Conti-Reifenwerk in Hannover

Schon 2.000 Stellen abgebaut seit 2019 Bei Continental regiert der Rotstift

Stand: 14.07.2020, 14:06 Uhr

Auch ohne die Corona-Krise befindet sich Autozulieferer Continental aus dem Dax mitten im Umbau. Firmenchef Degenhart spricht jetzt auf der Hauptversammlung klare Worte - es wird eisern gespart werden müssen.

Denn der Nachfrageeinbruch in der Corona-Krise zwingt den Autozulieferer Continental zur Verschärfung seines schon laufenden Sparkurses. Unabhängig von der strukturellen Umwälzung der Branche zu E-Mobilität und Digitalisierung müsse der Konzern kurzfristig stärker reagieren, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart bei der heutigen Hauptversammlung in Hannover.

Nötig sei eine Verringerung von Überkapazitäten. "Wir reduzieren Investitionen, wir verringern Arbeits- und Sachkosten. Im Klartext: Wir sparen jetzt zusätzlich Geld ein", erklärte Degenhart weiter. Es gehe um mehrere Hundert Millionen Euro. "Auswirken wird sich das bis 2022."

Degenhart betonte, es werde noch dauern, bis die Branche die Folgen der Viruskrise weggesteckt habe: "Weder in Europa noch in Amerika wird sich die Wirtschaft schnell erholen. Frühestens nach 2025 erreichen wir wieder das Niveau von 2017."

Schon 2.000 Stellen abgebaut

Conti-Chef Elmar Degenhart

Conti-Chef Elmar Degenhart. | Bildquelle: picture alliance / Holger Hollemann/dpa

Das Unternehmen hat sich im Zuge des 2019 beschlossenen Konzernumbaus bislang von rund 2.000 Beschäftigten getrennt, insgesamt 3.000 Arbeitsplätze seien verändert worden. Der Dax-Konzern hatte im vergangenen Jahr beschlossen, wegen des Umschwungs zur Elektromobilität dieses Geschäft zu stärken und die Produktion von Komponenten für Verbrennungsmotoren im Lauf dieses Jahrzehnts abzubauen. Deshalb sollten schon vor der Corona-Pandemie bis 2029 etwa 20.000 der weltweit 240.000 Arbeitsplätze verändert werden, 7.000 davon in Deutschland.

Zur jüngsten Entwicklung am Automarkt erklärte Continental, im April seien Umsatz und Ergebnis bisher am stärksten gesunken. Ab Mai habe sich die Nachfrage, getrieben von China, leicht verbessert. Nachholeffekte hätten die schnelle Erholung in China, dem weltweit größten Automarkt, getrieben. Aber in Europa und den USA sei die Nachfrage noch schwach.

Weiter keine Prognose

Wegen der hohen Unsicherheit über die Folgen der Corona-Krise gibt der Dax-Konzern aus Hannover keine genaue Prognose für das laufende Jahr ab. Degenhart rechnet mit einer langsamen Erholung des globalen Automarktes: Mit rund 70 Millionen Stück liege die Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in diesem Jahr ein Viertel unter dem Rekordwert von 2017, als es rund 95 Millionen waren. Dieses Niveau werde frühestens 2025 wieder erreicht, erklärte Degenhart.

Aktie kommt nur langsam voran

Der Blick auf den Chart zeigt, dass die Conti-Aktie schon vor Beginn der Krise unter Druck stand. Das Zwölf-Monats-Hoch datiert vom November 2019 bei über 132 Euro. Aktuell kostet das Papier knapp 85 Euro. Damit hat die Aktie einen Teil der eigentlichen Corona-Verluste (seit Ende Februar) zwar aufgeholt, zuletzt tendierte das Papier aber seitwärts. Die heutigen Aussagen auf der Hauptversammlung bewegen den Markt kaum, denn Degenhart hatte bereits im Vorfeld mit Blick auf das dritte Quartal von einer schwierigen Situation gesprochen.

Mittelfristig fällt die Bilanz für die Aktionäre ernüchternd aus. Nach einem guten Börsenjahr 2017 ging es unter Schwankungen von Niveaus bei 250 Euro aus stetig abwärts. Das Unternehmen gehört über eine Beteiligungsholding zu 46 Prozent zur Schaeffler-Gruppe, knapp 43 Prozent sind im Streubesitz. Den Rest halten institutionelle Investoren.

dpa/rtr/rm