Baidu-Logo am Monitor

Der unbekannte Internet-Riese aus Fernost Baidu, das chinesische Google

Stand: 13.02.2018, 17:45 Uhr

In den USA und in Europa beherrscht Google den Markt für Suchmaschinen. In Fernost dagegen ist der Internet-Riese in der Defensive. Baidu dominiert den Markt in China und expandiert zunehmend in andere Schwellenländer. Wer hat Angst vor Baidu?

Wenn Robin Li auftritt, wird er von seinen Fans wie ein Popstar bejubelt. Bei den Produktvorstellungen geht es fast so zu wie Apple. Der 49-jährige Gründer und Chef der Internet-Suchmaschine Baidu zählt zu den schillerndsten Persönlichkeiten im chinesischen Silicon Valley. Für viele junge Chinesen ist der zurückhaltende Internet-Pionier, der in seiner Kindheit Briefmarken sammelte und traditionelle Opern sang, ein Vorbild. Frauen schwärmen von ihm.

Viertwichtigste Suchmaschine der Welt

Robin Li, der eigentlich Li Yanhong heißt, hat binnen weniger Jahre aus einem kleinen Start-up den führenden chinesischen und weltweit viertgrößten Suchmaschinenbetreiber geformt. In den letzten fünf Jahren hat Baidu seinen Umsatz gut verzehnfacht auf zehn Milliarden Dollar.

An der Börse ist das Unternehmen aus dem Reich der Mitte bereits fast 80 Milliarden Dollar wert - und damit das drittgrößte chinesische Hightech-Unternehmen hinter Alibaba und Tencent. Seit dem Börsengang 2005 an der Nasdaq hat sich der Kurs verachtfacht - auf 222 Dollar. Der Ausgabepreis lag bei 27 Dollar. Bereits am ersten Handelstag schoss die Aktie um sagenhafte 354 Prozent nach oben.

Klare Nummer eins in China

Von den über 600 Millionen Chinesen, die das Internet nutzen, kennt nahezu jeder Baidu. 70 Prozent der Suchanfragen beantwortet Baidu.com. Seit dem Rückzug von Google 2010 aus Protest gegen die Zensur in China ist Baidu die unangefochtene Nummer eins auf dem chinesischen Suchmaschinen-Markt.

Im Nordwesten von Peking - im Stadtteil Zhongguancun - residiert die Firma in einem futuristischen Glaskomplex. Wie in den Hightech-Firmen im kalifornischen Silicon Valley gibt es dort einen Massagesaal, einen Schlafkubus, einen Dachgarten, Yogaräume und ein Basketballfeld.

Der Name Baidu ist Programm. Er stammt aus einem 800 Jahre alten Gedicht aus der Song-Dynastie. Darin geht es um einen Mann, der in einer großen Festgesellschaft seine Geliebte sucht. Heute suchen Millionen Chinesen über Baidu ihre große Liebe, unbekannte Begriffe oder andere (lebens)wichtige Dinge.

Chart Börsenwert der China-Techs

Die wertvollsten chinesischen Tech-Konzerne. | Bildquelle: boerse.ARD.de, Grafik: boerse.ARD.de

Expansion in Schwellenländer

Noch macht der Konzern 99 Prozent seines Umsatzes in China. Zunehmend aber expandiert Baidu ins Ausland. In Thailand, Brasilien und Ägypten betreiben die Chinesen eine Suchmaschine. Gerade Afrika, Südostasien und Lateinamerika steht im Fokus. Der Suchmaschinenbetreiber konzentriert sich auf Länder, die in ihrem Entwicklungsstadium China ähneln. Laut dem Wissenschaftsmagazin New Scientist könnte Baidu so "das Google der Schwellenländer" werden.

Allerdings hat Baidu im Ausland einen zweifelhaften Ruf. Kritiker sehen das Unternehmen als Erfüllungsgehilfe der Internetzensur im Reich der Mitte. Tatsächlich dürfte das Regime in Peking die Gründung der Internet-Suchmaschine Anfang 2000 unterstützt haben. Kurz nachdem Robin Li nach seinem Studium in den USA einen Suchalgorithmus entwickelt hatte, lud ihn die chinesische Regierung zur 50-Jahresfeier der Volksrepublik ein. Nach dem Treffen in Peking gründete Li zusammen mit seinem Freund Eric Yu die Firma Baidu - in zwei Hotelzimmern.

Wie gefährlich ist Baidu?

Bis dato war das chinesische Netz relativ unzensiert. Heute muss jedes Internetunternehmen, das in China Geschäfte machen will, den Anweisungen von Peking folgen und Zensur akzeptieren. Die chinesische Zentralregierung lässt das Internet regelmäßig von tausenden Zensoren durchforsten. Ausländische Dienste wie Facebook, YouTube oder Twitter sind komplett gesperrt.

Mehr als eine Suchmaschine

Um seinen schlechten Ruf loszuwerden, hat sich Baidu diversifiziert. Ähnlich wie Google ist das Unternehmen längst mehr als eine Suchmaschine. Die Nutzer können auf Baidu.com Videos schauen, Fotos verwalten, Games spielen, Buchauszüge lesen und Lieder gratis hören. Darüber hinaus mischt Baidu im Filmgeschäft mit, 2013 eröffneten die Chinesen ein eigenes Filmstudio in Hollywood. Mit dem Kauf der videoplattform PPStream will Baidu Googles Plattform YouTube angreifen.

Gemeinsam mit Infineon entwickelt Baidu ein autonomes Auto. Zudem tüfteln die Chinesen an einem automatisierten Fahrrad, das in den verstopften asiatischen Metropolen eine Alternative zum Auto sein soll. Die Ideen gehen Baidu-Gründer Robin Li nicht aus…

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Tencent
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