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Ausblick bestätigt Bayer zeigt Qualitäten

Stand: 13.11.2018, 15:29 Uhr

Gar nicht so schlecht, Bayer! Trotz eines schwierigen Marktumfeldes mit hohen Rechts- und Währungsrisiken präsentiert der Leverkusener Dax-Konzern im dritten Quartal ein solides Ergebnis.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bayer hat sich im dritten Quartal behauptet. Zwar stagnierte das Ebitda vor Sondereinflüssen im Jahresvergleich bei 2,2 Milliarden Euro, Analysten hatten aber mit 2,05 Milliarden Euro weniger erwartet. Der Umsatz stieg bereinigt (um Währungs- und Portfolioeffekte) um 1,9 Prozent und nominal um 23 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro.

Zudem bestätigte das Unternehmen seinen Jahresausblick. Dieser war erst im Vorquartal um den Monsanto-Zukauf angepasst worden. Weiterhin wird ein Jahresumsatz von mehr als 39 Milliarden Euro erwartet. Für das bereinigte Ebitda peilt Bayer wie bisher einen Anstieg im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich an, was einem Ergebnis je Aktie zwischen 5,70 und 5,90 Euro entspricht.

Monsanto erstmals komplett konsolidiert

Monsanto- und Bayer-Logos

Monsanto erstmals voll in der Bilanz enthalten. | Bildquelle: Unternehmen, picture alliance / dpa - Franz-Peter Tschauner, Montage: boerse.ARD.de

Das dritte Quartal war das erste, in dem Monsanto komplett enthalten war. Demzufolge weist das Zahlenwerk zum Teil hohe Schwankungen auf. So wurde das Ebit mehr als verdreifacht auf 4,42 Milliarden Euro. Darin enthalten sind aber Sondereinflüsse per saldo von 3,1 Milliarden Euro (im Vorjahr minus 249 Millionen Euro), die aus dem kartellrechtlich gebotenen Verkauf von CropScience-Geschäftsteilen im Volumen von 3,9 Milliarden Euro an BASF resultieren.

Das Nettoergebnis sank um mehr als ein Viertel auf 2,88 Milliarden Euro, wobei es ebenfalls Sondereffekte gab, insbesondere hohe Finanzierungskosten aus dem Zukauf. Erfreulich dagegen, dass der operative Cash Flow um 7,8 Prozent stieg auf 2,05 Milliarden Euro und gleichzeitig die Verschuldung des Konzerns um 18,3 Prozent zurückgeführt wurde. Ganz ohne Blessuren ging es aber nicht, denn negative Währungseffekte machten sich mit 160 Millionen Euro bemerkbar.

Pharmasparte legt zu

Bayer-Chef Werner Baumann

Bayer-Chef Werner Baumann. | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Unter den einzelnen Geschäftsbereichen lief es in der Pharmasparte (Pharmaceuticals) recht gut. Der Umsatz mit rezeptpflichtigen Medikamenten erhöhte sich bereinigt um 4,8 Prozent auf 4,16 Milliarden Euro. "Zu der erfreulichen Steigerung haben alle Regionen beigetragen", sagte Firmenchef Werner Baumann. "Eine besonders positive Entwicklung verzeichneten wir in Europa und China."

Hauptwachstumsprodukte im Bayer-Portfolio sind unter anderem der Gerinnungshemmer Xarelto, das Augenmedikament Eylea oder das Krebsmittel Xofigo. Der Umsatz mit rezeptfreien Mitteln stieg um 3,0 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro.

Im Agrargeschäft (CropScience), dem zweiten Standbein des Konzerns, setzte Bayer 3,73 Milliarden Euro um, davon entfielen 2,2 Milliarden auf das zugekaufte Geschäft. Das Ebitda vor Sondereinflüssen von CropScience erhöhte sich um 25,7 Prozent auf 386 Millionen Euro. "Der Ergebnisanstieg ist insbesondere auf den Beitrag des neu akquirierten Geschäfts in Höhe von 255 Millionen Euro zurückzuführen", sagte Baumann.

Damoklesschwert Glyphosat-Klagen

Abgetrennt von der operativen Entwicklung steht der Konzern in den USA weiter im Rechtsstreit um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, das Monsanto mit in die Ehe gebracht hat. Im Kern geht es darum, ob das Mittel krebserregend ist und ob Bayer-Monsanto haften muss. Prozesse dieser Art können in Amerika teuer werden.

Zuletzt hatte Bayer eine Schlappe im Glyphosat-Prozess erlitten. Ein US-Gericht hatte überraschend das Urteil gegen den Herbizid-Hersteller bestätigt, wonach Monsanto-Mittel wie Roundup verantwortlich für den Krebs des Klägers seien, die Strafsumme aber deutlich reduziert. Die Anzahl der Klagen hat sich zuletzt erhöht, wie Bayer am Morgen ebenfalls bekannt gab. Bis zum 30. Oktober seien in den USA Ansprüche von etwa 9.300 Klägern zugestellt worden, der Konzern rechnet mit weiteren Klagen.

Aktien auf Achterbahnfahrt

Die Anleger reagierten zunächst erleichtert, da hatten einige wohl mit Schlimmerem gerechnet. Die Aktie führte kurz nach der Eröffnung den Dax an. Im Tagesverlauf drehten die Titel dann wieder klar ins Minus und übernahmen die rote Laterne im Dax. Vor allem die Sorgen der Anleger vor hohen Schadenersatzforderungen in den USA haben den Börsenkurs seit dem vergangenen Sommer schwer belastet. Noch im August notierte die Aktie bei über 95 Euro, das Jahreshoch vor fast genau einem Jahr lag bei über 107 Euro.

rm