Zentrale der Bayer AG in Leverkusen

Doch kein Vergleich? Das Glyphosat-Thema klebt an Bayer

Stand: 07.07.2020, 12:39 Uhr

Wird es doch nichts mit dem angestrebten Milliardenvergleich in den USA? Ein US-Richter meldete Zweifel an einem Teil des Vergleichspakets um den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat an. Die Anleger bekommen es mit der Angst zu tun.

Mit einem Abschlag von mehr als sechs Prozent auf rund 62 Euro belegen die Bayer-Aktien im Dax den zweitletzten Platz hinter den gewissermaßen außer Konkurrenz laufenden Aktien von Wirecard. Grund für den heftigen Rückschlag sind Nachrichten aus dem USA im Glyphosat-Streit. Ein Händler kommentierte, die US-Sorgen seien wieder auf dem Tisch.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate
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Runter vom Tisch, rauf auf den Tisch

Vor allem ist der geplante Milliardenvergleich nicht in der Form vom Tisch, wie es sich das Bayer-Management wohl erhofft hatte. Marktbeobachter hatten vor einigen Tagen noch von einem Befreiungsschlag gesprochen. Konkret geht es dabei um den Teil des großangelegten Vergleichs, der mögliche künftige Fälle abdeckt. Bundesrichter Vince Chhabria beurteilt den diesbezüglichen Vorschlag der Streitparteien in einem Gerichtsdokument als problematisch.

Zum Hintergrund: Der Ende Juni bekannt gegebene, bis zu 10,9 Milliarden US-Dollar (9,8 Milliarden Euro) teure Glyphosat-Vergleich beinhaltet neben 8,8 bis 9,6 Milliarden Dollar für laufende Verfahren auch 1,25 Milliarden Dollar für eine separate Vereinbarung für mögliche künftige Fälle. Letzterem muss Richter Chhabria zustimmen.

Bayer-Chef Werner Baumann

Bayer-Chef Werner Baumann.

Dabei geht es um die Bildung eines unabhängigen Wissenschaftsgremiums, das entscheiden soll, ob der Glyphosat-Unkrautvernichter Roundup Lymphdrüsenkrebs verursacht, und falls ja, ab welcher Dosis er gefährlich werden kann.

Das Monsanto-Problem

Richter Chhabria tendiere den aktuellen Unterlagen zufolge eher dazu, den Vorschlag des Konzerns abzulehnen. Er stellt unter anderem die Frage, ob eine Beauftragung eines solchen Gremiums, statt Richtern und Geschworenen, rechtlich möglich ist - und falls doch, welche Vorteile es für mögliche künftige Kläger bringen würde.

Mit dem Ende Juni geschlossenen milliardenschweren Vergleich will Bayer eigentlich die meisten seiner rechtlichen Probleme in den USA hinter sich lassen, die der Konzern sich 2018 mit der Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto ins Haus geholt hatte. Der weitaus größte Teil der Summe steht im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter Glyphosat.

Ein Landwirt bringt das Pflanzenschutzmittel Glyphosat auf einem Feld aus

Glyphosat. | Bildquelle: picture alliance / SvenSimon

Mit der aktuellen Lösung wären laut Bayer 75 Prozent der derzeitigen Roundup-Verfahren zum Abschluss gebracht worden - mit insgesamt etwa 125.000 eingereichten und nicht eingereichten Klagen.

ts/dpa-AFX