Banken Ausblick 2018

Ausblick 2018 Banken: Wann wird es endlich besser?

Stand: 04.12.2017, 16:52 Uhr

Seit Jahren werben Europas Banken um Geduld und versprechen ein baldiges Ende der Krise. Auf eine tatsächliche Besserung der Lage warten die Anleger bis heute vergebens. Ob sich das im nächsten Jahr ändert?

Der seit zweieinhalb Jahren amtierende Crédit-Suisse-Chef Tidjane Thiam hat den Investoren kürzlich ein baldiges Ende der Krise versprochen: "2018 soll das letzte Jahr der Restrukturierung sein." Ab 2019 werde der für Belegschaft und Aktionäre schmerzhafte Umbau beendet und die Bank endgültig wieder richtig aufgestellt sein. Für 2020 versprach Thiam sogar eine Rendite von elf bis zwölf Prozent.

Gleichzeitig stellte Thiam den Aktionären eine hohe Beteiligung an den erhofften Gewinnen in Aussicht, also steigende Dividenden. Die Anleger reagierten erfreut. Dennoch ist der Aktienkurs der Bank ein Trauerspiel. Seit Ende 2007 - also vor dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise - verlor das Papier fast drei Viertel seines Wertes. In diesem Jahr verlief der Kurs weitgehend seitwärts.

Sparen, Kosten senken, Personal abbauen

Damit befindet sich die Crédit Suisse in guter Gesellschaft. Auch die Aktienkurse der meisten anderen europäischen Großbanken sind in diesem Jahr kaum vorangekommen, einige sogar gesunken wie die Titel der britischen Barclays Bank: Sie haben 15 Prozent eingebüßt.

Hintergrund ist die schwierige Lage des gesamten Finanzgewerbes. Die Zinsen verharren auf Null, während die Kosten steigen und speziell in Deutschland herrscht ein erbitterter Wettbewerb um Kunden. Zudem müssen die Institute viel Geld in die Digitalisierung stecken, wollen sie nicht von jungen Finanzfirmen - den Fintechs - oder den Tech-Giganten aus dem Silicon Valley an die Wand gespielt werden. Für die meisten Banken heißt das Motto deshalb Sparen, Kosten senken, Personal abbauen - und sich auf bestimmte Geschäfte zu fokussieren.

Banken werben um Geduld

Hinzu kommen hausgemachte Probleme. Das gilt ganz besonders für die Deutsche Bank. Marcus Schenck, der stellvertretende Vorstandschef, formuliert es so: "Derzeit haben wir wichtige Aufgaben abzuarbeiten - die Unternehmens- und Investmentbank auf Wachstum auszurichten, unser Asset Management an die Börse zu bringen und die Postbank im Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank zusammenzuführen."

Bei der Bewältigung dieser Aufgaben kommt das Institut nur schleppend voran. So schleppend, dass Bankchef John Cryan im Herbst öffentlich in die Kritik geriet. Denn wie sein Kollege Tidjane Thiam wirbt auch Cryan seit seinem Amtsantritt im Sommer 2015 um Geduld. Wann die Aktionäre die Früchte des Umbaus ernten können, ist ungewiss. Im kommenden Jahr stehen jedoch größere Veränderungen an. Dann sollen 25 Prozent der Anteile an der Deutschen Asset Management (DAM) an die Börse gebracht werden. Geplant ist dieser Schritt im ersten Quartal.

Zäher Umbau des Investmentbankings

Auch organisatorisch wird die Abspaltung der DAM von der Konzernmutter ein Mammutprojekt. Von derzeit 2.500 soll die Zahl der Mitarbeiter auf 4.000 steigen, da etliche Abteilungen der Deutschen Bank, die bisher Arbeiten für die Fondstochter erledigen, dorthin abwandern. Gleichzeitig muss die Integration der Postbank in das Privat- und Firmenkundengeschäft voran getrieben werden.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Und nicht zuletzt steht der Umbau des Investmentbankings an, dem ertrag- und ergebnisreichsten Geschäft der Bank. Hier braucht es länger als gedacht. "Bis wir dahin kommen, wo wir sein wollen, wird es wohl noch zwei bis drei Jahre dauern", sagte der Vorstand für das Firmenkundengeschäft und das Investmentbanking, Garth Ritchie, kürzlich dem Handelsblatt.

Kommt Bewegung in den Markt?

Damit wird die Geduld der Anleger auf eine harte Probe gestellt. Doch ganz so unattraktiv, wie es scheint, sind die deutschen Banken dann doch nicht. So wurde erst Mitte November bekannt, dass der Finanzinvestor Cerberus mit drei Prozent bei der Deutschen Bank eingestiegen ist.

Was Cerberus genau plant, ist unklar. Neben der Deutschen Bank ist der Investor auch an der Commerzbank und der Südwestbank beteiligt. Zudem soll Cerberus laut Finanzkreisen für die zum Verkauf stehende HSH Nordbank geboten haben.

Für den grünen Finanzpolitiker Gerhard Schick steht fest: "In den Markt wird in nächster Zeit Bewegung kommen. Es ist ganz offensichtlich, dass Cerberus mit seinen Beteiligungen an der österreichischen Bank Bawag, an der Commerzbank und jetzt an der Deutschen Bank eine Idee für den deutschsprachigen Bankensektor verfolgt."

Keine Fusion der beiden Großbanken

Einen Zusammenschluss der beiden deutschen Großbanken halten Experten aber für unwahrscheinlich, weil sich beide noch mitten im Umbauprozess befinden. Auch John Cryan erteilte der Idee kürzlich eine Absage: Grundsätzlich spreche zwar viel für eine weitere Konsolidierung, doch eine Fusion mit der Commerzbank würde das Management überfordern. Bereits im vergangenen Jahr hatte es einen "Sommerflirt“ der beiden Institute gegeben, der aber schnell beendet wurde. Zuerst müsse man die Hausaufgaben erledigen, hieß es damals.

John Cryan, Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank

John Cryan. | Bildquelle: Unternehmen

Dennoch könnte es im kommenden Jahr Veränderungen geben - und zwar bei der Commerzbank. In Erwartung einer Übernahme oder eines Einstiegs bei dem Institut ist dessen Aktienkurs in diesem Jahr bereits um gut 70 Prozent gestiegen. Sollte sich der Bund im kommenden Jahr - wie vielfach vermutet - von seiner Beteiligung von derzeit 15 Prozent trennen, wäre das eine Gelegenheit für einen Finanzinvestor oder eine ausländische Bank bei der Commerzbank einzusteigen. Das dürfte den Kurs der zweitgrößten deutschen Bank weiter beflügeln.

Von solchen Ausnahmen abgesehen, bleibt die Bankenbranche ein Investment mit großen Fragezeichen: Nicht nur die Kurse stagnieren, auch die Dividenden fallen eher bescheiden aus, oder es erfolgt gleich gar keine Ausschüttung, wie im Fall der Commerzbank. Die derzeitige Übergangsphase der Branche eignet sich am ehesten für risikoaffine Anleger, die mittelfristig auf eine Kurserholung setzen.

lg