Schild mit Schriftzug am Eingang zur Beiersdorf AG-Zentrale
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Kurs bricht ein Beiersdorf: Böses Erwachen an der Börse

Stand: 27.02.2019, 09:12 Uhr

Beiersdorf will mit kräftigen Investitionen für weiteres Wachstum sorgen. Dafür muss der Konsumgüterkonzern aber zunächst auf Rendite verzichten. Anleger quittieren die Pläne mit Kursverlusten.

Die Beiersdorf-Aktie fällt im morgendlichen Handel um zehn Prozent auf rund 82 Euro. Damit reagieren die Anleger auf die Investitionspläne des neuen Konzernchefs, Stefan De Loecker, die Konsumgütermarken mittels hoher Investitionen zu "pimpen", also schöner und fit für die Zukunft zu machen. Dies bedeutet jedoch zunächst einen Rückgang der Rendite.

2019 soll die Umsatzrendite im Bereich Consumer (Nivea) demnach von 15,3 Prozent im Vorjahr auf 14 bis 14,5 Prozent fallen. Konzernweit erwartet Beiersdorf einen Rückgang von 15,4 auf 14,5 Prozent. Der Umsatz soll 2019 um drei bis fünf Prozent steigen (Vorjahr: +5,4 Prozent). Beim Bereich Consumer erwartet das Unternehmen ein Erlöswachstum um drei bis fünf Prozent (Vorjahr: 5,0 Prozent).

70 bis 80 Millionen Euro jährlich

Ab dem laufenden Jahr sollen im Rahmen des Strategieprogramms "C.A.R.E.+" jährlich 70 bis 80 Millionen Euro ausgegeben werden. Für den Unternehmensbereich Consumer erhofft sich Beiersdorf damit bis zum Jahr 2023 ein über dem Markt liegendes Umsatzwachstum von 4 bis 6 Prozent sowie einen Anstieg der Ebit-Umsatzrendite (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) auf 16 bis 17 Prozent.

"Die Konsumgüterindustrie befindet sich in einem historischen Umbruch. Unser gesamtes Geschäftsmodell muss sich an die neuen wirtschaftlichen und technologischen Bedingungen anpassen", wird der Konzernchef in einer Mitteilung zitiert. "Das erfordert vor allem eine höhere Investitionsbereitschaft."

"Böses Erwachen"

Mit "C.A.R.E.+" werden demnach fünf Ziele angesprochen: Erschließung neuer Wachstumsmärkte und Geschäftsfelder, Stärkung der Hautpflege-Kategorien im Portfolio, Beschleunigung der Digitalisierung, kontinuierliche und ergebniswirksame Produktivitätssteigerung und gesellschaftliches Engagement.

JPMorgan hat die Einstufung für Beiersdorf nach der Ankündigung der neuen Strategie auf "Neutral" mit einem Kursziel von 98 Euro belassen. Zwar sei der Aktienkurs wegen Sorgen um die Gewinnmarge zuletzt bereits unter Druck gewesen, schrieb Analystin Celine Pannuti in einer Studie. Angesichts der nun verkündeten Maßnahmen und dem Offenbleiben von Fragen dürfte dies zunächst so bleiben.

Die UBS hat die Einstufung für Beiersdorf nach den Zahlen und der Bekanntgabe der neuen Strategie auf "Sell" mit einem Kursziel von 85 Euro belassen. Analystin Pinar Ergun sprach in einer am Mittwoch vorliegenden Studie von einem "bösen Erwachen" einer "schlafenden Schönen". Gemessen am neuen Ausblick könnten die Markterwartungen nun um bis zu 10 Prozent sinken. Eine hohe Bewertung mache die Aktie anfällig.

lg