Ein Landwirt bringt das Pflanzenschutzmittel Glyphosat auf einem Feld aus

Glyphosat-Klagen Bayer: Neue Vergleichsspekulationen

Stand: 10.02.2020, 08:45 Uhr

Im Streit zwischen Bayer und Tausenden US-Klägern um mögliche Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters von Monsanto mehren sich die Anzeichen für einen möglichen Vergleich. Der könnte Bayer noch einmal viele Milliarden Euro kosten.

Wie die Agentur Bloomberg unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen berichtet, könnten die Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten möglicherweise für zehn Milliarden Euro beigelegt werden. Dabei hat Bayer für die Übernahme von Monsanto, dem Hersteller des Unkrautvernichters, bereits 63 Milliarden Dollar gezahlt.

Dennoch dürfte eine außergerichtliche Einigung mit den gut 40.000 Klägern für Bayer vorteilhafter sein, als jede einzelne Klage durchzufechten. Ein solches Vorgehen wäre zudem riskant und langwierig. Mit einem groß angelegten Vergleich wäre das Thema dagegen endlich vom Tisch. Die Anzeichen für letztere Lösung haben sich zuletzt deutlich vermehrt.

Fristen verschoben

So hat Richter Vince Chhabria auf Anfrage des Mediators Ken Feinberg alle Fristen im Massenverfahren in San Francisco um 28 Tagen verschoben, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Ein Bayer-Sprecher bestätigte eine Vertagung im Fall Stevick.

Sie soll beiden Seiten Zeit verschaffen, die Mediation unter Ken Feinberg fortzusetzen, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Bayer bringe sich konstruktiv in die Mediation ein, ein Deal sei aber nicht erreicht. Auch gebe es diesbezüglich weder einen Zeitplan noch Gewissheit.

Positives Signal

Bundesrichter Chhabria, bei dem zahlreiche Klagen gebündelt sind, hatte die Streitparteien im Frühjahr 2019 zu einer einvernehmlichen Lösung aufgefordert und anschließend mit dem Anwalt Feinberg einen hochkarätigen Experten in Entschädigungsfragen bestellt.

Zuletzt waren bereits Prozesse bei anderen Gerichten vertagt worden. Analysten hatten das als positives Signal für einen umfassenden Vergleich gewertet. So hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen berichtet, dass die Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten möglicherweise für zehn Milliarden Euro beigelegt werden könnten.

Was wird aus Baumann?

Vor diesem Hintergrund richten sich die Blicke auf die Veröffentlichung der Geschäftszahlen für 2019 am 27. Februar sowie auf die Bayer-Hauptversammlung am 28. April. Am Markt wird spekuliert, dass Konzernchef Werner Baumann das Thema Glyphosat spätestens bis zur Aktionärsversammlung Ende April geklärt haben will.

Auf dem letzten Treffen 2019 hatten die Aktionäre wegen der Monsanto-Übernahme scharfe Kritik geäußert und Baumann die Entlastung verweigert. Ob der Vorstandschef im Falle einer erneuten Nichtentlastung zu halten wäre, ist offen.

lg/dpa-AFX