Bayer AG in Wuppertal

Wird der Prozess fortgesetzt? Bayer: Glyphosat-Vergleich kommt nicht voran

Stand: 28.08.2020, 08:02 Uhr

Im US-Rechtsstreit wegen des angeblich krebserregenden Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat hat der zuständige US-Bezirksrichter kritisiert, dass es an Fortschritten bei den Vergleichsverhandlungen fehle. Die Anleger fürchten, dass der Prozess fortgesetzt werden könnte.

Mit einem Abschlag von fast drei Prozent gehören die Titel von Bayer zu den größten Verlierern des heutigen Tages. Bei einer Anhörung am Donnerstag (Ortszeit) hatte der zuständige US-Bundesrichter Vince Chhabria mangelnde Fortschritte bei den Vergleichsverhandlungen zwischen Bayer und Klägeranwälten moniert und dabei auch Bayer kritisiert.

Sollte es nicht bald Fortschritte geben, könnte der Richter Glyphosat-Prozesse fortsetzen lassen, die er ausgesetzt hatte, um den Streitparteien Zeit für Gespräche zu geben. Das gefällt den Anlegern natürlich nicht, die auf eine für Bayer günstige Vergleichslösung hoffen. Der Richter gibt den Streitparteien nun noch rund einen Monat Zeit.

Sicher sei die Nachricht nicht das, was die Leverkusener brauchen angesichts des nicht enden wollenden Verfahrens, merkte die Commerzbank in einer ersten Reaktion an. Der Druck auf Bayer steige, das Verfahren endlich zu einem Ende zu bringen. "Das ändert aber nichts am Grundgerüst einer Einigung auf einen Vergleich", lautete das Fazit der Analysten.

Jetzt kommen neue Vorschläge

Bayer selbst bleibt zuversichtlich, einen Vergleich schließen zu können. Der Konzern hatte sich eigentlich schon Ende Juni den Befreiungsschlag in der Causa Glyphosat erhofft und einen fast 11 Milliarden US-Dollar schweren Deal zur Beilegung des Streits angekündigt. Allerdings hatten dem nicht alle Kläger zugestimmt. Zudem störte sich Bundesrichter Chhabria an dem gesonderten Teil der Vereinbarung, der mögliche künftige Fälle abdeckt.

Bayer-CEO Werner Baumann

Will umfassende Lösung finden: Werner Baumann, CEO. | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon, Montage: boerse.ARD.de

Angesichts der Skepsis des Richters zog Bayer den Antrag auf Zustimmung zum Umgang mit den möglichen künftigen Fällen zurück. Bayer will drohende künftige Fälle mit vom Tisch haben, um das Glyphosat-Thema ein für alle Mal zu beenden.

Der Ansatz bleibe, eine umfassende Lösung zu finden, hatte Bayer-Chef Werner Baumann Anfang August im Zuge der Veröffentlichung der Zahlen für das zweite Quartal gesagt. Ein neuer Vorschlag werde mit den Repräsentanten künftiger Fälle besprochen, hieß es.

ts