Zentrale der Bayer AG in Leverkusen

Sparen, Stellenabbau und schwacher Ausblick Bayer-Aktie stürzt ab

Stand: 01.09.2020, 09:20 Uhr

Bayer hat zusätzliche Sparmaßnahmen in Milliardenhöhe angekündigt, ein weiterer Arbeitsplatzabbau beim Pharma- und Agrarchemiekonzern ist nicht ausgeschlossen. Die Anleger dürften aber vor allem wegen des schwachen Ausblicks entsetzt sein.

"Um Bayer in einem anhaltend herausfordernden Marktumfeld weiter voranzubringen, hat der Vorstand beschlossen, zusätzliche operative Einsparungen in Höhe von mehr als 1,5 Milliarden Euro pro Jahr ab 2024 auf den Weg zu bringen", teilte das Bayer-Management mit. Das Leverkusener Unternehmen kämpft mit "erheblichem Gegenwind" durch die Corona-Pandemie, vor allem im Agrargeschäft.

Wegen der eingetrübten Aussichten in der Sparte fällt eine milliardenschwere Sonderabschreibung an. Die bereits im August gesenkten Ziele für 2020 bestätigte Bayer zwar, rechnet im kommenden Jahr aber mit einem Ergebnisrückgang. Das bereinigte Ergebnis je Aktie dürfte 2021 währungsbereinigt leicht unter dem Niveau des Vorjahres liegen. Den Umsatz erwartet Bayer in etwa auf dem Niveau des Jahres 2020.

Die Titel stürzen - vor allem wohl wegen der schwachen Prognose für 2021 - um mehr als zehn Prozent ab. Analyst Stephen McGarry von der Investmentbank HSBC reagierte, indem er seine Kaufempfehlung aufgab und sein Kursziel um 20 Euro auf 59 Euro kappte. Wie andere Experten sieht er die Ziele für das kommende Jahr deutlich unter den bisherigen Markterwartungen. Das langfristige Wachstum werde geringer ausfallen als gedacht, so McGarry. Zudem gebe es klare Einschnitte bei der Dividende.

"Kostenstrukturen anpassen"

"Wir müssen unsere Kostenstrukturen an die veränderten Marktbedingungen anpassen und gleichzeitig Mittel für weitere Investitionen in Innovation und Wachstum bereitstellen", sagte Vorstandschef Werner Baumann. Das könnte auch zu weiteren Stellenstreichungen führen, nachdem Bayer bereits 2018 den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen beschlossen hatte. Zum Ende des ersten Halbjahres beschäftigte der Konzern rund 101.200 Mitarbeiter.

An der Vereinbarung, bis Ende 2025 auf betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland zu verzichten, will Bayer festhalten. Die Details der Einsparungen würden derzeit im Detail erarbeitet und befänden sich noch in einem frühen Stadium.

Bayer-Chef Werner Baumann

Bayer-Chef Werner Baumann.

Agrarsparte mit Monsanto verstärkt?    

Bei den einzelnen Sparten leidet insbesondere das Agrargeschäft Crop Science, das Bayer mit der Übernahme des US-Konzerns Monsanto deutlich ausgebaut hatte, unter der Pandemie. Dort seien die Auswirkungen "tiefgreifender" als zunächst erwartet. Als Gründe nannte Bayer niedrige Preise bei wichtigen Nutzpflanzen, intensiven Wettbewerb bei Soja und einen geringeren Biokraftstoffverbrauch.

Bayer hatte Monsanto 2018 für rund 63 Milliarden Dollar übernommen. Aktuell verhandelt der Konzern über einem "ganzheitlichen Vergleich" mit zehntausenden US-Klägern wegen möglicher Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat. Hier würden nochmal mehr als zehn Milliarden Dollar fällig.       

"Die Preissituation werde sich voraussichtlich in nächster Zeit nicht ändern, erklärte Bayer. Daher werde von einer Sonderabschreibung auf Vermögenswerte des Agrargeschäfts im mittleren bis oberen einstelligen Milliarden-Euro-Bereich ausgegangen.

Das Pharma-Geschäft dürfte dagegen 2021 vermutlich wieder wachsen. Dort seien zusätzliche Investitionen geplant. Das lange Zeit maue Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten habe sich "stark" entwickelt und dürfte schneller wachsen als die Konkurrenz. Selbst kleinere Zukäufe zieht Bayer in dem Bereich nun in Betracht. Der Monsanto-Kauf habe nicht nur eine Menge an Börsenwert vernichtet, er könnte auch die Pharmasparte lähmen, sagte hingegen Julie Mead, Analystin bei der Bank HSBC.

Glyphosat-haltiges Monsanto-Unkrautvernichtungsmittel Roundup

Unkrautvernichtungsmittel Roundup. | Bildquelle: picture alliance / NurPhoto

Kleinere Verkäufe

Neben den neuen Einsparungen, die zusätzlich zu den 2018 angekündigten jährlichen Ergebnisbeiträgen von 2,6 Milliarden Euro ab 2022 kommen, prüft Bayer die Möglichkeit, sich von "nicht-strategischen Geschäften oder Marken unterhalb der Divisionsebene" zu trennen. Der Konzern hat bereits einige Marken in der Sparte Consumer Health verkauft und sich in diesem Jahr vom Tiermedizin-Geschäft getrennt.

Die Dividendenpolitik soll dagegen beibehalten werden: Weiter sollen jedes Jahr 30 bis 40 Prozent des bereinigten Ergebnisses je Aktie ausgeschüttet werden. Dabei würden die Ausschüttungen in den kommenden Jahren aber am unteren Ende der Spanne erwartet.

ts/rtr