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Trotz milliardenschwerer Abschreibungen Bayer: Zahlen überzeugen

Stand: 27.02.2019, 09:34 Uhr

Die Übernahme von Monsanto hat die Bayer-Aktie deutlich geschwächt, Umsatz und Ergebnis des Konzerns aber einen kräftigen Schub verliehen. Allerdings belasten hohe Abschreibungen im Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten. Und die Zahl der Glyphosat-Kläger wächst. Doch die Anleger sind zufrieden.

Unter dem Strich brach der Gewinn von Bayer im vergangenen Jahr um rund drei Viertel auf 1,7 Milliarden Euro ein. Dazu haben vor allem die Abschreibungen von 2,7 Milliarden Euro auf Firmenwerte im Geschäft mit frei verkäuflichen Medikamenten, von denen sich Bayer trennen will. Dazu gehören der erst vor wenigen Jahren teuer vom US-Konkurrenten Merck & Co übernommene Bereich Sonnenschutz mit der Marke Coppertone und die Fußpflege mit der Marke Dr. Scholl's.

Der Umsatz legte dank der Monsanto-Übernahme im abgelaufenen Jahr um rund 13 Prozent auf 39,6 Milliarden Euro zu. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereffekten stieg aber nur leicht um 2,8 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro, auch weil Kosten für die Behebung von Problemen infolge einer Rüge der US-Gesundheitsbehörde FDA anfielen.

Zahl der Kläger weiter gestiegen

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Derweil hat sich die Zahl der Kläger gegen Bayer wegen des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat weiter erhöht. Bis zum 28. Januar seien der Tochter Monsanto in den USA Klagen von etwa 11.200 Klägern zugestellt worden, teilte Bayer jetzt mit. Zuletzt lag diese Zahl bei 9.300 Klägern. Bayer sei im Januar zudem eine kanadische Klage im Zusammenhang mit dem gylphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittel Roundup von Monsanto zugestellt worden, in der die Zulassung einer Sammelklage beantragt werde, hieß es im Geschäftsbericht.

Bedeutender als das erste Verfahren ist der in der in dieser Woche gestartete Prozess eines weiteren Klägers. Denn es handelt sich um den ersten Fall, der vor einem Bundesbezirksgericht verhandelt wird und Teil eines Massenverfahrens ist. Bayer bestreitet die Vorwürfe und verweist darauf, dass Zulassungsbehörden weltweit Glyphosat bei sachgemäßer Anwendung als sicher bewerteten.

Probleme an mehreren Fronten

Bayer kämpft derzeit an mehreren Fronten. Der im vergangenen Jahr für rund 63 Milliarden Dollar übernommene Saatgutkonzern Monsanto muss integriert werden. Allein das ist schon ein Kraftakt, erschwerend hinzu kommt die Klagewelle in den USA wegen angeblicher Krebsrisiken von Glyphosat.

Zentrale der Bayer AG in Leverkusen

Bayer AG in Leverkusen. | Bildquelle: picture alliance / Daniel Kalker

Anleger sind nervös, nachdem der Saatgutriese im vergangenen Jahr eine bittere Schlappe vor einem US-Gericht kassiert hatte und zu einem Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe verdonnert wurde. Entschieden ist allerdings noch lange nichts; Bayer legte Berufung ein. Monsanto und Glyphosat sind aber nicht die einzigen Baustellen.

Warten auf neue Kassenschlager

Das Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln läuft träge und im Pharmageschäft warten Investoren auf den nächsten Kassenschlager, auch weil wichtigen Umsatzbringern wie dem Gerinnungshemmer Xarelto und dem Augenmedikament Eylea in ein paar Jahren Konkurrenz durch Generika droht. Immerhin gab es hier zuletzt positive Nachrichten: Angesichts guter Studiendaten sind die Chancen für eine Zulassung des Krebsmittel-Kandidaten Darolutamid gestiegen. Für den Krebshoffnungsträger Larotrectinib sicherte sich Bayer zudem die alleinigen Vermarktungsrechte, nachdem der Forschungspartner Loxo Oncology von der Konkurrenz geschluckt wurde.

Alles in allem verschrieb sich Bayer angesichts der vielen Probleme ein Programm zur Effizienzsteigerung, um Kosten zu sparen und die Arbeitsabläufe zu straffen. Wegfallen sollten weltweit rund 12.000 Stellen.

Die Reaktion der Anleger fällt allerdings eindeutig aus: Nachdem sie im vorbörslichen Handel leicht unter Druck gerieten, legen die Bayer-Aktien im regulären Xetra-Handel gegen den Trend um über vier Prozent zu. Händler lobten die guten Ergebnisse im Agrargeschäft.

lg/rtr/dpa