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Bayer-Aktie auf Fünf-Jahres-Tief Die Angst geht um bei Bayer

Stand: 07.09.2018, 14:41 Uhr

Die Glyphosat-Angst bleibt: Nach dem Schadenersatzurteil gegen Monsanto im Glyphosat-Prozess gehen immer mehr Investoren auf Distanz zu Bayer. Zu groß erscheinen die Rechtsrisiken.

Mit Monsanto hat sich Bayer einen Mühlstein an den Hals gehängt. Vor allem wegen der schwer kalkulierbaren Risiken, die Monsantos Unkrautkiller Glyphosat mitbringt. Es ist mit rund weiteren 8.700 Klagen wegen möglicher Erkrankungen durch das Mittel zu rechnen.

Vor zwei Wochen hatte ein Gericht in Kalifornien dem krebskranken DeWayne Johnson fast 289 Millionen Dollar zugesprochen. Johnson hatte die Grünanlagen in einem Schulbezirk in Kalifornien gepflegt und häufig die glyphosathaltigen Produkte Round-up und Ranger Pro von Monsanto eingesetzt. Der Aktienkurs brach daraufhin ein. Anleger verkauften panikartig ihre Aktien. Auch wenn Bayer gegen in Berufung gehen will: Viele Beobachter werteten das Urteil wegen der vielen anhängigen Klagen als tickende Zeitbombe für den Konzern.

Wie hoch ist das Glyphosat-Risiko?

Die Aktie hatte sich gerade erst wieder erholt, da enttäuschten die Leverkusener mit ihren Quartalszahlen und ihren Jahreszielen, die nun erstmals auch den übernommenen US-Saatgutkonzern Monsanto berücksichtigen. Angepeilte Kennzahlen wie Umsatz und bereinigtes Ebitda fielen niedriger aus als von einigen Analysten erhofft.

Zwar lag das auch daran, dass wegen der deutlich verzögerten Transaktion Monsanto ausgerechnet in seiner üblicherweise stärkeren ersten Jahreshälfte nur für drei Wochen in der Bayer-Bilanz berücksichtigt werden konnte. Aber vor allem sind Anleger verunsichert, weil immer noch keine Klarheit herrscht, wie hoch das Glyphosat-Risiko wirklich ist. Für mögliche Schadensersatz-Zahlungen haben die Leverkusener offenbar kein Geld zurückgelegt, nur für die Anwaltskosten. Bayer vertritt den Standpunkt, Glyphosat sei nicht krebserregend, mehr als 800 wissenschaftliche Studien hätten das bestätigt.

Bayer-Aktie im Fall

Einige Analysten senkten nach dem Zwischenbericht von Bayer zum zweiten Quartal zwar ihre Kursziele für die Bayer-Aktie, wie etwa Barclays oder die Deutsche Bank. Im Grunde bleibt der Tenor aber positiv. Die Deutsche Bank und Goldman Sachs erneuerten sogar ihre Kaufempfehlung.

Doch Anleger bleiben auf Distanz. Die Aktie fällt immer weiter, ist heute mit über drei Prozent Wertverlust der größte Verlierer im Dax. Mit 71,66 Euro ist der tiefste Stand seit fünfeinhalb Jahren erreicht. Seit dem Glyphosat-Urteil hat die Aktie mehr als 20 Prozent ihres Werts verloren, seit Jahresbeginn beträgt der Verlust sogar gut 30 Prozent, womit Bayer zu den vier größten Dax-Verlierern gehört.

In Brasilien auf dem Index

Es sind nicht allein die vielen Klagen, die Anleger ängstigen: Das Mittel könnte auch gänzlich vom Markt verschwinden. Es steht nicht nur in den USA, sondern weltweit unter Beschuss. Jüngst hatte ein Gericht in Brasilien den Einsatz von Glyphosat auf den Feldern des südamerikanischen Landes vorerst verboten. Für Bayer ist Glyphosat mit drei Milliarden Dollar Umsatz ein großer Geldbringer. Im fusionierten Bayer-Monsanto-Konzern dürften die Unkrautvernichter zehn bis 20 Prozent des Umsatzes des Geschäftes ausmachen. Bayer-Chef Werner Baumann zeigte sich dagegen gelassen: "Das Urteil einer Jury in einem Fall ändert nicht die Bewertung der Zulassungsbehörden."

bs