Blue Bottle Coffee Shop in Tokyo

Markteintritt von US-Tochter erwogen Nestlé: Bald auch Kaffeebars in Europa?

Stand: 10.09.2018, 07:49 Uhr

Mit Nescafé und Nespresso war der Schweizer Nahrungsmittelriese Nestlé einst Trendsetter. Doch dann kam Starbucks und plötzlich wurde auf der ganzen Welt Espresso und Cappuccino getrunken. Demnächst auch in Kaffeehäusern von Nestlé.

Nestlé-Manager Marco Settembri war bei der Eröffnung des ersten Starbucks in Italien, im ehemaligen Hauptgebäude der Post in Mailand, so sehr von der aufwendigen Einrichtung des Laden begeistert, dass er am liebsten eine Filiale seiner eigenen Kette eröffnet hätte. Dies könnte demnächst tatsächlich der Fall werden.

Jedenfalls soll sich Settembrini laut der Financial Times dagingehend geäußert haben. So könnte der kalifornische Kaffeeröster und Fachhändler Blue Bottle Coffee, an dem Nestlé vor gut einem Jahr die Mehrheit erworben hat, auch in Europa den Markteintritt wagen. Blue Bottle Coffee ist heute vor allem in den USA und Japan aktiv.

Zentrales Geschäft mit Kaffee

Nestlé: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auf das Kaffeegeschäft legt der Nestlé-Konzern, zu dem die Marken Nespresso und Nescafe zählen, ein großes Augenmerk. Erst im vergangenen Mai hatten Nestlé und Starbucks eine Vereinbarung zur Vermarktung sämtlicher Konsum- und Gastronomieprodukte von Starbucks durch Nestlé im Umfang von 7,2 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Starbucks-Kapseln sollen bald in den Kapsel-Systemen von Nespresso und Dolce Gusto angeboten werden. Und im Laufe des nächsten Jahres könnte der Starbucks-Röstkaffee in die europäischen Supermärkte kommen.

Nestlé-Chef Mark Schneider betrachtet Kaffee als einen der vier zentralen Märkte, die das Wachstum des Nahrungsmittel-Riesen wieder auf Niveaus von früher bringen sollen. Denn das Geschäft mit der Bohne boomt. Analysten rechnen mit jährlichen Wachstumsraten von sechs Prozent auf dem weltweiten Kaffee-Markt. Der Durst auf Kaffee ist ungebrochen: Der Konsum steigt jährlich um zwei Prozent.

Wachstumsmarkt China

Laut Settembrini, der Nestlé-Chef der Region Europa, Mittlerer Osten und Nordafrika ist, handelt es bei den Plänen mit Blue Bottle Coffee um einen langfristigen Plan, der vor allem auf die Expansion in die Schwellenländer ziele. Dabei sei besonders der chinesische Markt von Interesse. Dort eröffne Starbucks derzeit alle 15 Stunden eine neue Kaffeebar. Von diesem Wachstum will auch Nestlé profitieren.

lg

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Unternehmensgründer Henri Nestlé: Der eigentliche Gründungsvater des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns war… ein Deutscher. Der Frankfurter Apotheker Heinrich Nestle wanderte Mitte des 19. Jahrhunderts in die Schweiz aus. In Vevey am Genfer See tüftelte er an einem Mittel für Säuglinge, die nicht gestillt werden konnten. So erfand er das "farine lactée", das so genannte Kindermehl, eine Kombination aus Kuhmilch, Weizenmehl und Zucker.