Türme der Deutsche Bank und Commerzbank bei Nacht
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Gespräche abgebrochen Bankenfusion gescheitert

Stand: 25.04.2019, 18:36 Uhr

Die Fusionsgespräche zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank sind gescheitert, wie die Geldhäuser am Vormittag mitteilten. Die Anleger reagieren zunächst unterschiedlich, doch am Nachmittag gibt es nur noch Verlierer.

Die Deutsche Bank begründete den Abbruch der Gespräche damit, dass ein Zusammenschluss mit der Commerzbank "keinen ausreichenden Mehrwert bieten würde - auch mit Blick auf die Umsetzungsrisiken, Restrukturierungskosten und Kapitalanforderungen, die mit einer solch großen Integration einhergehen". Daher hätten beide Banken entschieden, die Gespräche nicht fortzusetzen.

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing sagte: "Für uns war von Anfang an klar: Mit einem Zusammenschluss müssten wir höhere und nachhaltigere Renditen für unsere Aktionäre erreichen und die Leistungen für unsere Kunden verbessern können." Dieses Ziel wäre wohl durch eine Fusion nicht zu schaffen gewesen.

"Zusammen nicht besser als alleine!"

Markus Gürne
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Ausgeträumt!

Sewing verteidigte die Fusionsgespräche mit der Commerzbank. Die Verhandlungen über einen Zusammenschluss mit dem Lokalrivalen bezeichnete er in einem Vorabbericht der "Bild"-Zeitung vom Freitag als "historische Chance", die aber zu keinem überzeugenden Plan geführt hätten. "Wir als Deutsche Bank hätten mit der Commerzbank besser sein müssen als alleine. Und das ist eben nicht so", sagte Sewing.

Wird DWS doch nicht abgespalten?

Offenbar soll die Fondsgesellschaft DWS zunächst nicht abgespalten werden. "Die DWS gehört zum Kerngeschäft der Deutschen Bank", sagte Finanzvorstand James von Moltke am Nachmittag.

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Zuletzt war immer klarer geworden, dass es womöglich zu viele Hindernisse für ein Zusammengehen der beiden Banken gibt. So lehnten Großanleger der Deutschen Bank wie der Vermögensverwalter Blackrock die Fusion offen ab, weil sie strategisch keinen Sinn ergebe. Auch die Gewerkschaften hatten wegen des befürchteten Abbaus von mehreren Zehntausend Stellen gegen einen Zusammenschluss gekämpft.

Übernahmeprämie wohl zu hoch

Probleme bereitete offenbar auch die Finanzierung der Transaktion. Insidern zufolge war die Deutsche Bank nicht bereit, die bei solchen Deals übliche Übernahmeprämie von 20 bis 30 Prozent zu zahlen. Am Finanzplatz Frankfurt waren die Chancen auf eine Fusion oder Übernahme der kleineren Commerzbank durch die Deutsche Bank lange als 50 zu 50 bewertet.

Vor allem Commerzbank-Chef Martin Zielke galt als Befürworter einer Kombination der beiden Frankfurter Häuser. Auch der Bund als größter Aktionär der Commerzbank hatte das Projekt vorangetrieben. "Es war sinnvoll, diese Option einer innerdeutschen Konsolidierung zu prüfen", erklärte Zielke.

Deutsche Bank gibt vorläufige Quartalszahlen bekannt

Die Deutsche Bank will nun "alle Alternativen prüfen, um langfristig die Profitabilität und die Renditen für ihre Aktionäre zu steigern". Für das erste Quartal 2019 erwartet das Geldhaus einen Vorsteuergewinn von etwa 290 Millionen Euro und einen Gewinn nach Steuern von rund 200 Millionen Euro, nachdem im gleichen Vorjahresquartal ein Überschuss von 120 Millionen Euro erzielt worden war.

Die Erträge insgesamt werden voraussichtlich 6,4 Milliarden Euro betragen, davon 3,3 Milliarden Euro in der Unternehmens- und Investmentbank. Die Bank erwartet zinsunabhängige Aufwendungen insgesamt und bereinigte Kosten von je 5,9 Milliarden Euro. Die harte Kernkapitalquote (Common Equity Tier 1) dürfte zum Ende des Quartals etwa 13,7 Prozent betragen. Die Deutsche Bank wird ihre Ergebnisse für das erste Quartal 2019 morgen veröffentlichen.

Verlierer Commerzbank

An der Börse ruft der Abbruch der Fusionsgespräche unterschiedliche Reaktionen hervor. Während der Kurs der Deutschen Bank zunächst um bis zu drei Prozent zulegte, gab die Aktie der Commerzbank um 2,6 Prozent nach. Tatsächlich geht die Commerzbank eindeutig als Verlierer aus den Gesprächen hervor, benötigt sie doch mehr noch als die Deutsche Bank einen Partner, um in Zukunft bestehen zu können.

Konsolidierung dürfte weiter gehen

Trotz der beendeten Fusionsverhandlungen zwischen Deutscher Bank und Commerzbank erwartet der Schweizer Branchenprimus UBS eine Konsolidierung in der europäischen Bankenbranche. "Das ändert nichts daran, dass man früher oder später eine Art von Konsolidierung in der Industrie sehen wird", sagte UBS-Chef Sergio Ermotti in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

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Die gescheiterten Verhandlungen in Deutschland könnten maximal eine Verzögerung bei diesem Prozess darstellen. Ob auch UBS eine Rolle bei der erwarteten Konsolidierung spielen könnte, ließ Ermotti offen. Die Bank gehe pragmatisch an das Thema heran und müsse Wert für ihre Aktionäre schaffen. Zu einer möglichen Fusion der Asset-Management-Sparte der UBS mit der Deutsche-Bank-Tochter DWS wollte er sich nicht äußern. Das Asset Management passe jedoch gut in den UBS-Konzern, sagte Ermotti.

ING an Commerzbank interessiert

Auf die Commerzbank hat bereits die holländische ING ein Auge geworfen, wie das "Manager Magazin" berichtete. Dabei habe die Bank in Aussicht gestellt, bei einem Kauf der Commerzbank weniger Stellen abbauen zu müssen als bei einem Verkauf der Commerzbank an die Deutsche Bank. Bei Commerzbank-Chef Zielke sei sie aber abgeblitzt.

Der Deutsche-Bank-Chef hält einen Zusammenschluss mit einem anderen Partner für möglich. "Ich erwarte über die nächsten Jahre in Europa noch eine Banken-Konsolidierung. Und dabei möchte ich nicht nur zusehen, sondern auch Akteur sein", sagte er in der "Bild"-Zeitung.

lg

1/8

Stimmen zur gescheiterten Bankenfusion Von Scholz bis Wuermeling

Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister

Olaf Scholz, Finanzminister
Olaf Scholz (SPD) hat Verständnis für das Platzen der Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank gezeigt. "Solche Kooperationen machen nur Sinn, wenn sie sich betriebswirtschaftlich rechnen und auf ein belastbares Geschäftsmodell zusteuern", erklärte er am Donnerstag in Berlin. Gleichwohl brauche die global agierende deutsche Industrie "konkurrenzfähige Kreditinstitute, die sie in aller Welt begleiten können", fuhr er fort.