Branchenverband macht mobil Autozölle: Auch US-Hersteller warnen

Stand: 20.02.2019, 09:28 Uhr

Während sich die Hersteller im Streit um mögliche Strafzölle auf Autoimporte in die USA weiter zurückhalten, sind die Branchenverbände umso lauter. Sie warnen vor gravierenden Folgen auch für die US-Industrie.

So heißt es in einer Stellungnahme des Herstellerverbandes Alliance of Automobilmanufacturers, kurz Auto Alliance, dass eine Anhebung der Zölle auf ausländische Autoimporte in die USA auch die amerikanische Autoindustrie erheblich treffen würde. Denn die Zölle hätten eine ähnliche Wirkung wie eine zusätzliche Steuer für Verbraucher.

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: Imago

Autozölle trieben die Preise für Neu- und Gebrauchtwagen sowie für Reparatur- und Wartungskosten, drosselten die Nachfrage und gefährdeten bis zu 700.000 Jobs. Der Verband weist darauf hin, dass praktisch jeder Bundesstaat auch ein Autostaat sei.

Sieben Millionen Jobs

Insgesamt stelle die amerikanische Autobranche über sieben Millionen Jobs in 45 Produktionsstätten. Die Organisation vertritt 12 der größten Hersteller, darunter die deutschen Firmen BMW, Daimler, Porsche und VW, aber auch Fiat-Chrysler, Ford, und General Motors.

Auch der Zuliefererverband Mema, der auch Bosch in den USA vertritt, kritisierte die mögliche Einführung von Strafzöllen. Allein die Aussicht darauf verunsichere die Investoren. Keiner wolle eine Anhebung der Fahrzeugepreise "um bis zu 7.000 Dollar“, warnte der Verband. Besonders kleine Zulieferer, die bereits unter den Strafzöllen für Stahl und Aluminium litten, seien dann gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen.

Ganze Wirtschaft wird belastet

Die in Detroit ansässige Denkfabrik "Center for Automotive Research" prognostiziert gar eine Belastung für die gesamte amerikanische Wirtschaft. So dürfte das Bruttoinlandsprodukt zwischen sechs und 30,4 Milliarden Dollar schrumpfen, falls die Regierung ihre Drohung wahr mache. Sämtliche Varianten von Autozöllen seien für die Verbraucher, die Wirtschaftsleistung und das Beschäftigungsniveau in den USA negativ, warnen die Wissenschaftler.

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Offenbar fürchten auch die Regionalpolitiker garvierende Auswirkungen. Der Bezirksrat von Spartanburg, South Carolina, wo das weltweit größte BMW-Werk steht, sagte dem Handelsblatt: "Das ist kein Spiel. Ich bete, dass der Präsident es bei Drohungen belässt. Autozölle wären für die USA verheerend.“ In South Carolina haben neben BMW auch Volvo und Mercedes eigene Werke aufgebaut.

Altmaier: Erst ein Drittel des Weges bestritten

Bundesminister für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier

Bundesminister für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier. | Bildquelle: picture alliance/Bernd von Jutrczenka/dpa

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sagte am Morgen im Deutschlandfunk, im Handelsstreit mit den USA sei noch kein Land in Sicht. "Wir sind noch nicht dort, wo wir hinmüssen", so der CDU-Politiker. Es sei erst ein Drittel des Weges bestritten. "Der schwierigste Teil, der kommt jetzt." Trotzdem sei kein Pessimismus angebracht. "Man kann Probleme lösen, wenn der Wille vorhanden ist."

Gleichzeitig wurde am Morgen bekannt, dass Kraftfahrzeuge und Autoteile auch 2018 das wichtigste Exportgut der deutschen Wirtschaft geblieben sind. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden 2018 Autos und Kraftwagenteile im Wert von 229,7 Milliarden Euro aus Deutschland exportiert.

Autos bleiben Exportschlager

Damit waren diese wie seit dem Jahr 2010 durchgehend Deutschlands wichtigste Exportgüter, wie das Amt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Auf den weiteren Rängen folgten Maschinen im Umfang von 193,2 Milliarden Euro und chemische Erzeugnisse im Wert von 117,4 Milliarden Euro. Die wichtigsten Importgüter für Deutschland waren im vergangenen Jahr Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse im Wert von 117,4 Milliarden Euro, gefolgt von Kraftwagen und Kraftwagenteilen und chemischen Erzeugnissen.

lg