Chinesische Flagge zwischen Daimler-Fahnen

"Willkommen, liebe Langzeitinvestoren" Halten die Chinesen bald 20 Prozent an Daimler?

Stand: 16.12.2019, 08:05 Uhr

Der chinesische Daimler-Partner BAIC will Insidern zufolge größter Anteilseigner des Autobauers werden und seinen Anteil verdoppeln - der heimische Rivale Geely soll überflügelt werden. Was plant China?

Baic habe er mit einer Erhöhung seiner im Juli verkündeten Beteiligung von fünf Prozent begonnen und kaufe am Markt Aktien, sagten mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. BAIC peile eine Verdoppelung auf rund zehn Prozent an. Ziel des Pekinger Autoherstellers sei es, den heimischen Rivalen Geely, der 9,69 Prozent der Anteile besitzt, als größten Aktionär zu überflügeln und so seine Position als Daimlers Hauptpartner auf dem weltgrößten Automarkt zu festigen.

Zudem strebe BAIC einen Sitz im Daimler-Aufsichtsrat an, über den die Volvo-Mutter Geely nach ihrem überraschenden Einstieg im vorigen Jahr nicht verfügt.

Das Bundeswirtschaftsministerium ist aufmerksam  

Unterstützt wird BAIC laut den Insidern von der britischen Großbank HSBC, die einen Großteil ihrer Geschäfte in Asien tätigt und den Konzern bereits beim Einstieg bei Daimler geholfen hat. HSBC selbst kontrollierte nach Daimler-Angaben zuletzt rund 5,2 Prozent der Stimmrechte direkt und indirekt. Reuters hatte bereits im November von Insidern erfahren, dass BAIC mit einer Erhöhung des Anteils liebäugelt.

Die Pläne des chinesischen Staatskonzerns dürften auch das Bundeswirtschaftsministerium beschäftigen, denn schon im vorigen Monat hatte es erklärt, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen.

Der Geely-Einstieg hatte für Irritation gesorgt, weil sich Unternehmenschef Li Shufu über Banken unbemerkt unter dem Radar von Veröffentlichungspflichten auf einen Schlag einen so hohen Anteil einverleibte. Daimler war außerdem besorgt, Geelys Engagement könne BAIC sauer aufstoßen.

Geely-Chef Li Shufu

Geely-Chef Li Shufu. | Bildquelle: picture alliance / Lang Tian/Imaginechina/dpa

"Langzeitinvestoren willkommen"

Daimler erklärte, noch keine Mitteilung über eine BAIC-Anteilserhöhung erhalten zu haben. Daimlers China-Chef Hubertus Troska hatte am Freitag gesagt, man heiße Langzeitinvestoren bei Daimler willkommen. Nach BAIC gefragt, meinte Troska, man möge sich. "Lasst uns sehen, wie sich die Dinge entwickeln."

Von BAIC und Geely war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten, HSBC wollte sich nicht äußern. BAIC ist bereits seit einigen Jahren Daimlers Hauptpartner in China und betreibt Mercedes-Benz-Werke in Peking.

Mit Geely hat Daimler ein Joint Venture für die Produktion des Kleinwagens Smart gegründet. Ab 2022 wird der Stadtflitzer nur noch als Elektroauto und ausschließlich in China für den Weltmarkt produziert.

ts/rtr