Bayer-Logo und Roundup-Packung, Glyphosat
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Bayer strebt angeblich Vergleich an Hoffnung auf Glyphosat-Deal treibt Bayer-Aktie

Stand: 09.08.2019, 15:37 Uhr

Schon den dritten Tag in Folge haussiert die Bayer-Aktie. Einem Medienbericht zufolge will der Dax-Konzern mit einem milliardenschweren Vergleich den juristischen Streit um Glyphosat in den USA beenden. Solch einen Vorschlag habe es jedoch nicht gegeben, betonte nun ein Vermittler.

Um den juristischen Auseinandersetzungen vor Gericht aus dem Weg zu gehen, schlage der Agrarchemie- und Pharmakonzern eine Zahlung von bis zu acht Milliarden Dollar (7,15 Milliarden Euro) vor, berichtete die Finanzagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf eine mit den Verhandlungen vertraute Person. Ein Bayer-Sprecher wollte das zunächst nicht kommentieren.

Nun äußerte sich der im Glyphosat-Streit eingesetzte Mediator Ken Feinberg in einer E-Mail: "Eine solche Erklärung ist reine Fiktion", so Feinberg: "Kompensationen sind in den bisherigen globalen Mediationsgesprächen noch nicht einmal angesprochen worden."

Obwohl sich eine Lösung noch Monate hinziehen könnte, wäre ein Vergleich ein Befreiungsschlag. Das sehen wohl auch die Anleger so. Die Aktie des Pharmaunternehmens schoss nach der Bloomberg-Meldung am Freitagmorgen zeitweise um bis zu elf Prozent auf rund 70 Euro nach oben - der höchste Stand seit Anfang März. Am Vormittag lag das Papier einsam an der Spitze im Dax, ehe es im Laufe des Tages einen großen Teil der Kursgewinne wieder abgeben musste.

Bernstein-Analyst Gunther Zechmann sprach von einem Schritt in die richtige Richtung. Er befürworte eine Einigung, die den Unsicherheitsabschlag von der Aktie nehmen und eine saubere Aufteilung von Bayer ermöglichen würde.

Höhe der Zahlungen geringer als erwartet?

Die von Bloomberg genannten acht Milliarden Dollar wären deutlich weniger, als viele Analysten auf dem Zettel haben. Analyst Markus Mayer von der Baader Bank ging zuletzt davon aus, dass eine Einigung im Bereich um die 15 bis 20 Milliarden Euro positiv für die Aktie wäre.

Analyst Michael Leacock von der Bank Mainfirst hatte jüngst mit einer Summe von etwa zehn Milliarden Euro kalkuliert. Allerdings könne in einem gewissen Maße Versicherungsschutz für diese Rechtsrisiken bestehen, so dass die zu zahlende Summe unter dem Strich geringer ausfallen könnte. Zudem seien Vergleichskosten steuerlich absetzbar, so Leacock.

Bayer-CEO Werner Baumann

Bayer-Chef Werner Baumann. | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon, Montage: boerse.ARD.de

In den vergangenen Tagen hatten Investoren bereits die Verschiebung eines für August angesetzten Glyphosat-Prozesses als Hinweis auf fortschreitende Vergleichsverhandlungen interpretiert. Der Druck auf Konzernchef Werner Baumann war in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen, weil Bayer bereits drei Verfahren um Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter mit Schadensersatzforderungen verloren hatte - jeweils im zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich.

Trotz der jüngsten Erholung - bedingt auch durch den überraschend hohen Verkaufspreis für den Anteil am Chemiepark-Betreiber Currenta sowie der Nachricht des nächsten großen Spartenverkaufs - notieren die Papiere immer noch rund 28 Prozent tiefer als vor der ersten Prozessschlappe vor einem Jahr.

18.400 Kläger in den USA

Glyphosat-haltiges Monsanto-Unkrautvernichtungsmittel Roundup

Unkrautvernichtungsmittel Roundup. | Bildquelle: picture alliance / NurPhoto

In den USA sehen sich die Leverkusener einer Klagewelle wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Unkrautvernichters Glyphosat gegenüber. Die 18.400 Kläger hatte sich Bayer mit der 63 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Entwicklers Monsanto ins Haus geholt.

Viele Experten gehen letztlich von einem milliardenschweren Vergleich aus. Dabei bekommt das Management Druck vom Hedgefonds Elliott, der rund zwei Prozent an Bayer hält. Und auch andere Anteilseigner laufen Sturm.

B5-Moderatorin Yvonne Unger
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B5 Börse 15.14 Uhr: Geld in Glyphosat-Gesprächen bislang nicht thematisiert

Baumann hatte erst Ende Juli öffentlich einen Vergleich in Betracht gezogen, um der Klagewelle Herr zu werden. Dafür hatte er in einer Telefonkonferenz mit Analysten allerdings zwei Bedingungen genannt. Einen Vergleich werde das Unternehmen nur in Betracht ziehen, wenn sich dieser in einem vernünftigen finanziellen Rahmen bewege und damit der gesamte Rechtsstreit endgültig beigelegt werden könne. Bayer sei aber weiter entschlossen, sich entschieden zu Wehr zu setzen.

tb