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Glyphosat-Verfahren aufgeschoben? Bayer erzielt Milliardenerlös

Stand: 07.08.2019, 16:11 Uhr

Zusammen mit Lanxess hat Bayer den Chemieparkbetreiber Currenta verkauft. Der Deal bringt beiden Chemiekonzernen Einnahmen in Milliardenhöhe - und satte Kursgewinne an der Börse. Bei Bayer rückt auch das Thema Glyphosat wieder in den Fokus. Der nächste Prozess wird offenbar vertagt.

Hocherfreut haben Anleger auf einen Beteiligungsverkauf der beiden deutschen Chemiekonzerne Bayer und Lanxess reagiert. Bis zu sieben Prozent legte die Bayer-Aktie am Mittwoch zu. Auch am Nachmittag gewann das Papier weiter über fünf Prozent an Wert und lag damit klar an der Dax-Spitze. Die Lanxess-Aktie kletterte im MDax in der Spitze ebenfalls um knapp fünf Prozent.

Für 3,5 Milliarden Euro trennen sich die beiden Unternehmen von Currenta. Der Chemiepark-Betreiber geht inklusive Schulden an Macquarie Infrastructure and Real Assets, eine Fondstochter der australischen Investmentbank Macquarie.

Currenta betreibt den Chempark mit Standorten in Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen - insgesamt eines eines der größten Chemie-Areale Europas. Das Unternehmen beschäftigt rund 3.200 Mitarbeiter und erzielte 2018 inklusive Tochtergesellschaften einen Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro.

Bayer hält 60 Prozent an Currenta, der Kölner Spezialchemiekonzern Lanxess 40 Prozent. Bereits Ende des vergangenen Jahres hatten die Leverkusener angekündigt, sich von ihren Anteil an Currenta trennen zu wollen.

Konzernumbau bei Bayer geht voran

Experten verwiesen zur Begründung für die Kursgewinne auf die hohe Bewertung von Currenta. Der Verkaufspreis liege deutlich über der Markterwartung, sagte JPMorgan-Analyst Richard Vosser. Am Markt hätten zuvor Bewertungen von 2 bis 2,5 Milliarden Euro die Runde gemacht. Daher sei der nun erzielte Verkaufspreis für Bayer wie für Lanxess "eindeutig positiv", so Markus Mayer von der Baader Bank. Lanxess habe die Beteiligung bislang mit einem Wert von Null in der Bilanz stehen und könnte daher nun einen Buchgewinn von 550 Millionen Euro erzielen.

Der Deal ist Teil des Konzernumbaus von Bayer. An der Börse wird bereits auf den nächsten erfolgreichen Beteiligungsverkauf von Bayer spekuliert. "Das Interesse der Anleger richtet sich nun vermutlich auf die strategischen Optionen für einen Ausstieg aus dem Segment Tiergesundheit", sagte Analyst Keyur Parekh von Goldman Sachs. Dieser solle noch im laufenden Jahr über die Bühne gehen.

Glyphosat-Prozess offenbar verschoben

Ein Landwirt bringt das Pflanzenschutzmittel Glyphosat auf einem Feld aus

Glyphosat. | Bildquelle: picture alliance / SvenSimon

Ein Händler begründete die Kursgewinne bei Bayer auch mit einem Bericht der "Wirtschaftswoche", wonach sich der für den 19. August angesetzte nächste US-Prozess wegen des Unkrautvernichters Glyphosat offenbar verzögert. Bayer geht davon aus, dass das Gerichtsverfahren verschoben wird, wie ein Konzernsprecher der Nachrichtenagentur dpa-AFX sagte.

Nach Informationen der "Wirtschaftswoche" unter Berufung auf US-Justizkreise soll ein für September geplantes Verfahren um mögliche Krebsrisiken ebenfalls vertagt werden. Zum Hintergrund der möglichen Verschiebung der Verhandlungen konnte der Bayer-Sprecher keine Angaben machen.

Der ursprünglich für August geplante Fall hätte in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri angestanden - ausgerechnet der US-Agrarmetropole, in der Monsanto 1901 gegründet wurde und bis zur Übernahme durch Bayer seinen Hauptsitz hatte. Die Klägerin Sharlean Gordon macht den Unkrautvernichter Roundup für ihre Erkrankung an Lymphdrüsenkrebs verantwortlich. Es wäre nach bereits drei von Bayer in erster Instanz verlorenen Glyphosat-Prozessen mit Schadensersatzforderungen im jeweils mittleren bis hohen zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich der vierte Fall gewesen.

Vergleich möglich

Bayer-CEO Werner Baumann

Werner Baumann. | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon, Montage: boerse.ARD.de

Während die Leverkusener bislang klare Kante zeigten und vor Berufungsgerichte ziehen wollen, gingen zuletzt immer mehr Analysten davon aus, dass es früher oder später zu einer Einigung mit den Klägern kommen dürfte. Angesichts von zuletzt 18.400 Klägern rechnen Experten mit milliardenhohen Kosten.

Trotz der harten Linie von Bayer hatte Konzernchef Werner Baumann zuletzt wiederholt erklärt, dass ein Vergleich durchaus in Frage käme, wenn er wirtschaftlich Sinn machen würde. Für die arg gebeutelte Aktie könnte das nach Expertenmeinung ein Befreiungsschlag sein.

tb/dpa-AFX