Blick bei Nacht über den Rhein auf das BASF-Werk Ludwigshafen

Mehr Risiken BASF sieht dunkle Wolken am Horizont

Stand: 25.07.2019, 08:05 Uhr

Der Chemiekonzern BASF stellt sich auf schwerere Zeiten ein. Vorstandschef Martin Brudermüller spricht von weltweiten Risiken. Besonders die Autoindustrie, der wichtigste Kunde der Ludwigshafener, bereitet Sorgen.

Die Autoindustrie werde sich in diesem Jahr nicht mehr erholen, prophezeit Brudermüller. "Kunden in allen Industrien sind derzeit sehr vorsichtig mit Vorhersagen und Bestellungen. Unsere eigene Sicht auf die Nachfrageentwicklung ist ebenfalls sehr eingeschränkt."

BASF erwartet nun, dass die weltweite Industrie- und Chemieproduktion in diesem Jahr nur um rund 1,5 Prozent wächst. Bisher war der Vorstand von fast doppelt so starken Zuwächsen ausgegangen. Bereits vor ein paar Wochen hatte der Konzern seine Ziele für dieses Jahr deshalb nach unten korrigiert.

Niedrigere Margen, geringere Mengen

Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) soll 2019 um bis zu 30 Prozent fallen statt um ein bis zehn Prozent zulegen. Im zweiten Quartal ging diese Kennziffer um fast die Hälfte auf 1,05 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz sank um vier Prozent auf 15,16 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür waren vor allem Einbußen im Geschäft mit Basischemikalien.

Die Geschäfte in den Sparten hätten niedrigere Margen eingebracht, außerdem seien die Mengen gesunken, erläuterte Brudermüller. Um Kosten zu sparen und fitter zu werden für die Zukunft, streicht BASF in den kommenden zwei Jahren weltweit 6.000 Stellen, die Hälfte davon in Deutschland. Im ersten Halbjahr hätten bereits über 1.100 Mitarbeiter am Stammsitz Ludwigshafen Abfindungsangebote angenommen.

Umbau geht voran

Der seit mehr als einem Jahr amtierende BASF-Chef baut den Konzern um. 2018 stärkte er vor allem das Agrarchemiegeschäft, indem er für mehrere Milliarden Euro vom Rivalen Bayer bestimmte Pflanzenschutzmittel und verschiedene Saatgut-Arten erwarb, die dieser im Zuge der Monsanto-Übernahme abgeben musste. Gleichzeitig trennt sich BASF von Geschäftsbereichen. So haben die Ludwigshafener gerade ihre Kasseler Öl- und Gastochter Wintershall mit dem Konkurrenten Dea fusioniert.

Im kommenden Jahr soll das Unternehmen an die Börse gebracht werden. Neben Wintershall stehen auch andere Geschäftsteile auf dem Prüfstand. So will sich der Dax-Konzern von seinem Bauchemiegeschäft trennen. Vor Jahresende soll eine Vereinbarung stehen. Auch vom Pigmentgeschäft verabschiedet sich das Unternehmen. Ziel ist es, eine Transaktion spätestens im Jahr 2020 abzuschließen.

lg/dpa/rtr