die Manager Gregory Abel und Ajit Jain. "Man kann keine besseren Manager als Greg und Ajit haben. Was sie erreicht haben, ist einfach fantastisch", sagte Buffett.

"Berkshire ist anders"

Warren Buffett und Greg Abel (r.)

Warren Buffett und Greg Abel. | Bildquelle: picture alliance / AP Images, Montage: boerse.ARD.de

Der 57-jährige Abel und der zehn Jahre ältere Jain gehören dem Verwaltungsrat von Berkshire Hathaway seit Januar 2018 an. Abel arbeitet seit 1992 für die Energiesparte der Holdinggesellschaft und hat seit mehr als einem Jahr die Aufsicht über alle Bereiche mit Ausnahme der Versicherungssparte. Diese wird aktuell von Jain geleitet, der seit 1986 bei Berkshire Hathaway ist. 

Buffetts Partner, der 95-jährige Charlie Munger, spannte die Aktionäre weiter auf die Folter: "Einer der Gründe, warum wir Probleme mit Fragen zur den möglichen Nachfolgern haben, ist, dass Berkshire anders ist." Entscheidungen würden nicht auf bürokratische Weise gefällt. "Deshalb müssen sie sich leider gedulden."

Starke Zahlen präsentiert

Ein Abschied von Buffett würde eine neue Ära für die Holdinggesellschaft einläuten. Ihr Aktienwert gilt allein wegen seiner Präsenz an der Konzernspitze als zehn bis 15 Prozent zu hoch. Einige Experten gehen davon aus, dass Berkshire Hathaway ohne Buffett aufgespalten werden könnte.

Erstmals seit langem hat Berkshire Hathaway zuletzt wieder gute Zahlen erwirtschaftet. Im ersten Quartal stieg das operative Ergebnis im Jahresvergleich um fünf Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar. Der Nettoüberschuss stieg sogar auf 21,7 Milliarden Dollar.

Neue Bilanzierungsmethode

Buffett selbst rät jedoch davon ab, dem viel Beachtung zu schenken. Seit Einführung einer neuen Bilanzierungsmethode, durch die der Marktwert nicht realisierter Investmentgewinne laufend ausgewiesen werden muss, schwankt das Ergebnis heftig und ist stark verzerrt. So hatte es hier im Vorjahreszeitraum einen Verlust von 1,1 Milliarden Dollar gegeben. Im Vorquartal hatte das Minus gar enorme 25 Milliarden Dollar betragen.

Bei der von den Besuchern als "Woodstock des Kapitalismus" bezeichneten Aktionärsversammlung steht ohnehin eher der Starkult um Börsen-Guru Buffett im Vordergrund als das Zahlenwerk. In diesem Jahr sollen 42.000 Aktionäre in Buffetts Heimatstadt Omaha, Nebraska, gekommen sein. Die rund 90 Firmen, die Berkshire mehrheitlich gehören, nutzen die Gelegenheit, um mit Messeständen und Fanartikeln für sich zu werben.

Großer Deal in Großbritannien?

Trotz der zuletzt bekannt gewordenen Beteiligungen an Amazon und anderen Zukäufen sitzt Berkshire Hathaway auf einem Berg von Geld: zum Quartalsende beliefen sich die liquiden Mittel auf gut 114 Milliarden Dollar. Viele Aktionäre fiebern deshalb auf einen großen Deal hin, Buffett findet aber derzeit keine attraktiven Unternehmen, die seinen Preisvorstellungen entsprechen. Er sagte aber, dass er auf einen Deal in Großbritannien und oder in Europa hoffe, egal wie der Brexit ausgehe.

Zuletzt kündigte Berkshire Hathaway immerhin an, sich mit zehn Milliarden Dollar an der Finanzierung einer möglichen Übernahme des US-Ölförderkonzerns Anadarko Petroleum durch den Rivalen Occidental zu beteiligen. Der Quartalsbericht von Buffetts Investmentgesellschaft enthält indes noch ein großes Fragezeichen: Die Ergebnisse des kriselnden US-Lebensmittelriesen Kraft Heinz liegen bislang nicht vor. Berkshire Hathaway hält rund 27 Prozent an dem Konzern, der die Bilanz im Vorquartal stark belastete.

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lg/dpa/afp/rtr