Vapiano-Restaurant in Berlin
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Auch im dritten Quartal rote Zahlen Bei Vapiano steht es Spitz auf Knopf

Stand: 20.11.2019, 09:08 Uhr

Pizza, Pasta und Probleme - das ist Vapiano. Das Unternehmen befindet sich in einer strategischen Umbauphase und schreibt weiter rote Zahlen. Einen kleinen Lichtblick gibt es aber: Die Gäste gaben mehr Geld für das Essen aus.

Die deutsche Pizza- und Pastakette bekommt ihre Probleme noch nicht wirklich in den Griff und steckt weiter in den roten Zahlen. Der Schuldenberg ist in den ersten neun Monaten dieses Geschäftsjahres weiter angestiegen.

Vanessa Hall, Vapiano

Vanessa Hall. | Bildquelle: Vapiano

Vor wenigen Monaten übernahm Vanessa Hall den Chefposten bei Vapiano. Ihr Mammutprojekt: Den angeschlagenen Konzern aus der Krise führen. Dass dies keine leichte Aufgabe ist, zeigen die aktuellen Zahlen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres hat Vapiano seinen Verlust auf 46,1 Millionen Euro ausgeweitet, das sind rund 17 Millionen Euro mehr Verlust als noch im Vorjahreszeitraum.

Der Konzernumsatz stieg zwar auf 295,5 (Vorjahr: 270,3) Millionen Euro an, das lag aber hauptsächlich an Zuwächsen in Frankreich, Österreich und Großbritannien sowie Neueröffnungen. Auf vergleichbarer Fläche sackte der Umsatz um 4,2 Prozent ab.

Kleiner Lichtblick?

Trotz der tiefroten Zahlen sieht Vapiano erste Fortschritte des Sanierungskurses. Jeder Gast habe in den ersten neun Monaten dieses Jahres im Schnitt fünf Prozent mehr Geld ausgegeben als zuvor, teilte das Unternehmen in Köln mit. Tatsächlich hat sich das Geschäft zuletzt etwas stabilisiert - betrachtet man nur das dritte Quartal, lag der Verlust in etwa gleich hoch wie zuvor.

Jahrelang florierte das Geschäft - mehr als 80 Lokale gibt es in Deutschland, 235 weltweit. Bei der Expansion übernahm sich das Unternehmen, zu viele neue Restaurants wurden zu Verlustbringern. Die Vapiano-Chefetage bremste das Wachstumstempo und schloss einige schlecht laufende Standorte. Bessere Arbeitsabläufe sollen Warteschlangen verkürzen, damit Vapianos Stern in der Kundengunst wieder steigt. Die Firma hat eine harte Zeit vor sich, erst für 2021 erwartet die Chefetage die Rückkehr in die Gewinnzone.

Attraktivität für Gäste soll steigen

Im Rahmen der strategischen Neuausrichtung legt Vapiano vor allem Wert auf ein verbessertes Erlebnis seiner Gäste. "Wir haben einen klar definierten Plan, um unsere Attraktivität für unsere Gäste weiter zu steigern", teilte Konzernchefin Vanessa Hall mit. Es werde konsequent an der Umsetzung der strategischen Neuausrichtung gearbeitet.

Besucher sitzen in der Sonne vor einem Vapiano-Restaurant in Münster

Die Umsetzung der Neuausrichtung schreitet voran. | Bildquelle: imago

Die Entwicklung des Geschäfts in den ersten neun Monaten in 2019 habe sich angesichts der Neuausrichtung so entwickelt, wie erwartet. Dementsprechend bestätigte Vapiano seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr.

Aktie langfristig enttäuschend

Auf dem Aktienmarkt kam die Bestätigung der Prognose gut an. Die Titel legten im frühen Handel zu und notierten rund drei Prozent im Plus. Das ist zumindest etwas Balsam für die Seelen der Vapiano-Anleger, denn langfristig ist die Kursentwicklung ein Trauerspiel.

Der Börsenwert der Restaurantkette schrumpft seit dem Börsengang unaufhörlich. In den vergangenen zwölf Monaten betrug der Kursverlust rund 37 Prozent, seit dem Börsengang 2017 sackte der Kurs sogar um über 80 Prozent ein. Brachte es das Unternehmen anfangs noch auf einen Börsenwert von 600 Millionen Euro, ist dieser mittlerweile auf knapp 108 Millionen Euro geschrumpft.

Das Überleben der Restaurantkette scheint vorerst gesichert zu sein. Vapiano kündigte im Sommer dieses Jahres an, verbindliche Kreditzusagen von Großaktionären und Banken in Höhe von rund 30 Millionen Euro erhalten zu haben. Allerdings sah die Eigenkapitalquote zuletzt miserabel aus: Zum 30.06.2019 betrug sie lediglich zwei Prozent. Sollte das Unternehmen die Hälfte seines Grundkapitals verlieren, käme es wahrscheinlich zu einem massiven Kapitalschnitt. Das Unternehmen müsste dann dringend frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen.

ms