Bayer Hauptversammlung 2019
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"War der Monsanto-Deal das wert?" Heftige Proteste auf dem Bayer-Aktionärstreffen

Stand: 28.04.2019, 11:30 Uhr

Dicke Luft auf der Hauptversammlung von Bayer: Mit toten Bienen demonstrieren Umweltschützer gegen die umstrittene Monsanto-Übernahme. Die Aktionäre schimpfen über den Kurseinbruch und attackieren die Konzernspitze. Diese verteidigt den Monsanto-Deal.

Hitzige Hauptversammlungen ist das Management des Leverkusener Pharma- und Agrarchemie-Konzerns gewohnt. Doch das diesjährige Aktionärstreffen stellt wohl alles in den Schatten, was Vorstand und Aufsichtsrat je erlebt haben. Schon vor dem Kongresszentrum in Bonn, in dem die Hauptversammlung stattfindet, entlädt sich die Wut von 500 protestierenden Umweltschützern und Bauern. In Anspielung auf die Nebenwirkungen des Unkrautvernichters Glyphosat sind zahlreiche tote Bienen auf den Weg gestreut, über den die Aktionäre in die Halle gehen. Dazu skandieren hunderte Schüler von der Klimaschutz-Bewegung "Fridays for Future": "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!"

"Rechtsrisiken des Monsanto-Deals unterschätzt"

Drinnen im Kongresszentrum geht es ebenso hitzig zu. "Die Bayer-Führung hat die Rechtsrisiken des Monsanto-Deals offenbar völlig unterschätzt", kritisiert Janne Werning, Nachhaltigkeitsanalyst von der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken Union Investment. Er meint die Glyphosat-Prozesse, gegen die sich Bayer nach der Monsanto-Übernahme wehren muss. Aktuell gibt es schon 13.400 Klagen. Zwei wichtige Geschworenen-Prozesse hat Bayer schon verloren, in denen den Klägern Entschädigungen von jeweils fast 80 Millionen Dollar zugesprochen worden. "War der Deal das wirklich wert?", fragt Union-Investment-Analyst Werning.

Klima-Aktivisten der

Proteste bei Bayer-Hauptversammlung. | Bildquelle: picture alliance/Oliver Berg/dpa

Ingo Speich, Fondsmanager der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka, hadert, dass sich der Aspirin-Hersteller "an der bitteren Pille Monsanto verschluckt" habe. "Innerhalb von zwei Jahren ist Bayer vom einstigen Pharmagiganten zu einem Zwerg mutiert."

"Aktienkurs sorgt für Alpträume"

Wegen des Kurseinbruchs von zeitweise 40 Prozent sind viele der insgesamt 3.600 versammelten Aktionäre wütend. Ein Blick auf den Aktienkurs verursache inzwischen "Alpträume", meint Aktionärsschützer Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). 2014 war Bayer noch das wertvollste Unternehmen im Dax gewesen.

In der Abstimmung wurde der Vorstand nicht entlastet. Damit ist Bayer-Boss Werner Baumann der erste Chef eines Dax-Konzerns, der nicht entlastet wird. Zwar ist ein solches Votum nicht bindend, aber das Signal ist verheerend für "Mister Glyphosat", der die Monsanto-Übernahme als sein Lebenswerk sieht.

Ginge es nach dem Willen vieler Kleinaktionäre, wären die Tage von Baumann bei Bayer gezählt. Eine Aktionärin bietet ihm deshalb schon einmal eine Umschulung zum Imker an.

"Monsanto-Kauf war richtig!"

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Baumann selbst geht auf das ungewöhnliche Job-Angebot nicht an. Immerhin gibt er sich zu Beginn der Hauptversammlung reumütig. "Die Klagen und die ersten Urteile zu Glyphosat lasten schwer auf unserem Unternehmen und verunsichern viele Menschen, da gibt es nichts zu beschönigen", räumt er ein. Dennoch verteidigt er die Milliardentransaktion erneut. "Aufgrund der hervorragenden Aufstellung unserer Geschäfte sowie im Hinblick auf die wirtschaftliche Logik war und ist der Erwerb von Monsanto der richtige Schritt", sagt Baumann vor den Aktionären in Bonn.

Demütig zeigt sich Bayer-Aufsichtsratschef Wenning. Er entschuldigt sich bei den Aktionären des Pharma- und Agrarchemiekonzerns. Bayer habe an der Börse starke Kursverluste hinnehmen müssen, "das bedauern wir sehr", sagte Wenning zum Auftakt der Hauptversammlung.

nb