Bayer-Logo und Roundup-Packung, Glyphosat

Aktie kaum bewegt Bayer: Große Fortschritte bei Glyphosat-Vergleich

Stand: 25.09.2020, 09:50 Uhr

Bayer kommt offenbar bei der Bewältigung seiner Glyphosat-Rechtskonflikte in den USA voran. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern berichtete von deutlichen Fortschritten bei den Verhandlungen um einen "ganzheitlichen Vergleich".

Die Streitigkeiten um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat hatte Bayer sich mit der Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto 2018 aufgehalst. Das Unternehmen würde die vielen US-Klagen am liebsten auf einen Schlag durch einen großen Vergleich aus der Welt schaffen.

Aktuell scheinen sich die Aussichten für Bayer zu verbessern. Der Mediator Ken Feinberg sagte am Donnerstag, sein "Optimismus kenne keine Grenzen". Er erwarte, dass auch die nächsten Fälle, die vor Gericht kommen sollen, bald mit Vergleichen beigelegt werden könnten.

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Deal or no Deal?

Der zuständige US-Bezirksrichter Vince Chhabria sagte nun bei einer Anhörung, er werde das Verfahren bis zum 2. November vorübergehend aussetzen. Bayer und die Klägeranwalte sollten sich dann wieder zum Stand der Dinge äußern. Anwälte von Bayer und der Kläger erklärten, man mache bei den Glyphosat-Vergleichen Fortschritte. Bislang habe man verbindliche Vereinbarungen getroffen, um etwa 45.000 der 125.000 eingereichten und nicht eingereichten Ansprüche zu lösen. Das Unternehmen habe Vergleiche mit allen Kanzleien abgeschlossen, die Klagen vor Gericht gebracht hätten.

Zuvor hatte es bei den Vergleichsverhandlungen Probleme gegeben. Vor einigen Wochen hatte der zuständige Richter angedroht er werde den Glyphosat-Prozess fortsetzen lassen, sollte es nicht bald Fortschritte geben. Er war ausgesetzt worden, um den Streitparteien Zeit für Gespräche zu geben. Der Konzern hatte sich eigentlich schon Ende Juni den Befreiungsschlag beim Thema Glyphosat erhofft und einen fast 11 Milliarden US-Dollar schweren Deal zur Beilegung des Streits angekündigt. Allerdings hatten dem nicht alle Kläger zugestimmt.

Glyphosat-haltiges Monsanto-Unkrautvernichtungsmittel Roundup

Monsanto-Unkrautvernichtungsmittel Roundup. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Probleme mit künftigen Fälle

Zudem störte sich das Gericht an einem gesonderten Teil der Vereinbarung, der mögliche künftige Fälle abdecken sollte. Der Umgang mit künftigen Glyphosat-Klagen ist ein entscheidender Bestandteil der Vergleichsvereinbarungen. Innerhalb des Vergleichspaketes sind dafür 1,25 Milliarden Dollar reserviert. Der Vorschlag zum Umgang mit möglichen künftigen Klagen war ins Wanken geraten, nachdem das US-Gericht daran Zweifel geäußert hatte.

Die Vereinbarung sah unter anderem die Einrichtung eines unabhängigen Wissenschaftsgremiums vor, das entscheiden sollte, ob und zu welchen Mengen der glyphosathaltige Unkrautvernichter Roundup - der seit der Übernahme von Monsanto zur Bayer-Produktpalette gehört - Krebs verursacht. Bayer zog darauf Anfang Juli seinen Antrag auf vorläufige Genehmigung dieser Vereinbarung zurück.

ts