Männliche Hand mit einem Stapel Geldscheine vor dunklem Himmel

Nach dem Kurseinbruch Bayer: Analysten sorgen für Lichtblicke

Stand: 20.08.2018, 18:04 Uhr

Mit der Übernahme von Monsanto hat sich Bayer bisher nur Ärger eingehandelt. Schlimmer noch, die Anleger haben allein seit letzten Oktober ein Drittel ihres Investments verloren. Nun schüren erste Analysten Hoffnung auf Besserung.

Für Zuversicht sorgt vor allem eine positive Studie der Schweizer Bank Credit Suisse. Die mit der Monsanto-Übernahme erfolgte Rückorientierung von Bayer hin zur Agrochemie sei attraktiv, schrieb Credit-Suisse-Analystin Jo Walton zu Wochenbeginn. Sie lobte zudem die Fundamentaldaten der Pharmasparte und hält die Aktien im Branchenvergleich für unterbewertet.

Auch zum Thema Glyphosat hat die Expertin eine eindeutige Meinung: Die damit in Verbindung gebrachten Risiken seien übertrieben. Verschiedene Regulierungsbehörden hätten die wissenschaftlichen Studiendaten überprüft und keinen Hinweis auf eine mögliche Krebsgefahr durch den Wirkstoff gefunden.

Glyphosat bleibt wichtig

Vielmehr habe ihre eigene Analyse aufgezeigt, wie wichtig Glyphosat zur Aufrechterhaltung der weltweiten Nahrungsmittelproduktion sei. Es könnte eine globale Nahrungsmittelkrise drohen, wenn das Mittel vom Markt genommen werde.

Die UBS bleibt mit Blick ebenfalls zuversichtlich. Sie empfiehlt die Aktie weiterhin zum Kauf und das Kursziel von 130 Euro unverändert gelassen. Auch die Commerzbank hat die Einstufung für Bayer auf "Buy" mit einem Kursziel von 111 Euro belassen. Die Ungewissheit über den Ausgang möglicher Klagen sei im derzeitigen Aktienkurs des Pharma- und Chemiekonzerns mehr als eingepreist. Die Analysten glauben, dass die Börse - wie so oft in solchen Situationen - überreagiert habe. Die Bayer-Aktie war letzte Woche aus Furcht vor hohen Schadenszahlungen in den Keller gerauscht und hatte 19 Prozent verloren.

Keine neuen Sammelklagen

Die Experten weisen darauf hin, dass das erstinstanzliche Urteil aus der vergangenen Woche von Laienrichtern gefällt worden ist. Ob die Entscheidung der Geschworenen im Berufungsverfahren bestehen bleibe, sei völlig offen. Bayer dementierte zudem einen Bericht, wonach in den USA neue Sammelklagen gegen Monsanto im Zusammenhang mit dem Unkrautmittel Dicamba eingereicht worden seien. Hier geht es laut Bayer um insgesamt 37 bereits bekannte Vorfälle und Klagen, die schon ab 2016 eingereicht wurden.

Ob Bayer als Eigentümerin von Monsanto die vom Richter verhängte Strafe von 289 Millionen Dollar wird zahlen müssen, ist ebenfalls noch längst nicht sicher. Experten wie Olaf Tölke von der Ratingagentur Scope erwarten jedenfalls auf absehbare Zeit keine Zahlung. Bayer habe vor Jahren mit dem Diabetesmedikament Baycol in den USA einen ähnlichen Fall erlebt und deshalb sogar an einen Ausstieg aus dem Pharmageschäft gedacht. Am Ende sei der Schadenersatz weit geringer ausgefallen als befürchtet.

Sorge vor unentdeckten Risiken

Glyphosat-haltiges Monsanto-Unkrautvernichtungsmittel Roundup

Monsanto-Unkrautvernichtungsmittel. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Dennoch bleibt die Sorge vor weiteren Schadensersatzforderungen groß. Auch will niemand ausschließen, dass Bayer in den internen Unterlagen von Monsanto nicht doch auf unerwartete Risiken und böse Überraschungen stoßen werde? "Das ist nicht zu hoffen“, sagt Markus Manns, Fondsmanager bei Union Investment. "Doch es bleibt eine Tatsache, die Sorgen bereitet.“

Rücklagen für Rechtsrisiken hat Monsanto jedenfalls kaum gebildet: Im letzten Quartalsbericht von April 2018 wies das Unternehmen Rückstellungen von insgesamt 254 Millionen aus, ohne einzelne Positionen wie die Glyphosat-Klagen auszuweisen.

lg