Bayer

Premiere unter den Dax-Konzernen Bayer führt erste Online-HV durch

Stand: 30.03.2020, 09:15 Uhr

Bayer will Geschichte schreiben. Als erstes Dax-Unternehmen plant der Pharma- und Agrarchemiekonzern eine rein virtuelle Hauptversammlung Ende April. Zudem vermelden die Leverkusener erfreuliche Studienergebnisse.

Schon jetzt ist das Mittel Xarelto ein Blockbuster mit einem Jahresumsatz von 4,1 Milliarden Euro. Nun winken zusätzliche Erlöse für den Gerinnungshemmer. So zeigte die klinische Phase-III-Studie Voyager Pad, dass das Mittel bei Patienten mit Durchblutungsstörungen in den Beinen, die sich deswegen einem Eingriff unterziehen mussten, das Risiko von Amputationen, Herzinfarkten und Schlaganfällen reduziert. Laut weiterer Daten senkt Xarelto auch das Risiko schwerer venöser Thromboembolien nach nicht-großen orthopädischen Operationen signifikant. Im Vergleich zum Konkurrenz-Wirkstoff Enoxaparin sei dieses um rund 75 Prozent niedriger. Die Daten wurden auf dem US-Kardiologiekongress ACC in Berlin am Wochenende vorgestellt.

Neue Anwendungsmöglichkeiten für Xarelto?

Somit wächst die Chance, dass das Mittel breiter eingesetzt werden könnte. Xarelto ist schon länger einer der wichtigsten Umsatztreiber im Pharmageschäft der Leverkusener und in mehreren Indikationen für Erwachsene zugelassen - wie etwa der tiefen Venenthrombose, der Prävention von Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern sowie bei Lungenembolien. Das Medikament wird außerhalb der USA von Bayer vermarktet, auf dem US-Markt selbst durch eine Tochter des US-Konzerns Johnson & Johnson. Allerdings droht bereits in wenigen Jahren der Wegfall des Patentschutzes für Xarelto, Konkurrenten könnten dann Nachahmermittel auf den Markt bringen.

Neben der Xarelto-Studie präsentierte Bayer in Berlin vor den Kardiologen auch vielversprechende detaillierte Phase-III-Studiendaten zum Hoffnungsträger Vericiguat gegen Herzinsuffizienz.

Vericiguat hat das Zeug zum nächsten Blockbuster

Analyst Wimal Kapadia von Bernstein Research hatte Vericiguat bereits vor Längerem als nächsten großen Treiber für die Wirkstoffentwicklung der Leverkusener bezeichnet. Herzinsuffizienz sei zwar ein von Pharmakonzernen hart umkämpftes Gebiet, doch hätte Vericiguat im Falle einer Zulassung gute Chancen im Wettbewerb, da es einen neuartigen Mechanismus der Behandlung von Herzinsuffizienz biete. Im Falle einer Zulassung traut der Experte dem Mittel bis 2030 einen Jahresumsatz von rund 1,5 Milliarden US-Dollar zu, wovon die Hälfte auf Bayer entfallen dürfte.

Analyst Richard Vosser von JPMorgan bewertet die Phase-III-Studiendaten indes differenzierter: Die prozentuale Senkung der Risiken für Patienten enttäusche auf den ersten Blick ein wenig im Vergleich zu Konkurrenzmitteln. Allerdings müsse bedacht werden, dass Vericiguat an viel kränkeren Patienten getestet wurde. Dennoch könnte der Vertrieb des Mittels nach einer Zulassung schwierig werden. Es werde viel Geld kosten, Ärzte darüber aufzuklären, warum der Vergleich mit traditionellen Medikamenten auf den ersten Blick täusche.

Die positiven Studienergebnisse treiben die Bayer-Aktie zum Wochenbeginn an. Sie zieht um rund zwei Prozent an. Der Dax-Titel hat auf Ein-Jahres-Sicht nur gut sechs Prozent eingebüßt - auch wegen des Rechtsstreits um das angeblich krebsverursachende Pflanzenschutzmittel Glyphosat. Seit Februar hat die Aktie allerdings auch Federn lassen müssen.

Bayer kündigt reine Online-HV an

Als erster Dax-Konzern will Bayer angesichts der Corona-Krise seine Hauptversammlung komplett online durchführen. Dabei nutzen die Leverkusener das neue Aktienrecht. "Wir begrüßen es, dass der Gesetzgeber in dieser außergewöhnlichen Lage den Weg für Online-Hauptversammlungen freigemacht hat", sagte der Vorstandsvorsitzende Werner Baumann. Üblicherweise schreibt das Aktiengesetz vor, dass Vorstand, Aufsichtsrat und Eigentümer der Unternehmen physisch zusammenkommen.

Bei Bayer sollen die Aktionäre auf der digitalen Hauptversammlung am 28. April unter anderem der vorgeschlagenen Dividende von 2,80 Euro je Aktie zustimmen. Sowohl Fragen als auch Abstimmungen können vorab - etwa per Briefwahl - eingereicht werden. Die Abstimmung ist auch am Tag selbst online noch möglich.

Ob weitere Dax-Unternehmen dem Beispiel von Bayer folgen, ist ungewiss. Noch warten die Allianz, die Münchener Rück oder auch die Deutsche Bank mit ihrer Entscheidung  ab. Mehrere Konzerne haben ihr Aktionärstreffen verschoben.

nb