Bayer Hauptversammlung 2018

Träge Geschäfte und Monsanto-Verzug Kopfschmerz-Tag bei Bayer

Stand: 25.05.2018, 15:20 Uhr

Tag der Hauptversammlung, Tag der Abrechnung bei Bayer: Aktionäre sind mächtig verstimmt. Nicht nur weil die Geschäfte träge laufen, sondern auch weil sich die Fusion mit Monsanto so lange hinzieht.

Aktionäre des Agrarchemie- und Pharmakonzerns fürchten eine zu große Ablenkung des Managements durch die Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto. "Die mit dieser Transaktion gebundenen Ressourcen fehlen Bayer an anderen Stellen", sagte Hendrik Schmidt von der Fondsgesellschaft DWS am Freitag auf der Hauptversammlung des Dax-Konzerns in Bonn.

Ähnliche Kritik kam von der Fondsgesellschaft Union Investment. "Nach einem schwachen letzten Jahr hat Bayer auch 2018 bislang enttäuscht," sagte Portfoliomanager Ingo Speich. "Das Bayer-Management ist jetzt nicht nur bei der Übernahme von Monsanto gefragt, sondern kämpft an vielen Fronten." Speich fordert einen stärkeren Fokus auf das Tagesgeschäft und verwies etwa auf Produktionsmängel bei bestimmten Medikamenten in Leverkusen. Die müssen nach einem Warnbrief der US-Gesundheitsbehörde FDA nun für viel Geld behoben werden.

Alles andere als rund lief es zuletzt zudem in der Agarchemie, die in der zweiten Hälfte 2017 unerwartet mit zu hohen Lagerbeständen in Brasilien konfrontiert war. Hier sieht Bayer-Chef Werner Baumann mittlerweile aber eine Besserung.

Bayer

Kann auch mal Kopfschmerzen machen: Die rezeptfreien Medikamente wie Bayers bekannteste Marke Aspirin. | Quelle: picture-alliance/dpa

Das Kopfschmerz-Geschäft

Hart ins Gericht gingen die großen Aktionäre vor allem mit dem Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten und Gesundheitsmitteln, abgekürzt OTC, was für Over The Counter steht. Die Sparte ist bekannt für frei verkäufliche Marken wie Aspirin und die Heilsalbe Bepanthen.

Die Umsatz- und Ergebnisentwicklung in diesem Bereich enttäusche, sagte DWS-Vertreter Schmidt. So lief die Integration des 2014 in einer Milliardentransaktion übernommenen OTC-Geschäfts der amerikanischen Merck & Co alles andere als rund. Nun soll es aber besser werden: Bayer reagierte unlängst mit einem Wechsel an der Spitze der Sparte, die nun der ehemalige Nestlé-Manager Heiko Schipper führt.

Portfolio-Manager Speich warnt aber vor Parallelen bei der Integration von Monsanto. Die Entwicklung nach dem Kauf des Merck-Geschäfts "lässt befürchten, dass die Monsanto-Integration den Aktionären noch viel länger Kopfschmerzen bereiten wird". Grundsätzlich heißt der Experte aber den Kauf gut. Er sei ein strategischer Meilenstein. Die Kombination von Chemie- und Biotech-Know-how sei "bestechend".

Poker mit den Wettbewerbshütern

Die mehr als 60-Milliarden-Dollar schwere Akquisition ist noch nicht in trockenen Tüchern. Die alles entscheidende Zustimmung des US-Justizministeriums steht noch aus. Bayer-Chef Baumann bleibt aber optimistisch. "Nach fast zwei Jahren intensiver Arbeit haben wir fast alle entscheidenden Freigaben erhalten. Wir gehen davon aus, die Transaktion in Kürze abschließen zu können."

Wegen der Bedenken der Wettbewerbshüter etwa der EU musste sich Bayer von mehr Geschäften trennen als ursprünglich geplant. Teile der Agrarchemie, des Saatgut-Geschäfts sowie die Aktivitäten im Bereich der digitalen Landwirtschaft gehen für insgesamt 7,6 Milliarden Euro an den Rivalen BASF.

Vor diesem Hintergrund muss Bayer - wenig überraschend - bei den im Zuge der Monsanto-Übernahme geplanten Einsparungen kleinere Brötchen backen als erhofft. Ab 2022 wird beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) vor Sondereffekten im Zuge von Synergien jährlich ein Beitrag von 1,2 Milliarden US-Dollar (1,0 Milliarden Euro) erwartet. Ursprünglich hatten die Leverkusener 1,5 Milliarden Dollar angepeilt.

Deadline 14. Juni

Bei der noch ausstehenden US-Zustimmung drängt aber die Zeit. Bis zum 14. Juni muss der Deal stehen, sonst könnten die Amerikaner zurücktreten, müssten aber zumindest nachverhandeln. Und für Bayer würde beides wohl teuer werden. Sollte der Kauf wegen fehlender kartellrechtlicher Zustimmungen platzen, muss Bayer eine Entschädigung von zwei Milliarden Dollar zahlen.

dpa-AFX