Ein Landwirt bringt das Pflanzenschutzmittel Glyphosat auf einem Feld aus
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Immer mehr Klagen Bayer: Glyphosat und kein Ende

Stand: 30.10.2019, 09:09 Uhr

Der Druck auf Bayer, sich im Streit um den Unkrautvernichter Glyphosat auf einen Vergleich mit der Gegenseite zu einigen, hat weiter zugenommen.

So ist die Zahl der Kläger in den USA wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Herbizids bis Mitte Oktober auf knapp 43.000 gestiegen. Im Juli waren es noch rund 18.400. Seitdem hatten jedoch die auf solche Klagen spezialisierten Kanzleien Fernsehwerbung geschaltet, weil sich zuletzt abzeichnete, dass es zu einem Vergleich mit Bayer kommen könnte. Der dürfte die Leverkusener Milliarden kosten, schätzen Experten.

Weitere Verhandlungen stehen erst im Januar an. Der Leiter des Agrargeschäfts, Vorstandsmitglied Liam Condon, hatte sich vor kurzem zuversichtlich gezeigt, den Streit um den Unkrautvernichter "früher oder später" beizulegen.

Mediator eingeschaltet

Die letzten drei angesetzten Glyphosat-Prozesse in den USA waren zuletzt allesamt verschoben worden. Der Mediator Ken Feinberg versucht, eine außergerichtliche Einigung zwischen Bayer und US-Klägern zu erreichen. In den Mediationsprozess will sich Bayer "konstruktiv" einbringen, wie das Unternehmen bekräftigte.

Bislang hat der Konzern in den USA drei Prozesse in erster Instanz verloren und wurde von den Geschworenen zu hohen Schadenersatzzahlungen verurteilt. Der Konzern hat die Vorwürfe gegen Glyphosat stets zurückgewiesen und darauf verwiesen, dass Zulassungsbehörden weltweit das Herbizid bei sachgemäßer Anwendung als sicher bewerten.

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Die Klagewelle hat sich Bayer mit der milliardenschweren Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto ins Haus geholt, der Glyphosat entwickelt hat. Mit dem Zukauf wurde das Agrargeschäft deutlich ausgebaut und Bayer zum weltweit größten Anbieter von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln.

Agrarbereich legt kräftig zu

Das bereinigte Ebitda in diesem Geschäftsbereich kletterte im dritten Quartal um fast ein Viertel auf 527 Millionen Euro, was höheren Preisen im wichtigen lateinamerikanischen Markt, Einsparungen und einem positiven Währungseffekt zu verdanken war.

Während Bayer in der Pharmasparte einen Ergebnisrückgang hinnehmen musste, setzte sich die Erholung im lange Zeit mauen Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten fort. Insgesamt kam Bayer in dritten Quartal auf ein bereinigtes Ergebnis von 2,29 Milliarden Euro, ein Plus von 7,5 Prozent.

Ergebnis von 11,5 Milliarden Euro angepeilt

Der Gewinn nach Steuern sank zwar um fast 64 Prozent auf 1,036 Milliarden Euro. Allerdings hatte der Verkauf von Teilen des Saatgutgeschäfts an BASF dem Dax-Konzern im Vorjahr einen Sonderertrag beschert. Der Umsatz legte um rund sechs Prozent auf 9,83 Milliarden zu, währungsbereinigt lag der Zuwachs bei gut fünf Prozent.

Für 2019 rechnet Bayer unverändert mit einem währungsbereinigten Umsatzplus von etwa vier Prozent auf rund 43,5 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis soll sich auf etwa 11,5 Milliarden belaufen. Darin hat Bayer nun den Verkauf seines Tiergesundheitsgeschäfts und seiner Anteile am Chemieparkbetreiber Currenta berücksichtigt.

lg/rtr/dpa