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"Nicht so ungewöhnlich" BASF hält an Dividendenzahlung fest

Stand: 19.08.2019, 11:29 Uhr

Trotz jüngster Gewinnwarnungen will der Dax-Konzern die Ausschüttung an seine Aktionäre perspektivisch anheben. Da BASF keine schnelle Erholung erwartet, soll der Umbau beschleunigt werden. Stillstand sei keine Option, so Konzernchef Brudermüller.

"Wir wollen die Dividende nicht nur mindestens halten, sondern kontinuierlich steigern", sagte Brudermüller dem "Handelsblatt". Er verwies dabei auf die Finanzkraft und die Zuverlässigkeit des Dax-Konzerns. Es habe auch schon in der Vergangenheit Jahre gegeben, in denen BASF mehr als den Free Cash Flow ausgeschüttet habe. "Das in einem schwierigen Jahr mal zu machen, ist nicht so ungewöhnlich", betonte Brudermüller.

Zu Handelsbeginn legte die BASF-Aktie am Montag um bis zu zwei Prozent zu. Im Laufe des Vormittags gab sie einen Teil der Gewinne wieder ab. In der vergangenen Woche war das Papier auf Xetra noch auf den niedrigsten Stand seit rund sieben Jahren gerutscht. Seit dem Rekordhoch Anfang 2018 verlor der Dax-Titel etwa 40 Prozent an Wert.

BASF-Chef erwartet keine schnelle Erholung der Autoindustrie

Die aktuelle Schwäche der BASF begründete Brudermüller mit der "deutlichen Verlangsamung des Wachstums, insbesondere in der Autoindustrie". Hinzu komme der schwerwiegende Handelskonflikt zwischen den USA und Peking, der das Asien- und Chinageschäft belaste.

Martin Brudermüller, BASF

BASF-Chef Martin Brudermüller. | Bildquelle: Unternehmen

Die Autoindustrie werde sich in diesem Jahr nicht mehr erholen, prophezeite Brudermüller schon vor wenigen Wochen. "Kunden in allen Industrien sind derzeit sehr vorsichtig mit Vorhersagen und Bestellungen. Unsere eigene Sicht auf die Nachfrageentwicklung ist ebenfalls sehr eingeschränkt."

BASF erwartet, dass die weltweite Industrie- und Chemieproduktion in diesem Jahr nur um rund 1,5 Prozent wächst. Bisher war der Vorstand von fast doppelt so starken Zuwächsen ausgegangen. Bereits vor ein paar Wochen hatte der Konzern seine Ziele für dieses Jahr deshalb nach unten korrigiert. "Ich denke, die Investoren haben die Gründe für die schwächere Performance und Prognose ganz gut verstanden", so der BASF-Boss weiter.

Umbau beschleunigt

BASF-Stammwerk in Ludwigshafen

BASF-Stammwerk in Ludwigshafen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Vor diesem Hintergrund habe das Management die Neuausrichtung des Konzerns beschleunigt. "Ich glaube, jedem in der BASF ist heute klar, dass sich etwas ändern muss. Stillstand ist angesichts der neuen Herausforderungen keine Option." Um Kosten zu sparen und fitter zu werden für die Zukunft, streicht BASF in den kommenden zwei Jahren weltweit 6.000 Stellen, die Hälfte davon in Deutschland. Im ersten Halbjahr hätten bereits über 1.100 Mitarbeiter am Stammsitz Ludwigshafen Abfindungsangebote angenommen.

Der seit mehr als einem Jahr amtierende BASF-Chef baut den Konzern um. 2018 stärkte er vor allem das Agrarchemiegeschäft, indem er für mehrere Milliarden Euro vom Rivalen Bayer bestimmte Pflanzenschutzmittel und verschiedene Saatgut-Arten erwarb, die dieser im Zuge der Monsanto-Übernahme abgeben musste. Gleichzeitig trennt sich BASF von Geschäftsbereichen. So haben die Ludwigshafener gerade ihre Kasseler Öl- und Gastochter Wintershall mit dem Konkurrenten Dea fusioniert.

tb/dpa