Ein Landwirt bringt das Pflanzenschutzmittel Glyphosat auf einem Feld aus

Agenturbericht treibt die Aktie Bayer: Offenbar Teilerfolg im Glyphosat-Streit

Stand: 25.05.2020, 20:25 Uhr

Auf diese Nachricht warten die Anleger schon lange. Einem Bericht der Agentur Bloomberg zufolge hat sich Bayer mit einem großen Teil seiner Glyphosatkläger geeinigt. Am Abend gab es dann aber eine etwas ernüchterndere Einordnung.

Denn Mediator Kenneth Feinberg äußerte sich am Abend gegenüber dem "Handelsblatt" nur sehr vorsichtig optimistisch. Es gebe keine Neuigkeiten. Feinberg leitet als neutraler Mediator die Gespräche zwischen Unternehmen und Klägern, an deren Ende ein milliardenschwerer Vergleich stehen könnte.

Der Leverkusener Pharmakonzern habe mündliche Vereinbarungen über geschätzte 50.000 bis 85.000 der anhängigen rund 125.000 Klagen getroffen, berichtete zuvor die Agentur Bloomberg am Morgen unter Berufung auf Insider. Die Vereinbarungen seien noch nicht unterschrieben und auch der Aufsichtsrat von Bayer müsse noch zustimmen. Im Juni sollten sie dann bekanntgegeben werden. Von Bayer war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Bayer hatte Ende April bei der Vorlage der Quartalszahlen mitgeteilt, dass die Corona-Krise die Suche nach einer Einigung im US-Glyphosatstreit verzögert. Bayer beteilige sich weiter konstruktiv an der Mediation und habe Fortschritte erzielt, bis der Ausbruch von Covid-19 das Verfahren erheblich verlangsamt habe.

Die jetzt erzielte vorläufige Einigung mit den Klägern sieht dem Bericht zufolge vor, dass der glyphosathaltige Unkrautvernichter namens Roundup in den USA weiterhin ohne Warnhinweise für den Einsatz in Gärten und Bauernhöfen verkauft werden kann. Die beteiligten Anwälte verpflichten sich demnach, keine neuen Fälle in diesem Zusammenhang anzunehmen und nicht um neue Klienten zu werben.

Mögliche Kosten von 10 Milliarden Dollar

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Das hatte sich allerdings zuletzt schon so abgezeichnet. In dem Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter des 2018 übernommenen Saatgutherstellers Monsanto hatte Bayer ursprünglich dem Vernehmen nach eine Einigung bis zur Hauptversammlung Ende April angestrebt. Bayer will jetzt laut dem Bloomberg-Bericht die Vergleichsverhandlungen voraussichtlich im Juni abschließen.

Investoren setzen schon länger darauf, dass Bayer den Rechtsstreit um die Produkte des 2018 übernommenen US-Saatgutherstellers Monsanto zeitnah mit einem groß angelegten Vergleich beilegt. Schätzungen zufolge könnte Bayer das um die 10 Milliarden Dollar kosten. Entscheidend sei, dass ein Vergleich nicht zu schmerzhaft ausfalle, nicht wann er kommt, erklärte kürzlich Marc Tüngler von der Aktionärsvereinigung Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Aktie legt zu

Bayer-Chef Werner Baumann hatte bei der kürzlichen Vorlage der Quartalszahlen gesagt: "Das Unternehmen wird eine Lösung nur dann in Betracht ziehen, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll und so strukturiert ist, dass zukünftige Fälle effizient zu einem Abschluss gebracht werden".

Bei den Anlegern kommt die Meldung gut an. Die Bayer-Aktie legt am Vormittag um gut vier Prozent zu und ist damit der stärkste Wert im Dax.

Für die Bayer-Aktionäre hat sich die Übernahme von Monsanto mit den folgenden Klagen wegen Glyphosat als ein herbes Verlustgeschäft erwiesen. Seit das Unternehmen die 63 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme Mitte 2018 vollzogen hat, ist der Aktienkurs von Bayer um 42 Prozent eingebrochen. Der Börsenwert des Dax-Konzerns ist dadurch umgerechnet um 39 Milliarden Dollar geschmolzen. Zuletzt war Bayer an der Börse noch rund 57 Milliarden Euro wert. Allein im laufenden Jahr ging es für die Aktie im Zuge der Corona-Krise um mehr als ein Fünftel abwärts.

lg/dpa/rtr