Johnson & Johnson Baby Puder

Babypuder-Skandal Johnson & Johnson: Falsche Behauptung?

Stand: 17.12.2018, 07:09 Uhr

Es war der größte Tagesverlust seit dem Jahr 2000: Die Aktie des weltgrößten Anbieters von Health-Care-Produkten Johnson & Johnson ist am Freitag um zehn Prozent eingebrochen. Hintergrund ist ein schlimmer Verdacht. Doch der Konzern wehrt sich.

"Jede Behauptung, dass Johnson & Johnson Informationen über die Sicherheit des Puders kannte oder aber verheimlichte, ist falsch", schrieb Ernie Knewitz, stellvertretender Leiter der Global Media Relations an Reuters. In dem Brief wurde zudem darauf hingewiesen, dass in tausenden unabhängigen Tests geprüft werde, dass die Puder der Firma Johnson & Johnson kein Asbest enthalten oder Krebs verursachen.

Doch zu spät: Das im US-Leitindex Dow Jones enthaltene Papier weitete seine Verluste immer weiter aus und ging schließlich zehn Prozent tiefer bei knapp 15 Dollar aus dem Handel. Ein Einbruch, den die Aktie des bis dahin fast 400 Milliarden Dollar schweren Konzerns an einem Tag seit der Jahrhundertwende nicht mehr erlebt hat.

JPMorgan hält Kursabsturz für übertrieben

Johnson & Johnson-Logo auf Verbandszeug

Johnson & Johnson. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ausgelöst wurde der Absturz von einem Reuters-Bericht. Danach gehe aus internen Dokumenten hervor, dass sich in Babypuder-Produkten des Konzerns zeitweise krebserregende Asbest-Stoffe befunden haben könnten und Johnson & Johnson diese Information gegenüber der Börsenaufsicht und der Öffentlichkeit zurückgehalten habe.

Die US-Bank JPMorgan hat die Aktie des Pharma- und Konsumgüterkonzerns trotzdem auf "Neutral" belassen. Der Inhalt des Reuters-Berichts sei bereits bekannt, schrieb Analyst Chris Schott in einer ersten Reaktion. Die negative Kursreaktion sei übertrieben, da die finanziellen Risiken in dieser Angelegenheit kaum in die Nähe der rund 40 Milliarden Dollar rücken dürften, welche das Unternehmen dadurch an Börsenwert verloren habe. Allerdings rechnet Schott auch nicht mit einer schnellen Lösung. Entsprechend dürfte die Aktie mit niedrigeren Bewertungskennziffern gehandelt werden, so lange das Unternehmen nicht für mehr Klarheit sorge.

Was wird aus der Jahresprognose?

Dabei hatte sich Johnson & Johnson bis zum Freitag als erfolgreicher defensiver Wert entpuppt, denn die Geschäfte des Health-Care-Konzerns laufen gut. Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 20,35 Milliarden Dollar (Vorjahr: 19,65 Milliarden Dollar) bei einem Nettogewinn von 3,93 Milliarden (Vorjahr: 3,76 Milliarden Dollar).

Das veranlasste den Konzern, seine Prognosen für das Gesamtjahr anzuheben. Statt 80,5 bis 81,3 Milliarden Dollar strebte der Konzern nun 81 bis 81,4 Milliarden Dollar an. Die Konsensprognose lag bei 81,2 Milliarden Dollar. Auch das bereinigte Ergebnis je Aktie wurde angehoben auf 8,13 bis 8,18 Dollar. Die frühere Schätzung ging von einer Bandbreite von 8,07 bis 8,17 Dollar aus. Ob das Unternehmen nun wieder zurückrudern muss, weil die Kunden verunsichert sind und Babypuder eher bei der Konkurrenz kaufen, wird sich erst in einigen Wochen herausstellen.

Ein Dividendenaristokrat

Johnson & Johnson zählt zu den sogenannten Dividendenaristokraten. Das sind Unternehmen, die seit mindestens 25 Jahren ihre Dividende jedes Jahr gesteigert haben. In diesem Jahr wurde das 56. Jahr in ununterbrochener Folge die Dividende erhöht. Die derzeitige Dividendenrendite liegt beim aktuellen Börsenkurs von 133 Dollar (Stand: 14. Dezember 2018) bei 2,70 Prozent. Johnson & Johnson ist seit dem Jahr 1944 an der Börse notiert. Seitdem zahlt das Unternehmen ununterbrochen eine Dividende an seine Aktionäre.

lg

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Die zehn besten Dividendenaristokraten Von W.W. Grainger bis Abbvie

<b>W. W. Grainger</b><br />Gerade noch unter die Top Ten hat es W. W. Grainger geschafft. Der 1927 von William W. Grainger gegründete Industriezulieferer mit Sitz in Lake Forest bei Chicago hat seine Dividende seit 1971 Jahr für Jahr erhöht. Die Dividendenrendite liegt bei rund zwei Prozent.: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 10 Jahre

W. W. Grainger
Gerade noch unter die Top Ten hat es W. W. Grainger geschafft. Der 1927 von William W. Grainger gegründete Industriezulieferer mit Sitz in Lake Forest bei Chicago hat seine Dividende seit 1971 Jahr für Jahr erhöht. Die Dividendenrendite liegt bei rund zwei Prozent.