Autoproduktion bei Audi in Ingolstadt

Katerstimmung vor dem Genfer Autosalon Ein turbulentes Jahr für die Autoindustrie

Stand: 04.03.2019, 07:51 Uhr

Gewinnwarnungen, Personalabbau, Handelsstreit, Produktionskürzungen: Die deutsche Autoindustrie steht vor großen Herausforderungen, warnt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Auch der VW-Chef Herbert Driess erwartet ein kritisches Jahr. Im Bereich Elektromobilität soll es aber richtig vorwärts gehen.

Die deutsche Autoindustrie erwartet in diesem Jahr einen deutlichen Rückgang der Inlandsproduktion und muss sich auf ein weltweit schwieriges Geschäft einstellen. In den deutschen Werken dürfte die Produktion um rund 5 Prozent auf 4,8 Millionen Fahrzeuge sinken, teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit.

Auch die globale Perspektive könnte ernüchternd werden: Der VDA rechnet für 2019 mit weltweit 84,9 Millionen Autoverkäufen - unter der Voraussetzung allerdings, dass China, die USA, die EU und Großbritannien ihre Konflikte konstruktiv lösen. Dudenhöffer ist weniger optimistisch und rechnet weltweit mit einem Rückgang um 1,8 Millionen auf unter 82 Millionen Autos.

Große Investitionen sind gefragt

Die Unternehmensberatung PwC hat deutsche Automanager zu den aktuellen Herausforderungen der Branche befragt. Dieselkrise, strengere Klimaschutzvorgaben und den Wandel zum Elektro-Auto: Zwischen 70 und 75 Prozent der 203 befragten Führungskräften sagten, diese Themen hätten für ihre Unternehmen im laufenden Jahr die größten Auswirkungen.

"Internationale Krisen und schwächelnde Kernmärkte machen der Branche gerade in einer Phase zu schaffen, in der große Investitionen in Zukunftsthemen wie das autonome Fahren oder auch vernetzte Mobilitätsdienstleistungen gefragt wären", sagte PwC-Partner Felix Kuhnert.

Was passiert in China?  

Der Zollstreit gehört ebenfalls zu den wichtigsten Themen der Zeit: Volkswagen-Chef Herbert Diess warnt vor Milliardenkosten durch mögliche US-Importzölle. "Das wäre schwer zu verdauen. Es könnte uns zwei bis drei Milliarden Euro kosten - im schlimmsten Fall, bei 25 Prozent Zoll", sagte Diess dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND. „Das hätte auch Folgen für die Beschäftigung - eine echte Bedrohung, die wir versuchen, mit allen Kräften zu vermeiden.“

Dudenhöffer betonte, „die größte Belastung dürfte der Rückgang in China ausmachen“. Im vergangenen Jahr ist der China-Absatz erstmals seit 20 Jahren geschrumpft, um sechs Prozent auf 22,7 Millionen Autos. Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs erwarten 2019 ein ähnliches Minus. Zuletzt gab es auch Warnsignale aus den USA.  

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Und der Zukunft zugewandt

Im Bereich Elektromobilität ist allerdings eine Offensive geplant: Kurz vor dem Genfer Autosalon stellt die deutsche Autoindustrie für die kommenden drei Jahre Investitionen von etwa 60 Milliarden Euro in Elektromobilität und Digitalisierung in Aussicht. Die Transformation der Branche werde offensiv angegangen, erklärte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes.

In die E-Mobilität sollten mehr als 40 Milliarden Euro fließen, weitere 18 Milliarden Euro seien für Digitalisierung sowie vernetztes und autonomes Fahren vorgesehen. Das Angebot deutscher Autobauer werde sich im gleichen Zeitraum auf rund 100 E-Modelle verdreifachen.

ts/dpa/rtr