Zerissenes Bild eines Hochzeitspaares

Platzen die beiden Fusionen? Bayer und Linde müssen um Deals bangen

Stand: 16.03.2018, 14:50 Uhr

Zwei Zitterpartien: Linde bangt nun um den Zusammenschluss mit Praxair. Und Bayer muss wohl noch mehr abspecken, wenn die Ehe mit Monsanto gelingen soll. Die Politik stört sich an zu viel Macht.

Eigentlich wähnte sich Linde schon auf dem Weg zum neuen Weltmarktführer. Die Fusion mit dem kleineren amerikanischen Wettbewerber Praxair würde den Münchener Industriegasekonzern richtig groß machen. Zu einem Giganten mit 66 Milliarden Euro Börsenwert, 80.000 Mitarbeitern und 27 Milliarden Euro Umsatz würde man die derzeitige Nummer 1, Air Liquide, vom Spitzenplatz verdrängen.

Die Kartellbehörden verlangten zwar ein paar Zugeständnisse im Gegenzug für eine Genehmigung der Fusion. Doch Linde war bereit, Unternehmensteile abzugeben. Die Aktionäre gaben ebenfalls grünes Licht.

Daher sah bisher alles gut aus im Fahrplan. Bis gestern Abend: Die EU-Kommission stellt sich nun quer. Sie hat die laufende Frist für die kartellrechtliche Prüfung, die eigentlich bis zum 18. Juli abgeschlossen sein sollte, rückwirkend zum 24. Februar 2018 unterbrochen. Das gelte so lange, bis "abgefragte Informationen zur Verfügung gestellt werden".

Die Zeit läuft... davon

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Linde gibt sich zwar siegesgewiss. Man rechne damit, dass die Unterbrechung in der kommenden Woche aufgehoben und die Frist dann weiter laufen werde. "Die Fusionspartner arbeiten weiter daran, den Zusammenschluss wie geplant in der zweiten Jahreshälfte 2018 zu vollziehen", hieß es.

Aber doch könnte die 2017 verabredete Fusion nun zu einem Rennen gegen die Zeit werden. Aus rechtlichen Gründen muss sie bis spätestens 24. Oktober unter Dach und Fach sein - oder für gescheitert erklärt werden. Hintergrund ist das deutsche Wertpapierrecht, wonach Aktionäre spätestens nach zwölf Monaten Gewissheit über eine Fusion haben müssen.

Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe) mit Bezug auf Personen, die dem Linde-Vorstand vertraut sind, arbeitet Linde nun bereits an vorsorglichen Plänen für den Fall, dass die kartellrechtlichen Auflagen nicht rechtzeitig erfüllt werden können.

Bayer muss abspecken

Auch für Bayer gestaltet sich die Übernahme dess amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto zäher als gedacht. Das US-Justizministerium verlangt, dass sich Bayer von deutlich mehr Firmenteilen trennen muss als bislang geplant, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag unter Berufung auf Insider. Die Verhandlungen seien bislang konstruktiv und liefen weiter. Es könne aber noch Monate dauern, bis die Regierung in Washington eine Entscheidung treffe.

Bayer-Chef Werner Baumann hatte Ende Februar auf der Bilanzpressekonferenz gesagt, die Überprüfung durch die US-Wettbewerbshüter sei noch nicht so weit fortgeschritten wie in der EU. Insidern zufolge steht auch die EU-Kommission davor, grünes Licht zugeben, die Prüfung läuft noch bis zum 5. April. Baumann zeigte sich aber zuversichtlich, dass man dort im Laufe der folgenden Wochen Fortschritte machen werde.

Um die Genehmigung der Aufseher zu erhalten, hat Bayer sich unter anderem dazu verpflichtet, nahezu sein gesamtes Geschäft mit Saatgut und Pflanzeneigenschaften abzugeben. Mit BASF verständigte man sich darauf, Teile des Geschäfts mit Soja-, Baumwoll- und Raps-Saatgut sowie mit Breitband-Unkraut-Vernichtungsmitteln für knapp sechs Milliarden Euro zu veräußern. Zudem werden mit BASF exklusive Gespräche über den Verkauf des Gemüsesaatgut-Geschäfts geführt.

bs