Commerzbank im Regen
Audio

Nach dem Scheitern der Fusionsgespräche Banken: Schaffen sie es auch alleine?

Stand: 29.04.2019, 08:35 Uhr

Für Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner kommt ein Strategiewechsel bei der Investmentbank nicht in Frage - obwohl dieser erneut rote Zahlen schrieb. Auch Commerzbank-Chef Martin Zielke gibt sich trotzig. Kann das gut gehen?

Wie schwach die Deutsche Bank auf den Beinen steht, haben die jüngsten Quartalszahlen gezeigt. Zwar schaffte die Bank wieder einen - im internationalen Vergleich bescheidenen - Überschuss, doch in ihrer wichtigsten Sparte, dem Investmentbanking, rutschte sie erneut in die roten Zahlen.

Hauptgrund ist der Einbruch im Wertpapierhandel. Weil der sich in diesem Ausmaß nicht wiederholen dürfte und gleichzeitig das Sparprogramm greift, hält Deutsche Bank Vorstandschef Christian Sewing an seinem Ziel fest, in diesem Jahr eine Eigenkapitalrendite von vier Prozent zu erzielen - räumt aber ein, dass die Bank dafür den Rückenwind der Märkte braucht.

Analysten bleiben skeptisch

Die Analysten haben die Quartalszahlen unbeeindruckt gelassen. Neun von ihnen bestätigten ihre ohnehin sehr niedrigen Kursschätzungen von rund sieben Euro pro Aktie, keiner erhöhte seine Empfehlung. Derzeit rät nur ein einziger von 29 Experten zum Kauf der Aktie. Dagegen empfehlen 16 den Verkauf. Keine andere europäische Großbank wird ähnlich kritisch beurteilt wie das Haus aus der Frankfurter Taunusanlage.

Deutsche Bank-Aufsichtsrat Paul Achleitner

Deutsche Bank-Aufsichtsrat Paul Achleitner. | Bildquelle: Imago

Ob sich an der Aufstellung der Investmentbank etwas ändern muss, ist in der Führungsebene der Bank umstritten. Aufsichtsratschef Paul Achleitner lehnt einen Strategiewechsel ab. In einem am Montag veröffentlichten Interview mit der "Financial Times" verteidigte er die Bemühungen der Sparte, die seit zwei Quartalen Verluste einfährt, das Ruder wieder herumzureißen.

Dissens zwischen Sewing und Achleitner?

Jeder Manager müsse sich ständig an ein sich wandelndes Marktumfeld anpassen, sagte er. In diesem Fall gehe es jedoch nicht um die Strategie, sondern um die Ausführung. Gerade in einem Geschäftsfeld wie den Kapitalmärkten, das so volatil und raschen Veränderungen unterworfen sei, werde es auch in Zukunft ständig Anpassungen geben. Achleitner betonte, dies sei seine persönliche Sicht.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat einen anderen Blick auf die Probleme. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) bemängelte er die schlechten Zahlen: "Im Kapitalmarktgeschäft haben wir zuletzt wenig verdient." Bei stabileren Märkten könne die Deutsche Bank dort auch wieder wachsen. "Richtig ist allerdings auch: Wenn sich das nicht nachhaltig verbessert, dann werde ich auch so konsequent sein und sagen: Da müssen wir uns etwas anderes überlegen."

Tatsächlich fordern auch Analysten und einige der Großaktionäre wie Blackrock und Katar eine deutliche Anpassung der Strategie. Dazu gehören vor allem Einschnitte im Investmentbanking, eine Sparte, in der die Deutsche Bank kräftig Marktanteile an die Wall Street-Konkurrenten sowie große europäische Häuser wie BNP Paribas verloren hat.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,33
Differenz relativ
+2,69%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
5,05
Differenz relativ
+1,08%

Commerzbank will es allein versuchen

Auch die Commerzbank will es nach dem Abbruch der Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Bank nun allein versuchen. Vorstandschef Martin Zielke sagte: "Wir sind alleine stark genug, um unseren Weg zu gehen."

Medienberichten zufolge sollen sowohl die italienische UniCredit als auch die niederländische ING Interesse an der Commerzbank gezeigt haben. "Ich verstehe, dass Sie das interessiert. Aber zu Gerüchten werde ich mich nicht äußern", sagte Zielke. Sowohl die UniCredit als auch die ING sind mit eigenen Einheiten im deutschen Privatkundengeschäft aktiv und könnten diese aufwerten.

Laut Bankenexperte Jan Pieter Krahnen wäre die Commerzbank als Ganzes durchaus interessant für Wettbewerber - "vorausgesetzt die Aufstellung des Instituts wird radikal verändert, verbunden mit Stellenabbau", sagte der Professor für Kreditwirtschaft und Finanzierung an der Goethe-Universität Frankfurt der Deutschen Presse-Agentur.

"Wir haben eine klare Strategie"

Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Martin Zielke. | Bildquelle: Unternehmen

Insider haben aber auch Zweifel, ob solche Szenarien aktuell Sinn ergeben würden. Zumindest hätten beide Varianten nicht das Gewicht einer deutsch-deutschen Lösung. "Wir haben eine klare Strategie, aber auch die muss immer wieder auf den Prüfstand", sagte Zielke. Dies bedeute jedoch nicht, dass man es nicht allein schaffen könne. Die Bank habe noch "gehörig Potenzial" bei ihren Kunden. "Das Privatkundengeschäft hat seine sehr positive Entwicklung fortgesetzt und auch im Firmenkundengeschäft sehen wir Fortschritte."

Für die Deutsche Bank könnte eine Übernahme der Commerzbank durch ein ausländisches Institut zum Problem werden. Denn dann dürfte sie einem starken Wettbewerber gegenüberstehen. Vorstandschef Christian Sewing gibt sich aber gelassen. "Dazu kann es natürlich kommen. Aber auch damit könnten wir umgehen", sagte Sewing im Gespräch mit der "FAS". Ein möglicher Käufer aus dem Ausland wäre "zum einen mindestens ein bis zwei Jahre nur mit deren Integration beschäftigt. Und zum anderen wären wir dann die einzige wirklich deutsche Bank mit internationalem Netzwerk".

lg/dpa/rtr