Justizia-Figur vor US-Flagge

Geschworene macht Druck Glyphosat-Urteil: Wird es für Bayer doch teurer?

Stand: 09.07.2019, 08:34 Uhr

In das Berufungsverfahren im zweiten Glyphosat-Urteil in den USA hat sich nun ein Jury-Mitglied eingeschaltet. Die Geschworene will unbedingt verhindern, dass der Richter die Schadenersatzsumme reduziert.

Per Brief forderte sie den Richter auf, an der ursprünglich gegen Bayer verhängten Schadenersatzsumme festzuhalten. Das geht aus Gerichtsdokumenten hervor. Bayer beschuldigte die Geschworene der Befangenheit und forderte den Richter auf, deren Brief bei seiner Entscheidungsfindung nicht zu berücksichtigen.

Ursprüngliches Urteil: 80 Millionen Dollar Schadenersatz

Die Geschworene hatte zusammen mit anderen Jury-Mitgliedern eines Bundesgerichts in San Francisco Bayer im März zu 80 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt.

Bayer müsse für die Krebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman haften, der über Jahre hinweg den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup von Monsanto eingesetzt hat. Die Leverkusener hatten Monsanto 2018 für 63 Milliarden Dollar übernommen.

Ein Landwirt bringt das Pflanzenschutzmittel Glyphosat auf einem Feld aus

Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu verursachen. | Bildquelle: picture alliance / SvenSimon

Richter: Vielleicht auch nur 50 Millionen Dollar

Richter Vince Chhabria hatte vor knapp einer Woche angekündigt, dass er den von einem Geschworenengericht festgelegten Schadenersatz von 80 Millionen Dollar auf 50 Millionen oder weniger verringern wird.

"Nach der Verfassung bin ich verpflichtet, den Strafschadenersatz zu reduzieren, und es stellt sich nur die Frage um wie viel", sagte Richter Chhabria vergangene Woche in San Francisco. Bis Ende dieser Woche will Chhabria seine Entscheidung fällen.

Urteil des Obersten Gerichtshofs

Hintergrund von Chhabrias Überlegungen ist Folgendes: Die ursprünglich gegen Bayer verhängten 80 Millionen Dollar Schadenersatz setzen sich aus einer Strafschadenersatzzahlung über 75 Millionen Dollar und 5 Millionen Dollar Schadenersatz zusammen.

Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten begrenzt allerdings das Verhältnis von Straf- zu "normalem" Schadenersatz auf neun zu eins. Demnach dürfte die maximale Strafschadenersatzzahlung nur bei 45 Millionen Dollar liegen.

Ein Konzern auf der Suche nach dem verlorenen Vertrauen

Von dem Urteil Chhabrias hängt viel ab für die Bayer-Aktie. Diese war im Juni auf ein Sieben-Jahres-Tief von 52,02 Euro gefallen, konnte sich seither aber deutlich erholen auf über 60 Euro.

Sollte der Schadenersatz wider Erwarten höher als 50 Millionen Dollar ausfallen, so würde dies den jüngsten Bemühungen des Konzerns, das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, einen Bärendienst erweisen.

Zuletzt soll Vorstandschef Werner Baumann versucht haben, den Investoren wieder Mut zu machen mit der Aussicht auf eine Beilegung der Rechtstreitigkeiten um das Unkrautbekämpfungsmittel Roundup. Das berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg und berief sich dabei auf unterrichtete Kreise.

Bayer-CEO Werner Baumann

Hat viel Vertrauen verspielt: Bayer-CEO Werner Baumann. | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon, Montage: boerse.ARD.de

Ratingagentur zieht Konsequenzen

Doch vorerst müssen Investoren auch noch diese Meldung verdauen: Fitch Ratings hat Bayer von A- auf BBB+ abgestuft. Das Unternehmen ist damit nur noch zwei Stufen vom Ramsch-Status entfernt. Der Ausblick sei negativ, teilte die Ratingagentur am Montagabend mit.

Damit könnte künftig die Kapitalbeschaffung für die Leverkusener teurer werden. Mit der Abstufung reagieren die Analysten auf die zahlreichen Schadensersatzklagen gegen Bayer wegen des Unkrautvernichters Glyphosat.

ag