Mitarbeiter in einem Labor von Bayer Material Science
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Jahresausblick angehoben Bayer-Aktie rutscht weiter ab

Stand: 05.09.2018, 18:32 Uhr

Die Milliarden-Übernahme von Monsanto gibt Bayer vorerst neuen Schub: Der Dax-Konzern erhöhte den Ausblick für das Gesamtjahr. Im zweiten Quartal war der Beitrag von Monsanto noch gering. Anleger sehen mehr Schatten als Licht. Die Bayer-Aktie fällt zurück.

Im Zeitraum von April bis Juni steigerten die Leverkusener den Umsatz stärker als erwartet um 8,8 Prozent auf 9,48 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebitda erhöhte sich um 3,9 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Ohne den starken Euro wäre es mehr gewesen.

Unter dem Strich verdiente der Konzern 799 Millionen Euro - rund ein Drittel weniger als vor einem Jahr. Damals floss aber auch noch die ehemalige Kunststofftochter Covestro ins Ergebnis ein, die mittlerweile verkauft ist.

Agrarsparte ausgebaut

Der übernommene Saatgutriese Monsanto beflügelte vor allem die Agrarsparte. Crop Science konnte das Ergebnis nahezu verdoppeln. Im Vorjahresquartal hatten noch Probleme im wichtigen Markt Brasilien das Geschäft in dem Bereich belastet.

Monsanto wurde in der Quartalsbilanz allerdings nur für die letzten drei Wochen des Quartals berücksichtigt. Insofern war vom neuen Bayer-Konzern noch nicht viel zu sehen.

Umsatzschub fürs Gesamtjahr

Für den Ausblick auf das Gesamtjahr jedoch hat Monsanto großen Einfluss. Dank des erwarteten Beitrags von mehr als fünf Milliarden Euro rechnet der Pharma- und Agrarchemiekonzern nun mit mehr Umsatz und Gewinn. Für 2018 peilt Bayer nun inklusive Monsanto Erlöse von mehr als 39 Milliarden Euro an. Dabei ist wegen des Verkaufs von Geschäftsteilen an den Rivalen BASF auch eine Umsatzminderung von rund einer Milliarde Euro berücksichtigt.

Das bereinigte Ergebnis soll im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen. Bisher hatte Bayer mit einem Rückgang im unteren einstelligen Prozentbereich gerechnet. Wegen des erst Anfang Juni abgeschlossenen Monsanto-Deals hatte Bayer die Veröffentlichung der Quartalsbilanz auf September verschoben.

Ab 2019 erwartet Bayer einen positiven Beitrag von Monsanto zum bereinigten Ergebnis je Aktie, der von 2021 an im zweistelligen Prozentbereich liegen soll. Ab 2022 an sind dann jährliche Beiträge zum Ebitda sowie vor Sondereinflüssen aus Einsparungen im Zuge des Deals in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar geplant.

Fast 9.000 Glyphosat-Klagen

Allerdings bringt Monsanto auch enorme Rechtsrisiken mit. Bayer muss sich nach der Übernahme von Monsanto in den USA mit rund 8.700 Klagen wegen möglicher Erkrankungen durch das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat auseinandersetzen. "Mit weiteren Klagen ist zu rechnen", teilte das Leverkusener Unternehmen am Mittwoch im Quartalsbericht fest. Der Konzern kündigte an, er werde sich "in all diesen Verfahren entschieden zur Wehr setzen".

Einige Anleger fragen sich nun, wie hoch die Rückstellungen von Bayer für die Verteidigungskosten in Sachen Glyphosat ausfallen. Für mögliche Schadensersatz-Zahlungen haben die Leverkusener offenbar noch kein Geld zurückgelegt. Mehr als 800 wissenschaftliche Studien hätten bestätigt, dass Glyphosat nicht krebserregend sei, betont Bayer.

Bayer-Aktie fällt weiter

Die Quartalszahlen und die Anhebung des Ausblicks können der Bayer-Aktie keinen Schub geben. Im frühen Handel fiel der Dax-Titel um mehr als drei Prozent zurück, bevor er wieder etwas Boden gutmachen konnte. Seit Jahresanfang haben die Papiere gut ein Fünftel an Wert verloren. Die dreistellige Millionenstrafe, zu der ein US-Gericht die neue Bayer-Tochter wegen angeblich verschleierter Gefahren des Unkrautvernichters Glyphosat verteidigte, riss die Bayer-Aktie Mitte August bis auf ein mehrjähriges Tief bei 75,50 Euro nach unten.

nb