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US-Ministerium gibt grünes Licht Bayer ist bei Monsanto am Ziel

Stand: 30.05.2018, 08:09 Uhr

Die letzte Hürde ist genommen: Die US-Behörden haben die Monsanto-Übernahme abgenickt, die größte Übernahme der Firmengeschichte. An der Börse sorgt das für Freude.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre
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Die Bayer-Aktie reagierte bereits im gestrigen nachbörslichen Handel mit einem Anstieg um fast anderthalb Prozent. Es war die entscheidende Hürde, die der amerikanischen Behörden: Sie machten den Weg frei für die milliardenschwere Übernahme des US-Saatgutriesen. Das US-Justizministerium genehmigte am Dienstag den Mega-Kauf unter Auflagen. "Mit der Freigabe des Department of Justice stehen wir jetzt kurz vor dem Ziel", sagte Bayer-Chef Werner Baumann.

Zwar muss der Deal noch von Mexiko und Kanada abgesegnet werden, aber Bayer erwartet auch diese Genehmigungen in Kürze. Von zahlreichen wichtigen Kartellbehörden wie der EU-Kommission und den Wettbewerbshütern aus Brasilien, China und Russland hatte Bayer bereits unter Auflagen grünes Licht erhalten.

Kapitalerhöhung voraus

Analysten äußerten sich durch die Bank positiv. Die Schweizer Großbank UBS, die die Bayer-Aktie zum Kauf empfiehlt, erhöhte sogar ihr Kursziel von 120 auf 130 Euro. Das US-Analysehaus Bernstein erneuerte seine "Outperform"-Einschätzung mit einem Kursziel von 120 Euro. Goldman Sachs blieb bei seiner Kaufempfehlung mit Kursziel 125 Euro.

Mit dem Wegfall der letzten großen Hürde dürfte der Deal noch im zweiten Quartal abgeschlossen werden, auch wenn die erzwungenen Verkäufe von Geschäftsanteilen an BASF noch nicht abgeschlossen seien, schrieb Analyst Jeremy Redenius von Bernstein. Sollte die bald folgende Kapitalerhöhung ebenfalls erfolgreich sein, dürften die Fortschritte als Kurstreiber fungieren. Goldman Sachs erwartet eine Kapitalerhöhung im niedrigen bis mittleren einstelligen Milliarden-Euro-Bereich.

Weltweit die Nummer eins

Bayer steigt mit der Monsanto-Übernahme zum weltgrößten Anbieter von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut auf. Den Abschluss der Transaktion erwarten die Leverkusener in Kürze. Ein Bayer-Sprecher sagte, der Umfang der von den USA verlangten Veräußerungen entspräche im Wesentlichen den bereits kommunizierten Verkäufen.

Bayer-Chef Werner Baumann

Bayer-Chef Werner Baumann. | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Um die kartellrechtlichen Freigaben zu erhalten, hatte Bayer schon den Verkauf von Geschäften mit einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro für insgesamt 7,6 Milliarden Euro an den Chemiekonzern BASF zugesagt. Die Veräußerungen an BASF würden alle Wettbewerbsbedenken aus dem Weg räumen, erklärte das US-Justizministerium. Bayer muss sich damit aber von mehr Firmenteilen trennen als gedacht und deshalb auch Abstriche bei den erwarteten Einspareffekten durch den Zukauf machen, wie der Vorstand kürzlich eingeräumt hatte. Gleichwohl hatte Baumann die 62,5 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Monsanto Ende vergangener Woche auf der Hauptversammlung verteidigt: "Der Erwerb ist heute genauso attraktiv, wie wir diesen vor zwei Jahren beurteilt haben."

BASF übernimmt Geschäftsteile

Die EU-Kommission entschied derweil am Dienstag, BASF als den geeigneten Käufer für alle von Bayer zu veräußernden Geschäfte anzuerkennen. Mit der Integration von Monsanto kann Bayer gemäß den Auflagen des US-Justizministeriums starten, sobald BASF den Erwerb der von Bayer abgegebenen Geschäfte vollzogen hat. Damit rechnen die Leverkusener in zwei Monaten.

Für Bayer ist es nicht nur der größte Zukauf in der Firmengeschichte, es ist auch die bislang teuerste Übernahme eines deutschen Unternehmens. Auf die Freigabe aus den USA könnte zeitnah nun auch die zur Finanzierung des Deals noch nötige Kapitalerhöhung folgen. Zum genauen Zeitpunkt und Umfang hatte sich das Management auf der Hauptversammlung aber nicht äußern wollen. Bayer hatte kürzlich mit Singapurs Staatsfonds Temasek einen neuen Großaktionär gewonnen. Temasek verpflichtete sich, 31 Millionen neue Bayer-Aktien zu einem Bruttoemissionspreis von insgesamt drei Milliarden Euro zu zeichnen. Die Erlöse sollen nach früheren Angaben von Bayer bei der Kapitalerhöhung berücksichtigt werden.

rtr/rm/bs