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Größte Neuemission an Wiener Börse Börsendebut von Bawag enttäuscht

Stand: 25.10.2017, 15:21 Uhr

Fehlstart für die Bawag Group an der Wiener Börse: Die Aktien der viertgrößten österreichischen Bank eröffneten den Handel unter dem Ausgabepreis und zeigten sich auch bis zum Nachmittag nicht als Schmankerl.

Der Preis von 48 Euro sei "etwas ambitioniert" festgesetzt worden, sagte Fondsmanager Alois Wögerbauer von der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft. Deshalb habe er bei der größten Emission in der Geschichte der Wiener Börse nicht zugegriffen.

Bawag-Aktie ab Freitag im ATX

Dabei wurde der Bawag-Kurs noch gestützt von der Aussicht des Einzugs der Aktie in den österreichischen Leitindex ATX. Schon am Freitag ersetzt sie unter den 20 Unternehmen an der Wiener Börse die Papiere des Industriezulieferers RHI, der nach der Fusion mit der brasilianischen Magnesita an die Londoner Börse abwandert. "Die direkte Aufnahme in den Leitindex bringt von Beginn an maximale Aufmerksamkeit für die Aktie", sagte der Chef der Wiener Börse, Christoph Boschan.

Der ATX wird damit noch bankenlastiger. Die Erste Group, Raiffeisen Bank International und die Versicherer Uniqa und Vienna Insurance machten schon vorher nahezu ein Drittel des Indexgewichts aus. Die Bawag allein kommt auf vier Prozent, was ihr zu einem rapiden Aufstieg verhilft.

Größter Börsengang in Österreich

Bawag-Chef Anas Abuzaakouk und Börsen-Vorstand Boschan läuteten gemeinsam die Börsenglocke. Mit einem Volumen von bis zu 1,93 Milliarden Euro ist es der größte Börsengang in Österreich überhaupt. Seit 2007 hatte der Baukonzern Strabag mit gut 1,3 Milliarden Euro den Rekord gehalten.

Knapp 40 Prozent der Bawag-Aktien sind künftig im Streubesitz, wenn sich der Kurs stabilisiert und die Platzierungsreserve von gut fünf Millionen Aktien nicht dazu gebraucht wird, um die Aktie in den nächsten Wochen zu stützen.

Die Altaktionäre um den US-Finanzinvestor Cerberus kassieren am Ende zwischen 1,68 Milliarden und 1,93 Milliarden Euro. Die Bawag selbst geht leer aus.

Finanzinvestoren trimmten die Bank auf Rendite

Cerberus und Golden Tree hatten das Geldhaus 2007 für 3,2 Milliarden Euro gekauft. Zum Ausgabepreis wird die Bawag nun mit 4,8 Milliarden Euro bewertet. Der Eigentümer hatte die Bank auf Effizienz und Rendite getrimmt. "Die Kennzahlen der Bawag sind gut, das ist völlig unstrittig", sagte Fondsmanager Wögerbauer. "Aber als Neuaktionär kaufe ich die Ertragserwartung in der Zukunft. Und da ist die Frage, ob auch in Zukunft von diesem Niveau noch Gewinnsteigerungen möglich sind."

Sprung nach Deutschland geschafft

Das 130 Jahre alte Institut hat seine Wurzeln in der gewerkschaftsnahen Bank für Arbeit und Wirtschaft (Bawag) und in der Postsparkasse P.S.K. Die Kooperation mit der Post soll aber zum Jahresende gekündigt werden.

Die Bank kommt auf eine Bilanzsumme von 40 Milliarden Euro und zählt mehr als 2,2 Millionen Kunden. Vor dem Börsengang hatte die Bawag mit dem Kauf der Stuttgarter Südwestbank den Sprung nach Deutschland geschafft und hält dort nun Ausschau nach weiteren Gelegenheiten.

rtr /mmr