Hand mit Beutel und

Bafin und andere Finanzaufseher fordern: Banken sollen Dividenden streichen

Stand: 25.03.2020, 15:09 Uhr

In Europa werden die Rufe nach einem Dividenden-Stopp der Banken immer lauter. Mehrere Finanzaufseher, darunter die Bafin empfehlen den Geldinstituten, auf Ausschüttungen zu verzichten. Die größte Bank der Euro-Zone hat reagiert.

Die spanische Großbank Santander hat Anfang der Woche angekündigt, ihre geplante Zwischendividende diesmal ausfallen zu lassen. Das Geld solle genutzt werden, um Menschen und Unternehmen in Not zu helfen, begründete die größte Bank der Euro-Zone den Schritt. In Spanien sind inzwischen mehr Menschen am Coronavirus gestorben als in China.

Immer mehr Behörden und Politiker drängen Banken wegen der Corona-Krise zum Verzicht auf eine Gewinnausschüttung. Die schwedische Finanzaufsicht empfahl am Dienstag allen von ihr beaufsichtigten Banken und Kreditfinanzierern, ihren Aktionären auf den Hauptversammlungen eine Streichung der Dividende vorzuschlagen. "Ziel ist es, sicherzustellen, dass diese Unternehmen weiterhin eine gute Widerstandsfähigkeit gegen mögliche zukünftige Kreditverluste haben und weiterhin Darlehen ausreichen können."

Bafin rät von Dividenden ab

Auch die Bafin appelliert an die deutschen Banken, ihr Geld zusammenzuhalten. "Wir raten Finanzinstituten, mit vorhandenen Kapitalressourcen sehr sorgfältig umzugehen", erklärte Bafin-Präsident Felix Hufeld. Er empfiehlt den Banken, von Aktienrückkäufen Abstand zu nehmen sowie Ausschüttungen von Dividenden, Gewinnen und Boni sorgfältig abzuwägen.

Wird die Commerzbank nun ihre geplante Mini-Dividende von 15 Cent je Aktie streichen? Noch ist nichts entschieden. "Wir schauen das genau an und entscheiden dann verantwortungsvoll", sagte eine Commerzbank-Sprecherin. Vergangene Woche hatte Commerzbank-Finanzchefin Bettina Orlopp erklärt, die Bank halte an der geplanten Dividendenzahlung für 2019 fest. Dabei ließ sie aber ein Hintertürchen offen und verwies darauf, dass letztendlich die Aktionäre auf der Hauptversammlung über die Gewinnausschüttung entscheiden.

Geben Commerzbank, Aareal & Co klein bei?

Neben der Commerzbank will auch die Aareal Bank und die Deutsche Pfandbriefbank Dividenden zahlen. Die Aareal Bank hat eine Ausschüttung von zwei Euro je Aktie in Aussicht gestellt – zehn Cent weniger als für 2018, die Deutsche Pfandbriefbank plant eine um zehn Cent niedrigere Dividende von 90 Cent je Aktie. Nur die Deutsche Bank verzichtet wegen der Kosten des Konzernumbaus auf eine Dividende. Das hatte sie allerdings schon im Sommer angekündigt.

Die Haltung der Bafin sei nachvollziehbar, meinen die Aktionärsschützer der DSW gegenüber boerse.ARD.de. Aus der Corona-Krise dürfe keine Bankenkrise werden. Allerdings sei es juristisch schwierig, einen Dividenden-Beschluss zu ändern, wenn er vom Aufsichtsrat abgesegnet wurde. Nur die Hauptversammlung könne die Dividende noch kippen.

Europas Bankenlobby sucht Insidern zufolge nach einer gemeinsamen Haltung zu einer möglichen Streichung der Dividenden für die Aktionäre. Der Chef der italienischen Großbank Unicredit, Jean Pierre Mustier, der derzeit den europäischen Bankenverband EBF führt, habe die Mitglieder des Bündnisses schriftlich nach ihren Ansichten gefragt, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch und berief sich dabei auf mit der Sache vertraute Personen.

EZB-Bankaufsicht mahnt ebenfalls zur Zurückhaltung

Die Bankaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), die für die Überwachung der größten Geldhäuser in der Euro-Zone zuständig ist, hatte ebenfalls vor kurzem gemahnt, dass die Banken die Kapitalerleichterungen zur Finanzierung der Realwirtschaft nutzen sollten, nicht um die Vergütung zu erhöhen oder Dividenden auszuschütten. Gerade erst hat sie die Kreditinstitute bei den Kapitalvorschriften entlastet. So dürfen sie die Vorgaben für Kapital- und Liquiditätspuffer vorübergehend unterschreiten und bekommen mehr Luft bei der Verbuchung fauler Kredite.

Noch einen Schritt weiter als die Bafin und die schwedische Finanzaufsicht geht der französische Finanzminister Bruno Le Maire. Er riet am Dienstag allen Firmen, mit Dividendenzahlungen vorsichtig zu sein.

nb